Europa League

Eintracht Frankfurt: Luka Jovic kein Thema, Sturridge schon 

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Wieder mittendrin im Getümmel: Sebastian Rode, Eintracht-Mittelfeldspieler.

Die Frankfurter sagen, sie nehmen den FC Vaduz auch nach dem 5:0 im Hinspiel der Europa-League-Qualifikation ernst, einerseits. Andererseits wird Trainer Hütter eine Art B-Elf ins Rennen schicken.

Im ersten Moment war nicht ganz sicher, ob der Frankfurter Trainer Adi Hütter sich einen kleinen Scherz erlaubt hatte oder ob es sein voller Ernst war: „Ich will nicht zu viel verraten, um den FC Vaduz zu überraschen“, hatte der Coach gesagt, als Fragen zur möglichen Aufstellung der Hessen kamen. Bei allem Respekt: Nach einem 5:0-Erfolg im Hinspiel in der Europa-League-Qualifikation gegen den allenfalls drittklassigen FC Vaduz sollte das Rückspiel heute Abend (20.30 Uhr/live bei RTL Nitro und im Liveticker) vor einem mit 48 000 Zuschauern ausverkauften Waldstadion ein Selbstgänger sein – selbst wenn der Liechtensteiner Klub 162 Fans und eine Trommel mitbringt.

Eintracht Frankfurt jedenfalls wird, drei Tage vor dem Saisonstart gegen die TSG Hoffenheim am Sonntag, die Partie nutzen, die Mannschaft gehörig durcheinander zu wirbeln. „Wir werden mehr rotieren als sonst“, verrät Hütter, und er wird den lange fehlenden Sebastian Rode einsetzen, erstmals seit seinem verletzungsbedingten Ausscheiden im Halbfinale gegen den FC Chelsea Ende April. Ansonsten dürften, bis auf die Rückkehrer Kevin Trapp und Martin Hinteregger, die Spielpraxis brauchen, vor allem jene Profis auflaufen, die zuletzt weniger häufig spielen durften. Hütter verwahrte sich indes vehement dagegen, diese Profis als „zweite Garnitur“ zu bezeichnen. Für Djibril Sow, der Schweizer Nationalspieler, kommt diese Begegnung immer noch zu früh, allerdings trainierte der 22-Jährige, der sich in der Vorbereitung einen Sehnenabriss zugezogen hatte, am gestrigen Mittwoch erstmals mit der Mannschaft. Der Mittelfeldarbeiter dürfte folglich früher in den Kader zurückkehre als erwartet.

Die Vorzeichen in diesem ungleichen Duell heute Abend sind also klar, dennoch will Eintracht Frankfurt die 90 Minuten mit der erforderlichen Seriosität angehen. „Wir haben uns gegenüber eine Verpflichtung, aber auch den Fans“, sagt Neuzugang Erik Durm im Namen der Mannschaft. „Es gibt nullkommanull Anzeichen dafür, dass wir das Spiel auf die leichte Schulter nehmen“.

Rückkehr Jovics kein Thema

Trotzdem ist die Partie gegen Vaduz für die Hessen ein besseres Trainingsspiel. „Es ist ein Pflichtspiel, das wir gewinnen wollen, um mit breiter Brust und einem Erfolgserlebnis in die Bundesliga zu gehen“, versichert Hütter zwar, und er kann auch der Tatsache durchaus Positives abgewinnen, dass die Frankfurter halbwegs ernsthaft durch Europa tingelten – auch wenn die Gegner natürlich „nicht in der obersten Kategorie“ angesiedelt waren. Aber derlei Pflichtspiele seien allemal besser als Freundschaftsspiele. „Außerdem geht es für den einen oder anderen Spieler um einen Platz in der Mannschaft.“ Aber erst die Bundesliga wird mit den Spielen gegen Hoffenheim, in der Woche drauf bei RB Leipzig und womöglich in der Europa-League-Quali gegen Racing Straßburg die ersten Prüfsteine für die Hessen liefern. „Da müssen wir Leistung an der obersten Grenze bringen“, weiß Hütter. Inzwischen hat er durchaus „ein Gefühl dafür, wo die Mannschaft steht“, mit dem Kader sei er sehr zufrieden. „Bis auf vorne sind wir sehr gut aufgestellt“, sagt der Österreicher.

Und dort, im Sturm, soll noch deutlich nachgebessert werden. Die Fahndung nach einem Ersatz für die abgewanderten Luka Jovic und Sebastien Haller geht in die entscheidende Phase. Meldungen aus England, wonach sich die Eintracht mit dem Ex-Liverpool-Stürmer Daniel Sturridge beschäftigt, sind korrekt. Die Sportliche Leitung hat die Fühler nach dem bald 30-Jährigen in der Tat ausgestreckt. Der Ex-Nationalspieler steht aber auch bei einer ganzen Reihe anderer Vereine im Fokus, gerade türkische Klubs buhlen um den Angreifer aus der Premier League.

Eintracht Frankfurt: Kontakte zu Cenk Tosun

Die Eintracht hat freilich noch andere heiße Eisen im Feuer, allesamt Angreifer, die ihre Treffsicherheit schon auf hohem Niveau nachgewiesen haben, erfahrene Torjäger. Ein Spieler etwa wie Mario Mandzukic, mit dem sich die Verantwortlichen ebenfalls befasst haben. Der 33 Jahre alte Kroate steht zurzeit bei Juventus Turin unter Vertrag, noch bis 2021. Das würde natürlich eine kostspielige Angelegenheit werden, weshalb die Wahrscheinlichkeit einer Verpflichtung nicht besonders hoch erscheint. Das Problem bei Akteuren dieses Kalibers ist logischerweise das Gehalt, das nicht selten bei sieben, acht Millionen Euro liegt. Das war für die Eintracht in der Vergangenheit nicht zu stemmen. Klar scheint aber, dass der neue Mann zum Topverdiener aufsteigen wird. Der Plan war, den neuen Stürmer am Sonntag beim Bundesligaauftakt gegen die TSG Hoffenheim an Bord zu haben. Das ist aktuell aber eher unwahrscheinlich.

Mit dem Ex-Frankfurter Cenk Tosun gab es ebenfalls lose Kontakte, aber diese Fährte ist nicht heiß. Genauso wenig wie die zu Luka Jovic. Spanische Medien hatten berichtet, dass der zu Real Madrid verkaufte Stürmer womöglich leihweise zur Eintracht zurückkehren könnte, weil Trainer Zinedine Zidane ihn noch nicht so weit sieht, um im spanischen Starensemble eine Rolle zu spielen. Diese Info liegt auch der Sportlichen Leitung der Eintracht vor. Die Eintracht würde den Serben mit Kusshand aufnehmen, eine Rückkehr ist dennoch kein Thema. Es ist nur schwer vorstellbar, dass Jovic bereits nach wenigen Wochen die Flinte ins Korn wirft und die Königlichen wieder Richtung Deutschland verlässt. Kontakte in diese Richtung gibt es daher nicht.

(Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein)

Auschwitz-Foto: Salazar entschuldigt sich

Rodrigo Salazar hat sich für ein Instagram-Foto entschuldigt, das ihn mit einem Geburtstagsgruß vor dem früheren deutschen Vernichtungslager Auschwitz in Polen zeigt. Der Uruguayer steht beim Eintracht Frankfurt bis 2023 unter Vertrag, ist derzeit aber an den polnischen Erstligisten Kielce ausgeliehen. Der Mittelfeldspieler wurde am Montag 20 Jahre alt und veröffentlichte bei Instagram ein inzwischen gelöschtes Foto, das ihn in einem Gleisbett in Auschwitz zeigt. Das Bild schmückten zudem die für einen Geburtstag typischen Emojis. „Ich muss mich für dieses Foto entschuldigen“, sagte Salazar und kündigte an, etwas für eine Stiftung in Auschwitz-Birkenau zu spenden. (dpa)

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