St. Pauli: Alle Spieler sind Deutsche

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Charles Takyi, Deniz Naki und Marius Ebbers beim Jubeln

Hamburg - Der FC St. Pauli braucht weder Dolmetscher noch Sprachkurse. Beim Aufsteiger in die Fußball-Bundesliga wird akzentfrei deutsch gesprochen.

Was in jeder anderen Profi-Mannschaft nahezu unmöglich wäre, ist bei den Hamburgern normal: Alle Spieler sind momentan Deutsche. Damit ist St. Pauli einzigartig in der Eliteliga.

Einen rein deutschen Bundesliga-Kader gab es zuletzt in der Saison 1991/92 bei Dynamo Dresden. Trainer der Sachsen war damals ausgerechnet Helmut Schulte, jetzt Sportdirektor bei St. Pauli. Unter seiner Regie leistet sich nun auch der Hamburger Kultverein, der bekanntermaßen gerne extravagante Wege beschreitet, diese ungewöhnliche Personalplanung.

Zum Vergleich: Bundesliga-Spitzenreiter ist Wolfsburg mit einem Ausländeranteil von 64 Prozent, Meister Bayern München hat 53 Prozent Spieler mit fremdem Pass. Hannover 96 weist mit 23 Prozent die geringste Ausländerquote auf - nach den schwarz-rot-goldenen St. Paulianern eben. “Auch im Fußball-Oberhaus bleiben wir ein Stadtteil- Club, der regional aufgestellt ist, nicht etwa international“, erläutert Schulte die Philosophie des Vereins.

Zwölf der aktuell 27 Spieler stammen aus Norddeutschland. Der Verein setzt verstärkt auf junge Talente aus der Region, wie Neuzugang Fin Bartels (Kiel), Max Kruse (Reinbek) oder Rouwen Hennings (Bad Oldesloe). “Hier liegt tatsächlich unser erster Fokus. Weil das für die Bundesliga aber nicht reicht, suchen wir eben deutschlandweit nach Profis“, erklärt Schulte.

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“Wir verpflichten dabei nicht nach Staatsangehörigkeit, sondern bevorzugen lediglich Spieler, die wir gut einschätzen können und die sich leicht integrieren lassen“, berichtet der 52-Jährige. Was nütze schon ein Spieler aus dem Ausland, der kein Deutsch spricht und sich hier nicht wohlfühlt. Unter diesen Umständen könne niemand 100 Prozent Leistung bringen. “Am liebsten wären uns Spieler, die auf dem Kiez geboren sind, mit Elbwasser getauft wurden, schon immer bei St. Pauli spielen und dann zum Nationalspieler werden.“

Dass nach dem Aufstieg in Jonathan Bourgault (Kanada), Marc Gouiffe à Goufan (Kamerun) und Morike Sako (Frankreich) die einzigen Ausländer das Team verlassen haben, bezeichnet der Sportchef indessen als reinen Zufall: “Das hat sich so ergeben. Unser Plan schließt ja keineswegs aus, ausländische Profis unter Vertrag zu nehmen.“

Multikulturell bleibt die Pauli-Truppe ohnehin: Deniz Naki hat türkische Wurzeln, die Familie von Kapitän Fabio Morena stammt aus Italien, Charles Takyi kommt ursprünglich ebenso aus Ghana wie Gerald Asamoah.

dpa

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