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Ukraine-Krieg: Gibt es Russland-Kollaborateure? Und wenn ja, wie viele?

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Von: Marvin Ziegele

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Eine Ukrainerin spricht mit russischen Soldaten in der Stadt Mariupol.
Eine Ukrainerin spricht mit russischen Soldaten in der Stadt Mariupol. © Alexander Nemenov/AFP

Was treibt Ukrainer dazu, mit Russland zu kollaborieren? Neue Untersuchungen weisen auf verschiedene Gründe hin. 

Kiew – Der Krieg in der Ukraine stellt die Einwohner der Ukraine vor eine harte Prüfung. Berichte über Zivilisten, die gezielt von russischen Truppen exekutiert wurden, kamen in den vergangenen Wochen ans Licht. Angesichts der Gräueltaten unter den eigenen Landsleuten scheint es unmöglich, dass es Ukrainer gibt, die mit Russland sympathisieren. Oder doch nicht?

Die Washington Post veröffentlichte kürzlich einen Artikel, in dem von ukrainischen Kollaborateuren im Ukraine-Konflikt berichtet wird. Der Artikel greift dabei die Sicht von Olena auf, einer Bewohnerin des Dorfes Ivanivka in der Ukraine. Sie soll beobachtet haben, wie einer ihrer Nachbarn aus einem Auto mit russischem Kennzeichen stieg und begann, vom Straßenrand aus Leuchtraketen in den Himmel zu schießen. Am nächsten Tag sollen russische Panzer aufgetaucht sein.

Kollaborateure im Ukraine-Krieg: „Ihnen wurde etwas versprochen“

Nach dem Rückzug von Russlands Truppen aus der Region sollen vier Ermittler des ukrainischen Sicherheitsdienstes vor Olenas Tür erschienen sein. Olena berichtete ihnen von dem Vorfall doch der beschriebene Nachbar war verschwunden.

„Vielleicht haben sie es für Geld getan?“, sagte Olena, die von der Washington Post aus Sorge vor möglichen Vergeltungsmaßnahmen nur mit ihrem Vornamen genannt wird, über diejenigen, die der Kollaboration mit Russland verdächtigt werden. „Ihnen wurde etwas versprochen. Ich frage mich, wie es möglich ist, sein Gewissen und seine Würde zu verkaufen. Ich weiß es nicht. Ich verstehe es nicht.“

Ukraine-Krieg: Informationen im Tausch für Lebensmittel und Bargeld?

Es sollen auch Fälle untersucht werden, in denen Ukrainer die eigenen Stellungen mit Phosphor markiert hätten, was russischen Truppen geholfen hätte, Artilleriefeuer auf eben jene Stellungen zu richten. Andere hätten die Russen zu Lebensmittel- und Versorgungslagern geführt. In einigen Fällen hätten die Kollaborateure von den Russen Lebensmittel oder Bargeld im Austausch für Informationen angenommen, heißt es.

Dmytro Iwanow, der stellvertretende Leiter der zivil-militärischen Verwaltung der Region Tschernihiw, betonte, dass diese Leute noch in der Ukraine sind. „Im Moment arbeiten spezielle Sicherheitsdienste daran. Unter den Einheimischen gibt es nicht so viele Fälle, denn die Gemeinschaften hier sind stark und geeint wie nie zuvor.“

Ukraine-Krieg: Kollaboration mit Russland führt zu lebenslanger Haft

Laut der Post lehnten es die ukrainischen Streitkräfte ab, die Vorfälle zu kommentieren oder Auskunft darüber zu geben, wie viele Menschen in der Ukraine der Kollaboration mit Russland beschuldigt werden. Die Associated Press berichtete, dass etwa 400 Personen in der Region Charkiw, die der Kollaboration verdächtigt werden, festgenommen wurden. Nach den neuen Gesetzen werden diese Handlungen mit lebenslanger Haft bestraft. (marv)

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