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Ukraine: Totgeglaubte Soldaten in russischer Gefangenschaft

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Von: Teresa Toth, Sonja Thomaser

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Die Zmiinyi-Insel, auch Schlangeninsel genannt, liegt im Schwarzen Meer und wurde zum Schauplatz des Kriegs zwischen der Ukraine und Russland. (Archivbild)
Die Zmiinyi-Insel, auch Schlangeninsel genannt, liegt im Schwarzen Meer und wurde zum Schauplatz des Kriegs zwischen der Ukraine und Russland. (Archivbild) © Imago Images

Nach einem Angriff der russischen Marine auf die ukrainische Schlangeninsel vermutete man 13 ukrainische Soldaten als tot. Nun sollen sie doch noch am Leben sein.

Update vom Montag, 28.02.2022, 15.15 Uhr: Die Marine der Streitkräfte der Ukraine hat am Montag auf Facebook vermeldet, dass die 13 ukrainischen Soldaten, die sich auf der Schlangeninsel der russischen Marine entgegengestellt hatten, gefangen genommen wurden. Am Wochenende wurde noch angenommen, dass die ukrainischen Soldaten beim Angriff der russischen Marine getötet worden waren.

„Das Zivilschiff Sapphire wurde auf die Insel geschickt, um eine humanitäre Mission durchzuführen. [...]. [Sie] erklärten sich bereit, zusammen mit der Besatzung abzureisen. Aber sie wurden illegal von den Russen gefangen genommen. Die illegale Beschlagnahme eines zivilen Schiffes, das keine militärischen Aufgaben erfüllt hat, ist ein Verstoß gegen die Regeln und Gebräuche des Krieges und gegen das humanitäre Völkerrecht“, so die ukrainische Marine auf Facebook.

Konflikt auf der Schlangeninsel: Ukraine fordert sofortige Freilassung der Soldaten

Die Marine fordert von der Russischen Föderation die sofortige Freilassung „illegal gefangener Bürger der Ukraine“.
Man sei sehr glücklich zu erfahren, dass „unsere Brüder am Leben und wohlauf sind!“ Die russische Propaganda versuche, die „Neuigkeit“ zu verbreiten, dass die ukrainischen Behörden ihre Untergebenen „vergessen“ und „begraben“ haben.

Die russischen Angreifer hätten die Infrastruktur der Insel komplett zerstört, unter anderem Leuchttürme, Türme und Antennen. Dementsprechend wäre die Kommunikation unterbrochen worden und wiederholte Versuche, die Mitarbeiter zu kontaktieren und ihr Schicksal zu erfahren, seien vergeblich gewesen.

Ukraine: Soldaten geben nicht auf und sterben bei Verteidigung von Schlangeninsel

Erstmeldung vom Samstag, 26.02.2022: Kiew – Russische Truppen haben nach Angaben der Ukraine* die Zmiinyi-Insel im Schwarzen Meer erobert. Die Einheit aus Russland* näherte sich der ungefähr 45 Kilometer vor der rumänischen Küste liegenden Schlangeninsel laut einem Bericht des Nachrichtendienstes BBC mit einem Kriegsschiff und forderten die ukrainischen Soldaten auf, sich zu ergeben – andernfalls würden sie die Insel gewaltsam einnehmen.

In Audioaufnahmen, die ein ukrainischer Regierungsbeamter zur Verfügung stellte, sind Wortwechsel zwischen ukrainischen und russischen Soldaten zu hören. „Dies ist ein russisches Kriegsschiff“, sagt ein russischer Soldat in dem Clip. „Ich schlage vor, Sie legen Ihre Waffen nieder und ergeben sich, um Blutvergießen und unnötige Opfer zu vermeiden. Andernfalls werden Sie bombardiert“.

Ukraine: Soldaten starben durch Luft- und Seeangriffen auf die Schlangeninsel

Statt zu kapitulieren entgegen sie: „Fahr zur Hölle, russisches Kriegsschiff!“ Dies waren laut ukrainischen Beamten die letzten Worte, die auf den Audioaufnahmen zu hören waren, bevor der Kontakt zur Insel abbrach und die russische Einheit mit den Angriffen begann. Dabei tötete sie nach Angaben der Ukraine 13 Soldaten durch Luft- und Seeangriffe. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Zelenskij zeichnete alle Soldaten posthum mit dem Titel „Held der Ukraine“ aus. „Auf unserer Insel Zmiinyi, die sie bis zum Schluss verteidigt haben, sind alle Grenzsoldaten heldenhaft gestorben. Möge das Andenken an diejenigen, die ihr Leben für die Ukraine gegeben haben, ewig leben.“, so Präsident Zelensky.

Viele Soldaten und Zivilisten mussten im Ukraine-Krieg bereits sterben. So auch bei dem Angriff auf eine ukrainische Insel.
Viele Soldaten und Zivilisten mussten im Ukraine-Krieg bereits sterben. So auch bei dem Angriff auf eine ukrainische Insel. ©  Sergei Supinsky/AFP

Die russische Version des Einsatzes unterscheidet sich enorm von den ukrainischen Berichten. Moskau erklärte, die 82 ukrainischen Soldaten, die auf der Insel stationiert waren, hätten sich freiwillig ergeben. Von einer Durchführung tödlicher Angriffe war dagegen keine Rede. Die Schlangeninsel ist eine rund 16 Hektar große Felseninsel, die etwa 300 km westlich der Krim liegt. Da sie eine der wenigen Inseln ist, die zur Ukraine gehört, ist sie vor allem für Anrechte auf Bodenschätze im Meer strategisch wichtig. Durch eine Eroberung könnte Russland mehrere Meilen Hoheitsgewässer für sich beanspruchen.

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