Junge Garde stellt Neid vor die Qual der Wahl

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Bundestrainerin Silvia Neid.

Aachen - Ob junge Wilde oder erfahrene Haudegen: Zumindest beim Drachenbootrennen gegen den Betreuerstab saß die gesamte Frauenfußball-Nationalmannschaft im selben Boot.

Welche elf Spielerinnen beim WM-Eröffnungsspiel gegen Kanada in drei Wochen in Berlin die Besatzung bilden werden, hat Silvia Neid noch nicht entschieden. „Ich habe noch keine Stammformation für die WM im Kopf“, sagte die Bundestrainerin nach dem gelungenen Test gegen Italien.

Nach dem 5:0 in Osnabrück darf man gespannt sein, ob Neid beim vorletzten Test am Dienstag (16.30 Uhr/ARD) im Aachener Tivoli gegen die Niederlande zu Beginn wieder auf die erfahrene Crew setzt oder die Abteilung „Jugend forsch“ von Anfang an auf das Feld lässt. Denn gegen Italien hatten sich vor allem die eingewechselten Youngster Alexandra Popp (2 Tore) und Celia Okoyino da Mbabi (1) mit temporeichem Spaßfußball für zukünftige Einsätze empfohlen, während die Stammstürmerinnen Birgit Prinz und Inka Grings in der zähen ersten Hälfte vor allem Fußball arbeiten mussten.

So schön ist der Frauenfußball

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Die Bundestrainerin nahm ihre erste Elf in Schutz. „Das war der Plan: Die Startelf hat die Italienerinnen mit hohem Tempo müde gemacht, die waren dann nicht mehr so giftig. Das haben die Spielerinnen in der zweiten Hälfte ausgenutzt“, sagte Neid. Das sei aber nicht das goldene WM-Rezept, zumal man dann nicht mehr sechsmal wechseln kann. Diesen Luxus genießt sie nur noch am Dienstag in Aachen und am 16. Juni (20.30 Uhr/ZDF) bei der WM-Generalprobe in Mainz gegen Norwegen. „Schade eigentlich“, sagte Neid.

Denn Spielerinnen vom Kaliber einer U20-WM-Torschützenkönigin Popp oder Edeltechnikerin Lira Bajramaj von der Bank zu bringen, spricht für die Qualität des Kaders, der die schwierige Mission hat, zum dritten Mal in Folge die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Dass der interne Konkurrenzkampf „Jung gegen Alt“ zu Missstimmungen führen könnte, glaubt Grings nicht: „Genau das hat uns immer so stark gemacht: Dass wir so viele gute Spielerinnen haben, die sich mit ihren Stärken ergänzen. Das ist ein Riesenvorteil für uns.“

Popp, die im vergangenen Sommer beim WM-Triumph der U20 mit zehn Toren für Furore gesorgte hatte, fühlt sich noch wohl in der Rolle des Jokers, der für Dampf sorgt. Eine Kampfansage an die Arrivierten ist von ihr nicht zu hören: „Mein Ziel ist es, von Spielerinnen wie Birgit und Inka zu lernen. Ich bin froh, überhaupt im Kader zu stehen.“

Das Selbstbewusstsein der Titelverteidigerinnen ist nach den sechs Wochen intensiver Vorbereitung und den zwei Testspielsiegen gegen Nordkorea (2:0) und Italien jedenfalls gewachsen. „Wir können die beste Mannschaft der Welt sein“, sagte Nadine Angerer im ZDF-Sportstudio. Mit dem Gedanken an einen möglichen Besuch von Kanzlerin Angela Merkel in der Kabine nach dem WM-Sieg kann sich die Torfrau schon anfreunden: „Ich finde den Bundespräsidenten cooler. Aber von mir aus können sie beide kommen.“

sid

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