Eintracht Frankfurt

SGE: Knallharte Jungs - Die Eisenfüße im Lager der Eintracht

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Maik Franz

Was haben Carlos Zambrano, Werner Lorant und Uwe Bindewald gemeinsam? Sie alle zählen zu jener seltenen Spieler-Gattung, die sich für ihren Verein zerreißt und dem Gegner das Fürchten lehrt. Wir haben die größten Eisenfüße der Frankfurter Vereinsgeschichte zusammengetragen.

Werner Lorant: Spielte von 1978 bis 1982 bei der Frankfurter Eintracht und ging als kompromissloser Abräumer in die Vereinsgeschichte ein. Seinem Spitznamen "Werner Beinhart" machte er alle Ehre. In insgesamt 325 Bundesliga-Spielen erhielt er 67 gelbe Karten und flog zweimal mit Rot vom Platz. Seinen Gegenspieler Jupp Kappelmann beförderte er mit einem schraubstockartigen Griff ins Gemächt ins Krankenhaus. 1974 verletzte er Theo Homann dermaßen schwer, dass dieser wegen einer Knieverletzung seine Karriere beenden musste. Lorant wurde nach Frankfurt geholt, um den drei Musketieren Bernd Hölzenbein, Jürgen Grabowski und Bernd Nickel den Rücken freizuhalten.

Die Spielweise des 1948 geborenen Lorants lässt sich mit einem Zitat von Hölzenbein treffend beschreiben: "Wenn mich mal ein Gegenspieler nervte, drohte ich ihm mit Werner. Nach dem Motto: Ich hetz´ den Lorant auf dich. Schon war Ruhe." Lorant erlebte seine erfolgreichste Zeit in Hessen: 1980 gewann er mit den Adlern den Uefa-Cup. 1981 holte die Eintracht mit ihm den DFB-Pokal. Auch als Trainer blieb Lorant seiner Linie treu: "Ich wechsele nur aus, wenn sich einer ein Bein bricht", sagte er einst. Das war natürlich nicht ganz ernstgemeint. Seine erfolgreichste Zeit als Coach erlebte er beim TSV 1860 München. Von 1992 bis 2001 trainierte er die Löwen. Danach ging er auf Weltreise, trainierte den türkischen Topverein Fenerbahçe Istanbul, heuerte bei APOEL Nikosia (Zypern) und stand sogar im Iran hinter der Bande.

Eintracht Frankfurt: Horst Heese als "Kamikaze-Stürmer"

Horst Heese: Absolvierte zwischen 1969 und 1972 108 Spiele für die SGE und erzielte dabei 27 Tore. Ging als Kamikaze-Stürmer in die Frankfurter Vereinschronik ein. Hielt den Kopf dahin, wo andere nicht mehr freiwillig mit dem Fuß hingehen wollten. Galt als Spieler, der die Kameradschaft innerhalb der Mannschaft stärkte. Als er 1972 zum starkabstiegsbedrohten HSV wechselte, stieß das vielen Fans der Frankfurter Eintracht übel auf. Hamburg schaffte mit Heese, der insgesamt 41 Spiele mit elf Toren für die Hanseaten absolvierte, den Klassenerhalt. Auch dank Heeses Sinn für Kameradschaft. Er wurde zum guten Geist des Teams. Nach dem Karriereende kehrte Heese 1993 als Trainer zur Frankfurter Eintracht zurück - und sicherte sich im Mai 1993 einen Platz in den Geschichtsbüchern. In Uerdingen unterlief ihm ein folgenschwerer Wechselfehler, der die Eintracht am "grünen Tisch" zwei Punkte kostete. Heese hatte mit Marek Penska einen vierten Ausländer ins Rennen geschickt. Erlaubt waren allerdings nur drei. Am Ende waren die Punkte weg, Heeses Trainer-Intermezzo in der Mainmetropole endete wenig später.

Torsten Kracht: Kam 1999 zur Frankfurter Eintracht. Ging gerne dahin, wo es richtig weh tut und teilte dabei auch kräftig aus. Insgesamt flog Kracht in 167 Bundesliga-Spielen sieben Mal vom Platz. Blieb bis Sommer 2001 in der Mainmetropole, ehe er zum Karlsruher SV wechselte. Der 183 Zentimeter große Verteidiger streifte 64 Mal das Frankfurter Trikot über. Zweimal traf er für die SGE.

Maik Franz: "Er ist ein Arschloch", sagte Mario Gomez in der Saison 2007/08 über den damaligen KSC-Verteidiger, der den Stuttgarter bis zu dessen Auswechslung kräftig in die Mangel genommen hatte. In der Folgezeit entflammte eine leidenschaftliche Diskussion über die bisweilen zu harte Spielweise des 1981 geborenen Verteidigers. Schnell wurde die Legende vom "Iron-Maik" geboren. 2009 schloss sich der kompromisslose Verteidiger der Frankfurter Eintracht an. Unvergessen ist das Duell zwischen Franz und dem Mainzer Stürmer Aristide Bance, der vom Frankfurter Verteidiger derartig angegangen wurde, dass er Franz nach dem Abpfiff den Stinkefinger zeigte. In den folgenden Tagen gab es zudem eine Rassismus-Diskussion, die deutschlandweit für Schlagzeilen sorgte. Schlussendlich versöhnten sich die beiden Streithähne. Am Ende der Saison 2010/11 stieg er mit den Hessen in die zweite Liga ab, auch weil er selbst in zu vielen Spielen verletzt fehlte. Wie heute Zambrano wurde auch er selbst sehr oft gefoult. Nach dem Abstieg wechselte er zu Hertha BSC Berlin.

Eintracht Frankfurt: Zambrano einer der unbeliebtesten Spieler bei Gegnern

Carlos Zambrano: Er gehörte zweifellos zu den gefürchtetsten und zweikampfstärksten Verteidigern der Bundesliga. Ein knallharter Abräumer, dem man besser aus dem Weg geht. Der peruanische Nationalspieler war einer der unbeliebtesten Spielern der ganzen Bundesliga bei den Spielern und Trainern. Nach einem Match gegen den BVB sagte Klopp: "Keiner meiner Spieler wollte das Trikot von Zambrano haben. Am Ende hat es der Dolmetscher mitgenommen".

Uwe Bindewald: Noch heute wird der Name des Verteidigers skandiert, wenn es die Adler an Kampfgeist vermissen lassen. Zwischen 1988 und 2004 trug Uwe Bindewald, mit wohlwollender Ironie nach dem brasilianischen Ballzauberer auch Zico genannt, 386 Mal den Adler auf der Brust - und ging für sein großes Herz in die Vereinsgeschichte ein. Ein Kämpfer durch und durch, der stets alles in die Waagschale legte und die Ärmel hochkrempelte, wenn es einmal nicht so gut lief. Er hielt Stars wie Bein und Möller den Rücken frei. Wurde von den Fans deshalb in die Legenden-Elf gewählt und darf sich heute "Säule der Eintracht" nennen.

Preis: Fredi Bobic und Axel Hellmann ausgezeichnet

Marco Russ:  Legt immer alles in die Waagschale und zeigt ein großes Kämpferherz. Gibt keinen Zentimeter Rasen veloren und stabilisert mit seiner kompromisslosen Spielweise die nicht immer sattelfeste Eintracht-Abwehr. Damit hat er sich einen Platz unter den harten Jungs der SGE redlich verdient.

Alexander Schur: Ihn brachte nicht der Storch, sondern der Adler! Alexander Schur, heutiger Trainer der Eintracht-U19-Mannschaft, schlüpfte zwischen 1995 und 2006 237 Mal in das Trikot der Frankfurter Eintracht. 23 Treffer gelangen ihm in dieser Zeit. Der Mittelfeldspieler galt als große Kämpfernatur, die jeden Zentimeter Rasen hartnäckig verteidigte und sich durch einen Treffer am 25.05.2003 einen Platz in den Geschichtsbüchern der Frankfurter Vereinschroniken sicherte. Im Aufstiegsfernduell mit dem FSV Mainz 05 erzielte er in der Nachspielzeit das 6:3 gegen den SSV Reutlingen und sicherte der Eintracht damit den die Rückkehr ins Fußball-Oberhaus. Noch heute schwärmen die Fans von diesem Spiel - und natürlich auch von Alexander Schur. Der sagte später über jenen Tag: "Das ist geiler als Sex! Meine Freundin möge mir verzeihen"

Eintracht Frankfurt: Flankenkönige kämpfen um ihre Form

Alexander Kutschera: Spielte von 1997 bis 2001 in der Mainmetropole und absolvierte 129 Spiele für die Eintracht. Ein bulliger Verteidiger der genau dahin ging, wo es weh tut. "Kutsche" trug bei der Eintracht viele Lasten und verschaffte sich damit den Respekt der Anhänger.

Eintracht Frankfurt: Kyrgiakos als knallharter Zweikämpfer

Sotirios Kyrgiakos: Flog gleich bei seinem Debüt im Frankfurter Trikot gegen den VfL Wolfsburg mit Rot vom Platz. Ein Verteidiger mit Gardemaß, dessen Kopfballstärke besonders bei Standardsituationen ein großer Pluspunkt für die eigene Mannschaft ist. Galt als knallharter Zweikämpfer, der auch keine Angst vor großen Namen hatte: So foulte er in der Saison 2007/08 den Bremer Spielmacher Diego und erklärte ihm mit liebevollen Worten "Fuck you and stand up", dass der Brasilianer nun endlich wieder aufstehen solle. Diego brachte das derartig auf die Palme, dass er wenig später nach einem Revanche-Foul an dem Griechen vom Platz flog und dafür eine lange Sperre kassierte. Kyrgiakos spielte von 2006 bis 2008 in der Mainmetropole. Absolvierte 51 Begegnungen für die Eintracht und erzielte dabei bemerkenswerte acht Tore.

Trapp, Russ & Co.: Der aktuelle Stand bei den Verletzten der SGE

Jean-Clotaire Tsoumou-Madza: Der Kongolese war eine echte Kante in der Frankfurter Defensive. Kam 2002 in die Mainmetropole und blieb bis 2004. Absolvierte 43 Spiele für die SGE. Dass der 185 Zentimeter große Verteidiger kein Kind von Traurigkeit war, verdeutlicht eine Szene aus der Saisonvorbereitung im Sommer 2003. Nach einem Foul seines Mannschaftskameraden Jens Keller, mit dem er ein Abwehrbollwerk bildete, rastete Tsoumou-Mazda vollkommen aus und prügelte auf den Mitspieler ein.

Länderspielpause: Martin Hinteregger Matchwinner bei Österreich-Sieg

Aleksandar Vasoski: "Vasi" stand von 2005 bis 2011 auf der Gehaltsliste der Frankfurter Eintracht. Ein grundsolider Verteidiger, der sein Handwerk von Kopf bis Fuß verstand, ohne dabei Glanzpunkte zu setzen. Auf den ersten Blick taugt der Mann aus Skopje nicht zum Eisenfuß, wäre da nicht die Hinrunde der Saison 2006/07 gewesen. Bereits am 13. Spieltag kassierte Vasoski den dritten Feldverweis und stellte damit einen unrühmlichen Bundesliga-Rekord auf. In Mainz, München und Bochum flog er vom Platz. So schnell hatte noch kein anderer Spieler drei Platzverweise bekommen. Den damaligen Bochumer Stürmer Theofanis Gekas holte er frei nach dem Motto "Der Ball oder du, aber auf keinen Fall ihr beide" derartig gnadenlos von den Beinen, dass er sich einen Platz in unserer Liste verdient hat.

von Sascha Mehr

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