Als CSU-Chef

Wer kann Nachfolger von Horst Seehofer werden? Die möglichen Kandidaten

+
Dobrindt und Seehofer

Horst Seehofer hat den Rücktritt von seinen Ämtern angekündigt. Was passiert, wenn der CSU-Vorsitzende wirklich zurücktritt? Diese Kandidaten könnten auf Seehofer folgen.

München - In der Nacht auf Montag hat Innenminister und CSU-Vorsitzender Horst Seehofer angeboten, seine beiden Ämter niederzulegen. Zuvor soll es jedoch noch ein Gespräch mit der CDU geben, um doch noch eine Einigung im Asylstreit zu erzielen. ARD-Kommentator Kai Gniffke rechnete in den Tagesthemen bereits mit Seehofer ab. Doch noch ist Horst Seehofer im Amt. Was passiert aber, wenn das CSU-Urgestein wirklich zurücktritt? Und noch viel wichtiger: wer wird als CSU-Vorsitzender auf Seehofer folgen?

Horst Seehofer: Die Nachfolgekandidaten als CSU-Vorsitzender

Ein Kandidat, der wohl in der engeren Auswahl steht, ist Manfred Weber. Der gebürtige Niederbayer ist seit 2015 stellvertretender Parteivorsitzender der CSU und leitete zuvor fünf Jahre lang die CSU-Grundsatzkommission. Seit 2004 gehört er dem Europäischen Parlament an und ist seit 2014 Fraktionsvorsitzender der Europäischen Volkspartei (EVP). In der CSU-Basis hat Weber einen starken Rückhalt und hohe Beliebtheitswerte, was sich in der Wahl zum Stellvertretenden CSU-Chef 2015 widerspiegelte.

Manfred Weber gilt jedoch als Liberaler in der konservativen CSU-Spitze. Nicht zuletzt hat er wohl einige seiner Parteigenossen vergrault, als er Angela Merkels Einsatz beim EU-Gipfel in Brüssel vielfach lobte. Für die gemeinsame Fraktion von CDU und CSU wäre er wohl der geeignete Kandidat, da mit ihm ein gewaltiges Konfliktpotential zwischen den beiden Parteien genommen würde. Jedoch wird er wohl genau aus diesem Grund nicht zum CSU-Vorsitzenden gewählt, da er Merkel politisch zu nahe steht. Noch dazu müsste er sein Amt als Fraktionsvorsitzender der EVP aufgeben.

Nachfolge von Seehofer: Gibt es erneut eine Doppelspitze in der CSU?

Ein weiterer Kandidat für die Nachfolge von Horst Seehofer als CSU-Chef ist der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Ministerpräsident und Parteichef - klingt schon mal logisch. Bei seiner Ernennung zum Ministerpräsidenten im März 2018 bestand Seehofer noch auf eine Doppelspitze aus ihm und Söder. Doch mit Doppelspitzen in Bayern hat man bisher keine guten Erfahrungen gemacht. Man denke dabei nur an die Strauß-Erben Edmund Stoiber und Theo Waigel. Sechs Jahre lang teilten sich die beiden die Macht in der CSU. Und galten als politische Rivalen. Nach der verlorenen Bundestagswahl und dem Ende von Theo Waigel als Bundesfinanzminister übernahm Edmund Stoiber dessen CSU-Vorsitz.

Nach dem Sturz Soibers im Jahr 2007 teilten sich wieder zwei Männer die Macht in der CSU: Erwin Huber als CSU-Chef und Günther Beckstein als Ministerpräsident. Dem Duo wurde eine saubere Wahl-Watschen angekreidet. Die CSU stürzte bei der Landtagswahl 2008 ordentlich ab. Die Partei verlor im Vergleich zur Wahl 2003 17,3 Prozentpunkte und damit erstmals seit 1962 die absolute Mehrheit im Landtag.

Gut möglich, dass die CSU nun wieder zurückrudert und einen starken Mann für beide Ämter vorsieht. Markus Söder wäre dafür wohl die geeignete Person. Vor allem, da der geborene Nürnberger eine absolute Mehrheit bei der Landtagswahl 2018 in Bayern anstrebt. Die Frage ist allerdings, ob der mächtige CSU-Bezirksverband Oberbayern einen Franken als Ministerpräsident und Parteivorsitzenden akzeptieren würde.

Seehofers Nachfolger als CSU-Vorsitzender: Wird es sein Protegé?

Der Dritte im Bunde wäre Alexander Dobrindt - zumindest was den engeren Kandidatenkreis angeht. Der Schützling von Noch-Bundesinnenminister Horst Seehofer ist seit 2017 Vorsitzender der CSU-Landesgruppe in Deutschen Bundestag und war von 2013 bis 2017 in der GroKo Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. Bis 2013 war er vier Jahre lang CSU-Generalsekretär.

Dobrindt wäre definitiv ein möglicher CSU-Chef, da er viele Jahre an Seehofers Seite stand und sich daher einen Namen gemacht hat. Er hätte den Rückhalt in der CSU-Spitze und könnte die Hardliner hinter sich vereinen.Zudem hat Dobrindt sich in den vergangenen Monaten als Merkel-Kritiker etabliert. Jedoch ist Dobrindts bisherige Leistungsbilanz auf Bundesebene sehr durchwachsen. Immerhin setzte er die von Seehofer gewünschte Pkw-Maut durch. Der Unterstützung Seehofers kann er sich gewiss sein. Wie stark diese allerdings nach einem möglichen Rücktritt des Noch-Parteichefs aussähe, kann momentan wohl niemand einschätzen.

Nachfolge von Seehofer: Der erweiterte Kandidatenkreis

Ilse Aigner wird wohl bei der Wahl zur neuen CSU-Spitze niemand auf dem Schirm haben. Zu wenig hat man von ihr in den letzten Monaten gehört. Nach der Jakob-Kreidl-Affäre und dem verlorenen Kampf gegen Markus Söder musste Aigner erstmal ihre Wunden lecken. Zuletzt forderte sie die CSU im Asylstreit auf, die Ruhe zu bewahren - vergebens.

Eines kann Aigner jedoch vorweisen: sie hat Erfahrung mit Berlin. Seit 1998 ist sie Mitglied des Deutschen Bundestages, von 2008 bis 2013 war sie zudem Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Gebürtig aus Feldkirchen-Westerham hätte die 53-Jährige den mächtigen Bezirksverband Oberbayern hinter sich. Ob ihr das bei der Wahl zur CSU-Chefin reichen würde, ist anzuzweifeln. Bei einer vergeigten Landtagswahl 2018 wäre Aigner jedoch eine Option, die Partei neu auszurichten.

Der Noch-Bundesinnenminister in der Nacht zum Montag.

Als politisches Leichtgewicht zählt bei der möglichen Wahl zur Nachfolge Seehofers Andreas Scheuer. Zwar ist der Passauer schon seit 2002 im Deutschen Bundestag, bekleidet jedoch seit März 2018 im Kabinett Merkel IV sein erstes Ministeramt als Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. Von 2009 bis 2013 war er bereits Parlamentarischer Staatssekretär bei eben genanntem Ministerium. Sollte er die Ziele umsetzen können, zu denen Dobrindt seinerzeit nicht in der Lage war, könnte Scheuer ein interessanter Mann für die Zukunft werden. Jedoch noch nicht in diesem Jahr.

Nachfolge von Seehofer: Diese Kandidaten gelten als unwahrscheinlich

Im unwahrscheinlichen Kandidatenkreis gibt es zum einen den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann. Seine Reputation liest sich auf jeden Fall sehr gut. Seit 1994 Mitglied dies Bayerischen Landtages, später Staatssekretär im Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Gesundheit. 2003 bis 2007 war Herrmann bereits Vorsitzender der CSU-Landtagsfraktion und wurde anschließend als Nachfolger Günther Becksteins bayerischer Innenminister. Zusätzlich war er von 2007 bis 2018 für Bau und Verkehr zuständig.

Joachim Herrmann hat jedoch ein großes Problem und das ist seine Herkunft. Zwar ist er in München geboren, wuchs jedoch in Mittelfranken auf. Da die CSU immer sehr erpicht darauf war, bei der Besetzung der wichtigen Ämter auf die regionale Herkunft der Kandidaten zu achten, gilt der Franke Herrmann als CSU-Vorsitzender als unwahrscheinlich. Denn es gibt ja schon den Markus Söder.

Karl-Theodor zu Guttenberg scheinen einige Leute in Bayern immer noch nicht vergessen zu haben. Dass der ehemalige Verteidigungsminister zurückkommt, ist aber sehr unwahrscheinlich.

tf

Kommentare