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Phosphorbomben im Ukraine-Krieg? Was die Brandwaffe so gefährlich macht

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Von: Lukas Rogalla

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Prorussische Separatisten nahe Popasna, im Osten der Ukraine.
Ein Polizeichef wirft der russischen Armee im Ukraine-Krieg den Einsatz von Phosphorbomben vor. (Archivfoto) © Alexander Reka/ITAR-TASS/Imago

Im Krieg gegen die Ukraine soll Russland von Phosphorbomben Gebrauch gemacht haben. Die Wirkung der Waffe ist verheerend.

Popasna – Laut Genfer Konvention ist der Einsatz von Brandwaffen gegen Zivilistinnen und Zivilisten verboten. Die russische Armee soll sie im Ukraine-Krieg* dennoch eingesetzt haben. Das behauptet Oleksij Bilotschyzky, Polizeichef in der Ortschaft Popasna, etwa 100 Kilometer westlich von Luhansk im Osten der Ukraine*.

Die Bomben hätten demnach für „unbeschreibliches Leid und Brände“ gesorgt, teilte Bilotschyzky am Sonntag (13.03.2022) auf Facebook mit. Unabhängig geprüft sind die Angaben nicht. Doch was macht Phosphorbomben so gefährlich?

Phosphorbomben im Ukraine-Krieg? Waffe sorgt für schwere Verbrennungen

Bei Phosphorbomben handelt es sich um Brandbomben, die ein Gemisch aus weißem Phosphor und Kautschuk enthalten, erklärt die Organisation „International Physicians for the Prevention of Nuclear War“ (IPPNW). Kommt Weißer Phosphor mit Luft in Verbindung, entzündet er sich und oxidiert zu Phosphorpentoxid. Die chemische Reaktion produziert eine bis zu 1300 Grad Celsius heiße Flamme. Zudem entsteht dichter, weißer Rauch.

Auf der Haut verursacht der Stoff schmerzvolle und schwere Verbrennungen zweiten und dritten Grades. Die Chancen auf eine Heilung sind schlecht. Der Einsatz solcher Waffen gegen Zivilpersonen ist laut den Zusatzprotokollen von 1977 zu den Genfer Abkommen von 1949 wegen der verheerenden Wirkung verboten – der Einsatz im Allgemeinen allerdings nicht.

Phosphorbomben

Die Organisation IPPNW informiert auf einem Faktenblatt über die Folgen der Bombe.

Zudem ist umstritten, Phosphorbomben nicht nur als Brandwaffen, sondern aufgrund der Giftigkeit auch als chemische Waffe einzustufen. Deren Einsatz würde dann gegen die Chemiewaffenkonvention verstoßen. Für einen Erwachsenen seien bei direkter Aufnahme bereits 50 Milligramm tödlich. Der Tod trete nach fünf bis zehn Tagen ein. Bei einem Kind würden schon zwei Milligramm ausreichen, um innerhalb weniger Stunden zum Tod zu führen.

Ukraine-Krieg: Russischer Einsatz von Chemiewaffen wäre ein „Game-Changer“

Zuletzt hatte sich auch der polnische Präsident Andrzej Duda zu einem möglichen Einsatz von Chemiewaffen durch Russland* geäußert: Wenn Wladimir Putin* „irgendwelche Massenvernichtungswaffen einsetzt, wird das in der ganzen Sache ein ‚Game Changer‘“, sagte Duda. In diesem Fall müssten die Nato-Staaten* ihre weiteren Schritte ernsthaft überdenken, „denn dann wird es gefährlich, nicht nur für Europa, nicht nur für unseren Teil Europas, sondern für die ganze Welt“. Expertinnen und Experten verurteilen zudem den russischen Einsatz von Streumunition im Ukraine-Krieg. (lrg/afp) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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