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Russland annektiert ukrainische Gebiete: Putins Plan stand wohl schon 9 Jahre vorher fest

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Von: Teresa Toth

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Russlands Präsident Wladimir Putin bei einer Rede. Laut einem Experten steigt das Risiko, dass Moskau Atomwaffen im Ukraine-Krieg einsetzen könnte.
Russlands Präsident Wladimir Putin bei einer Rede. Laut einem Experten steigt das Risiko, dass Moskau Atomwaffen im Ukraine-Krieg einsetzen könnte. © Gavriil Grigorov/dpa

Vor neun Jahren entschied sich die Ukraine für eine Orientierung in Richtung Westen. Schon damals deutete Russland an, ukrainische Gebiete gewaltvoll zu annektieren.

Moskau – Vier besetzte Gebiete in der Ukraine hat der Kreml offiziell zu russischem Territorium erklärt. „Es gibt vier neue Regionen in Russland“, verkündete Wladimir Putin am Freitag (30. September) bei einer Rede in Moskau. Rund 15 Prozent des ukrainischen Staatsgebietes erklärte der Präsident für russisch. Den Plan für die Annexion kündigte Putin schon vor 9 Jahren an.

Im September 2013 kamen mehrere Vertreter der Ukraine, der EU und Russlands in Jalta auf der Krim, die damals noch ukrainisch war, zusammen, um sich über die künftige wirtschaftliche Ausrichtung der Ukraine zu beraten. Europäische Politiker versuchten, den ukrainischen Präsidenten zu ermutigen, sich von Russland abzuwenden. Berater des Kremls dagegen warnten, dass dem Land eine finanzielle Katastrophe und möglicherweise der Zusammenbruch des Staates drohe, wenn es das geplante Freihandelsabkommen mit der EU weiterverfolge.

Annexion ukrainischer Gebiete: „Der Lebensstandard wird dramatisch sinken“, drohte Kreml-Berater

„Die Unterzeichnung dieses Vertrages wird zu politischen und sozialen Unruhen führen“, sagte Sergei Jurjewitsch Glasjew, ein wichtiger Berater Putins, laut einem damaligen Bericht von The Guardian. „Der Lebensstandard wird dramatisch sinken. Es wird Chaos herrschen.“ Da die Stimmung in der ukrainischen Bevölkerung damals mehrheitlich proeuropäisch war, entschieden sich die ukrainischen Politiker für eine europäische Integration – eine Entscheidung, die auf russischer Seite schon damals Wut auslöste.

Glasjew deutete nach dem Bruch der Ukraine mit Russland an, dass Russland den Vertrag, der die Grenzen zwischen den beiden Ländern festlegt, als ungültig betrachten würde und erwähnte, dass im russischsprachigen Osten und Süden der Ukraine separatistische Bewegungen aufkommen könnten. Russland könne den Status der Ukraine als Staat nicht mehr garantieren und werde möglicherweise intervenieren, wenn sich prorussische Regionen des Landes direkt an Moskau wenden würden, so der Kremlberater.

Annexion ukrainischer Gebiete: Ukraine zeigte sich damals von Drohungen wenig beeindruckt

Die Ukraine und die EU zeigten sich damals jedoch von Russlands Bemühungen, das Integrationsabkommen zu verhindern, weitestgehend unbeeindruckt – man hoffte, Russland würde die Ukraine nach der EU-Integration beginnen zu respektieren. Doch bereits 2014 besetzte Russland die aus politischer und ökonomischer Perspektive begehrenswerte Krim – seit 1783 ist dort die russische Schwarzmeerflotte stationiert – und annektierte sie.

Entgegen der Annahme, dass es sich hierbei um eine spontane, situative Entscheidung des Kreml gehandelt hätte, bewerten Experten die Annexion der Krim zunehmend als Teil eines durchdachten Plans – so etwa der Russlandexperte Jens Siegert. Demnach sei die Annexion der Krim bereits vor dem Sturz des damaligen putinfreundlichen ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowytsch im Februar 2014 beschlossen worden.

Annexion ukrainischer Gebiete: Dokumente sollen Pläne belegen

Ebenso sei es wahrscheinlich, dass damals bereits eine Eroberung der Ostukraine durchgespielt wurde. Dies belege etwa ein Dokument, das aus dem Umfeld des Oligarchen Konstantin Malofejew, der direkten Zugang zum Kreml hat, stammt. Rückblickend betrachtet hätte die Annexion der Krim ein Weckruf sein müssen: Sie zeigte, dass Putin seine Drohungen, in denen er immer wieder erklärte, was er vorhabe, in die Tat umsetzt. (tt)

Alle neuen Entwicklungen zum Nachlesen im News-Ticker zum Ukraine-Krieg.

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