1. Hersfelder Zeitung
  2. Politik

Putins Strategie in Mariupol: Ukrainischer Geheimdienst fürchtet Einsatz des FSB

Erstellt:

Kommentare

Rauch steigt über dem Asowstal-Werk in der Hafenstadt Mariupol auf.
Die Hafenstadt Mariupol ist seit Wochen heftig umkämpft. © picture alliance/dpa/Xinhua | Victor

Wladimir Putin hat laut ukrainischem Geheimdienst seine Strategie in Mariupol geändert: Er will keine militärische Einnahme, sondern schickt den FSB.

Mariupol – Russlands Präsident Wladimir Putin hat in einem TV-Gespräch mit dem Verteidigungsminister Sergej Schoigu befohlen, den Sturm auf das Stahlwerk Asowstal in Mariupol abzubrechen. Doch das muss nicht bedeuten, dass er seine Ambitionen in Mariupol im Speziellen oder im Ukraine-Krieg im Allgemeinen aufgegeben hat. Am Donnerstag (21. April) erklärte Putin seinen neuen Plan: Die ukrainischen Streitkräfte sollen hermetisch eingeschlossen werden. Möglicherweise soll bei dieser Operation auch der Geheimdienst helfen.

Davon geht zumindest der ukrainische Geheimdienst aus, berichtet die ukrainische Nachrichtenseite Pravda. Vadym Skibitskyi, stellvertretender Direktor im Zentralen Nachrichtendienst der Ukraine sagte in einem Fernsehinterview, dass er mit einem Einsatz des russischen Geheimdiensts FSB rechnet, um den Angriff auf das Asowstal fortzusetzen. „Es stimmt, dass sie (Anmerkung: die russische Regierung) die Idee eines groß angelegten Angriffs auf Asowstal aufgeben könnten. Aber nach unseren Informationen planen sie, die russische Garde und andere Teile des Militärapparats, einschließlich des föderalen Sicherheitsdienstes einzusetzen, um den Angriff auf das Werk fortzusetzen und unseren Widerstand zu brechen.“

Ukraine-Konflikt: Russland kann Asowstal-Stahlwerk nicht vollständig einnehmen

Der Hintergrund ist, dass die Einnahme des Stahlwerks militärisch extrem schwierig ist. Britischer Geheimdienstexperten gehen von extrem hohen Verlusten auf russischer Seite aus, falls Putin einen Angriff nicht gestoppt hätte. Das teilte das Verteidigungsministerium am Freitag (22. April) in seinem täglichen Geheimdienst-Update mit.

Der Ukraine-Konflikt fordert jeden Tag neue Opfer. Die vollständige Einnahme von Mariupol, das seit Wochen von russischen Streitkräften belagert wird, ist ein zentraler Bestandteil der Pläne Moskaus, die Ukraine vom Asowschen Meer abzuschneiden und eine Landbrücke zwischen der von Russland annektierten Krim und Russland zu schlagen. Doch das gelingt bisher nicht. In dem Asowstal-Werk harren noch mehrere Hundert ukrainische Soldaten aus, die sich weiter verteidigen. Bei ihnen sollen nach ukrainischen Angaben zudem noch etwa 1000 Zivilisten sein. (Max Müller)

Auch interessant

Kommentare