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Ukraine-Krieg: Was passiert, wenn eine Rakete aus Versehen über die Nato-Grenze fliegt?

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Von: Cindy Boden

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Ein Blick auf einen zerstörten Mehrfachraketenwerfer der russischen Armee am Stadtrand von Charkiw am 16. März 2022 inmitten des anhaltenden Ukraine-Kriegs.
Ein Blick auf einen zerstörten Mehrfachraketenwerfer der russischen Armee am Stadtrand von Charkiw am 16. März 2022 inmitten des anhaltenden Ukraine-Kriegs. © Sergey Bobok/AFP

Täglich gibt es im Ukraine-Krieg Angriffe. Auch nahe Polen wurden Explosionen gemeldet. Was passiert, wenn eine Rakete aus Versehen über die Nato-Grenze fliegt?

München - Befürchtungen über einen Dritten Weltkrieg angesichts des Ukraine-Kriegs* sind da. Zwar werden viele Nato-Staaten nicht müde, zu erklären, dass es keinen Eingriff des Sicherheitsbündnisses geben soll. Doch die Angriffe in Grenznähe, etwa in Lwiw, lassen nicht nur Polen aufschrecken.

15 Kilometer vor der polnischen Grenze wurden bereits Angriffe im eskalierten Ukraine-Konflikt* vermeldet. Polen ist Nato-Mitglied. Weitet sich der Krieg also womöglich doch aus? Eine bewaffnete „Friedensmission„ forderten die Polen* bereits - was für Verstimmung in der Nato sorgte.

Ukraine-Krieg: Was passiert, wenn eine Rakete aus Versehen über die Nato-Grenze fliegt?

Angesichts der Nähe der Angriffe stellt sich die Frage, was genau passiert, wenn eine Rakete über die Grenze fliegt. Bei einem wirklichen Angriff auf Nato-Gebiet* wird wahrscheinlich rasch reagiert. Jeder Nato-Gebiets-Zentimeter soll verteidigt werden, betonte zum Beispiel US-Präsident Joe Biden immer wieder. Die Nato ist wachsam, bereit sich auf verschiedene Szenarien vor. Piloten der Alarmrotten würden etwa in voller fliegerischer Kampfmontur sofort einsatzbereit neben den Maschinen sitzen. Aber was ist, wenn eine Rakete aus Versehen die Grenze überquert?

Das sei sehr unwahrscheinlich, meinte Militär- und Osteuropaexperte Gustav Gressel vom European Council on Foreign Relations auf Anfrage von Merkur.de*. „Außer man nimmt direkt den Grenzübergang unter Beschuss.“ Und er stellt klar, dass man bei den Raketen wisse, „welche Rakete von wem verwendet wird und woher die kommt“.

Ukraine-Krieg: „In der Regel ist nicht davon auszugehen, dass sich eine Rakete derart verirrt“

Auch Oberst a.D. Wolfgang Richter, Experte für Sicherheitspolitik bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, hält den Aus-Versehen-Fall für „eher unwahrscheinlich“, aber auch nicht für unmöglich. Die Angriffe nahe Lwiw beispielsweise waren noch einige Kilometer vom Grenzgebiet entfernt. Weitere Ereignisse zum Ukraine-Krieg können Sie in unserem News-Ticker verfolgen.

„In der Regel ist nicht davon auszugehen, dass sich eine Rakete derart verirrt“, sagte Richter beim Telefonat mit Merkur.de* und verwies auf heutige Präzisionswaffen. Dennoch zählte er eine Reihe möglicher Fehlerquellen auf, die denkbar seien: unter anderem technische Fehler, Bedienungsfehler, falsche Koordinaten. „Je grenznäher jemand angreift, desto höher ist das Risiko.“

Nato-Bündnisfall bei verirrter Rakete aus dem Ukraine-Krieg? Schnelle Reaktion und Aufklärung

Richter erklärte: Bei einer Rakete, die sich verirrt, trete kein Bündnisfall der Nato* ein. Sollte eine Rakete über der Grenze landen, werde zuerst direkt die Lage geklärt, das heißt die Verbindungen zwischen den Hauptquartieren beider Seiten - Nato und Russland - würden aktiviert. Dann werde in der Regel erklärt, dass es sich bei der Rakete nicht um Absicht gehandelt habe. So eine Reaktion könne „innerhalb von Minuten passieren“, führte Richter aus. Entscheidend sei, wie schnell überhaupt festgestellt wird, dass sich eine Rakete verirrt hat. Schließlich sind nicht alle Grenzgebiete stark bewohnt oder jederzeit bewacht.

Nachdem der Fall auf militärischer Ebene geklärt wurde, gehe es in den politischen Gremien weiter. Diplomatisch könne etwa eine Warnung nachgeschoben werden. Die Gegenseite solle zum Beispiel auf mehr Sorgfalt achten. Solche Protestbekundungen dürften dann je nach Fall sehr medienwirksam verbreitet werden. (cibo) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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