Fußball-WM

Vorbild Megan Rapinoe: Das Selbstverständnis der Powerfrau fehlt den deutschen Fußballerinnen

+
Ein bisschen Megan Rapinoe täte dem deutschen Fußball gut.

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg präsentiert eine erste WM-Analyse, derweil die Frauen-Bundesliga erste Maßnahmen gegen den Bedeutungsverlust bespricht.

Ist die Malaise vielleicht doch nur halb so schlimm? Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg wehrt sich gegen Schwarzmalerei, DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg ist ohnehin jede Panikmache fremd, und der Manager des 1. FFC Frankfurt, Siegfried Dietrich als Sprecher der Kommission Frauen-Bundesliga findet nichts schädlicher, als den deutschen Frauenfußball in Schutt und Asche zu reden. 

Die am Freitag veröffentlichte Fifa-Weltrangliste unterstützt derlei Beschwichtigungen: 

Der Weltmeister USA

hat seinen Führungsanspruch zwar vergrößert, aber dahinter belegt Deutschland unverändert Platz zwei. Vizeweltmeister Niederlande liegt als Dritter genauso noch dahinter wie der WM-Vierte England, der bei den drei letzten WM- und EM-Turnieren besser als die DFB-Auswahl abgeschnitten hat.

Schon Voss Tecklenburg hatte am vergangenen Mittwoch bei einer Veranstaltung eines Software-Dienstleisters in Dortmund erste Erkenntnisse präzise formuliert: „Ich wehre mich dagegen, etwas verschlafen zu haben.“ Andere Nationen hätten in Frankreich halt einen richtig guten Job gemacht, „die Deutschland lange als Vorbild angesehen haben“. Der ebenso tatendurstige wie zuversichtliche 51-Jährigen ist zugute zu halten, dass sie sich vor ihrem Urlaub und einer für Mitte August anberaumten Analyse im Trainerteam bereits öffentlich geäußert hat, während sich Joachim Löw nach dem WM-Desaster 2018 dafür zwei Monate Zeit ließ.

Ein bisschen mehr Selbstverständnis à la Rapinoe ist gewünscht

Voss-Tecklenburg deutete an, dass in Deutschland vielleicht ein bisschen von Megan Rapinoe fehle: „Die USA hat noch mal gezeigt, dass der athletische und physische Fußball gepaart mit mentaler Stärke das richtige Ergebnis gebracht hat. Man hatte immer das Gefühl, die glauben an sich.“ Niemand erwartet von den deutschen Protagonisten, dass sie wie die amerikanische Powerfrau fußballerische Glanztaten mit gesellschaftlichen Botschaften und politischen Statements verknüpfen, aber ein bisschen mehr Selbstverständnis à la Rapinoe darf es sein.

Mit ihrer „unfassbaren“ Mentalität und Turniererfahrung seien die US-Girls weit weg von allen anderen, findet die Bundestrainerin, „denn fußballerisch war es kein Unterschied“. Das System USA sei wegen der Strukturen - dort werden die Spielerinnen vom Verband auch fürs Engagement in den Vereinen bezahlt – zwar nicht kopierbar, aber man müsse schauen, „was passiert in England, in Spanien“. Die Vereine müssten „die Augen offen halten, und wir alle versuchen, in die gleiche Richtung zu rudern“.

Vertreter der Frauen-Bundesliga treffen sich

Insofern passend, dass sich am Donnerstag in der DFB-Zentrale die Vertreter der Frauen-Bundesliga zur turnusgemäßen Tagung trafen. Am 16. August eröffnet der Rekordmeister 1. FFC Frankfurt gegen den einstigen Erzrivalen Turbine Potsdam die 30. Spielzeit. Dietrich als designierter Generalbevollmächtigter für den Frauenfußball der Eintracht Frankfurt Fußball AG hat darauf gedrängt, dass zwei der erfolgreichsten Frauenvereine diese Plattform bespielen. Eine Live-Übertragung bei Eurosport um 18 oder 18.30 Uhr ist geplant. Eine Art Appetizer für den Startschuss der Männer-Bundesliga FC Bayern gegen Hertha BSC am selben Abend.

Überhaupt soll das männliche Umfeld helfen, um die weibliche Strahlkraft zu erhöhen: Zusammenfassungen aus der Frauen-Bundesliga für die ARD-Sportschau werden besprochen. Dauerhaft wird die Verankerung bei den Öffentlich-Rechtlichen nur gelingen, wenn nicht auch noch die Nationalspielerinnen abwandern: Sara Däbritz (Paris St. Germain) und Leonie Maier (FC Arsenal) sind gerade gewechselt, um die Toptalente Lea Schüller und Lena Oberdorf (SGS Essen) soll der FC Chelsea buhlen.

Dass Eintracht Frankfurt den 1. FFC Frankfurt aufnimmt, könnte Signal setzen

Um dem Bedeutungsverlust zu begegnen, wird demnächst eine Arbeitsgruppe benannt. Ferner werde diskutiert, ob es eine Task Force oder einen Runden Tisch braucht, heißt es beim DFB. Auch ein Masterplan wie ihn England als Ausrichter der EM 2021 entworfen hat, würde sicher nicht schaden. Eine Absage gibt es, die Klubs der Männer-Bundesliga dazu zu verpflichten, ein Frauen-Team zu unterhalten. Mit Borussia Dortmund oder der FC Schalke 04 haben zwei prominente Vereine diesen Schritt in naher Zukunft nicht geplant.

„Der langfristigen Entwicklung des Frauenfußballs hilft es nicht, wenn er nur als Anhängsel des Lizenzfußballs – ohne strategische Ausrichtung und ohne klare Positionierung innerhalb des Vereins – wahrgenommen wird“, sagt DFB-Direktorin Heike Ullrich. Sie kann sich aber vorstellen, dass die Entscheidung von Eintracht Frankfurt,  in der nächsten Saison den 1. FFC Frankfurt aufzunehmen*, „eine Signalwirkung“ besitzt. Sich nur auf die Weltrangliste zu berufen, könnte auf Dauer nämlich zu wenig sein.

Von Frank Hellmann

Lesen Sie auch

Fußball-WM 2019: Der einstige Trendsetter Deutschland hinkt im Frauenfußball hinterher

Fußball-WM 2019: Deutsche Frauen nach dem Aus: Au revoir

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Kommentare