Deutsche Soldaten in Afghanistan beschossen

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Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung bei der Trauerfeier in der St. Johannes-Baptist Kirche in Bad Saulgau vor dem Sarg des getoeteten Soldaten. Ein 21-jaehriger Hauptgefreite war am 29.April 2009 bei einem Anschlag auf einen Bundeswehrkonvoi nahe Kundus, Afghanistan, ums Leben gekommen. Am Freitag wurde erneut eine Deutsche Patrouille angegriffen.

Berlin - In Afghanistan sind erneut deutsche Soldaten angegriffen worden. “Gegen 16.00 Uhr Ortszeit gestern wurde eine deutsche Patrouille bestehend aus nahezu 30 Soldaten erneut mit Handwaffen und Panzerabwehrwaffen beschossen“, sagte der Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums, Thomas Raabe, am Freitag in Berlin.

Dabei sei kein deutscher Soldat verletzt worden. Afghanische Sicherheitskräfte hätten vier Aufständische getötet, vier verwundet und vier festgenommen. Am Freitag seien die gegnerischen Kräfte noch immer bekämpft worden. Bei einem Anschlag im Süden Afghanistans wurde ein Soldat der Internationalen Schutztruppe ISAF getötet.

Die deutsche Patrouille mit drei Panzerwagen vom Typ “Dingo“ und zwei “Fuchs“-Transportpanzern verfolgte am Donnerstag zwölf Kilometer westlich von Kundus Angreifer, teilte das Verteidigungsministerium mit. Um 16.00 Uhr Ortszeit wurden die deutschen Soldaten unter Beschuss genommen. Nachdem afghanische Kräfte zu Hilfe kamen, seien die Aufständischen eingegrenzt worden, sagte Raabe.

Während der Nacht wurde das Gebiet abgesperrt. Das Verteidigungsministerium will offensiv gegen Aufständische vorgehen: “Diejenigen, die uns angreifen, die unsere Alliierten angreifen, müssen damit rechnen, dass sie verfolgt werden und dass wir sie bekämpfen“, sagte Raabe. In der vergangenen Woche war ein 21 Jahre alter Soldat in der Nähe der Stadt Kundus in einen Hinterhalt geraten und in einem Feuergefecht getötet worden.

Bei der Trauerfeier ließ Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) am Donnerstag keinen Zweifel am Bundeswehr-Einsatz. Erst in der Nacht zum Mittwoch wurde ein Bundeswehr-Konvoi im Norden Afghanistans in der Nähe von Kundus angegriffen. Dabei wurde kein deutscher Soldat verletzt. In Afghanistan kamen seit Beginn des Bundeswehr-Einsatzes 2002 insgesamt 32 deutsche Soldaten ums Leben, 13 davon bei Anschlägen.

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm wies einen Bericht zurück, nach dem auf Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei ihrem Afghanistan- Überraschungsbesuch am 6. April ein Anschlag geplant war. Einem Bericht von “Bild.de“ zufolge wollten Taliban-Terroristen die Kanzlerin bei einem Angriff auf den Flughafen von Masar-i-Sharif töten. Das behaupte der für die Provinz Kundus zuständige Taliban- Führer Mullah Barijalai in einem Interview mit Al-Somood, dem arabischsprachigen Online-Magazin der Taliban, schrieb “Bild.de“. Wilhelm sagte, er könne einen solchen Bericht “nicht bestätigen“.

Deutsche KSK-Soldaten (“Kommando Spezialkräfte“) hatten im nordafghanischen Hochgebirge einen Taliban-Kommandeur festgenommen. Das Verteidigungsministerium bekräftigte, dass der Mann im Verdacht stehe, mehrere Anschläge auf deutsche Soldaten verübt zu haben. Er solle auch “gewisse Kontakte“ zur Drogenkriminalität haben, sagte Raabe. Die NATO-geführte ISAF teilte am Freitag mit, ein Soldat der Internationalen Schutztruppe sei am Vortag durch eine Sprengfalle ums Leben gekommen. Die Angehörigen seien informiert worden. Nähere Angaben zur Nationalität des Opfers oder dem Anschlagsort machte die ISAF nicht. Am Donnerstag war ein weiterer ISAF-Soldat - ein Brite - bei einem Feuergefecht getötet worden.

dpa

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