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Nazi-Vergleich: ZDF entschuldigt sich

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Katrin Müller-Hohenstein langte kräftigt daneben (Archivfoto) © dpa

Johannesburg - Das ZDF hat sich für eine verbale “Entgleisung“ von Katrin Müller-Hohenstein während des deutschen Auftakts bei der Fußball-WM entschuldigt.

“Und für Miroslav Klose ein innerer Reichsparteitag, jetzt mal ganz in Ernst, dass er heute hier trifft“, sagte die Moderatorin in der Halbzeitpause beim 4:0-Erfolg der DFB-Elf gegen Australien am Sonntagabend.

Konsequenzen für die Journalistin schloss der Sender aus. “Das ist eine verbale Entgleisung, die ihr und uns leidtut. Sie ist im Eifer der Situation entstanden. Wir bedauern das, und das wird so auch nicht mehr vorkommen“, sagte ARD/ZDF-Teamchef Dieter Gruschwitz der Nachrichtenagentur dpa, “das ist ein umgangssprachlicher Ausdruck, der nicht in die Fernsehsprache gehört.“

Im Internet waren über Twitter bereits wenige Minuten nach dem Ausspruch die Emotionen hochgekocht. Die ZDF-Online-Redaktion “zwitscherte“, dass man den Unmut verstehe und verwies auf das Kontaktformular zur Zuschauerredaktion.

Regierung mit Reaktion zufrieden

Für die Bundesregierung ist die Diskussion um die verbale Entgleisung der ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein bei der Fußball-WM mit der Reaktion des öffentlich-rechtlichen Senders vorerst erledigt.

Das ZDF hat sich entschuldigt und ein Gespräch mit der Journalistin geführt. “Dementsprechend sind wir mit der Reaktion des ZDF zum jetzigen Zeitpunkt zufrieden“, sagte Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmans am Montag in Berlin. Zur weiteren Bewertung des Vorfalls verwies er an die zuständigen ZDF-Rundfunkgremien.

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Die Redensart "innerer Reichsparteitag"

Die umgangssprachliche Redensart “innerer Reichsparteitag“ soll das Erleben von großer Freude oder großer Genugtuung beschreiben. Umstritten ist der Ausspruch, weil er eine Verbindung zu den inszenierten Massenveranstaltungen der NSDAP-Propaganda schafft.

In ihrer Selbstdarstellung verkündete die NS-Propaganda 1934: “Der Reichsparteitag ist die Heerschau der nationalsozialistischen Bewegung. Neue Aufgaben und Ziele der Partei werden durch den Führer festgelegt. Politische Leiter, SA und HJ geloben, in Gemeinschaft mit den übrigen Parteigenossen, dem Führer Treue und Gefolgschaft“. Der von Leni Riefenstahl inszenierte Film “Triumph des Willens“ über den Nürnberger NSDAP-Reichsparteitag von 1934 dokumentierte diese Art von Selbstdarstellung des NS-Regimes.

Wer wie im aktuellen Fall bei einem WM-Kommentar von einem “inneren Reichsparteitag“ spricht, stellt nach Ansicht von Kritikern einen sprachlichen Zusammenhang zwischen einem sportlichen Großereignis und der Massenpropaganda der NS-Diktatur her. Das ZDF entschuldigte sich für eine verbale “Entgleisung“.

dpa

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