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Ukraine-Krieg: Moskau sammelt Ressourcen für Angriff auf Kiew - Das geschah in der Nacht

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Von: Jennifer Lanzinger

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Brände in Irpin
In Irpin brennen Häuser nach einem Bombenangriff. © Emilio Morenatti/AP/dpa

Die Lage in Kiew und in der Umgebung spitzt sich weiter zu, immer mehr Zivilisten fallen den Angriffen der russischen Truppen zum Opfer. Das geschah in der Nacht zum Montag.

Kiew - Rund anderthalb Wochen lang dauert der Krieg in der Ukraine* bereits, auch in der Nacht zum Montag, 7. März 2022, setzen sich die Angriffe der russischen Truppen fort. Immer mehr Zivilisten fallen den Gefechten zum Opfer, viele zivile Gebäude werden bei den Kämpfen zerstört. Nach Angaben der ukrainischen Armee hat Russland begonnen, Ressourcen für den Sturm auf die ukrainische Hauptstadt Kiew zusammenzuziehen. Währenddessen bereiten sich die Ukraine und Russland auf eine dritte Verhandlungsrunde vor.

Ukraine-Krieg: Generalstab warnt - Moskau sammelt Ressourcen für Angriff auf Kiew

Die russische Armee hat im Ukraine-Krieg* ihre Luftangriffe auf die zweitgrößte Stadt der Ukraine, Charkiw, in der Nacht zum Montag fortgesetzt. Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten, dass dabei unter anderem ein Sportkomplex einer Universität und andere zivile Gebäude getroffen wurden. Unterdessen konzentrierten die russischen Truppen nach Angaben des ukrainischen Generalstabs ihre Angriffe neben Charkiw im Osten des Landes auch auf Sumy im Nordosten und Mykolajew im Süden.

Der Generalstab warnte weiterhin, dass Moskau seine „Ressourcen für einen Angriff“ auf Kiew sammelt. Russische Einheiten wollten sich zudem einen taktischen Vorteil verschaffen, indem sie die östlichen Außenbezirke Kiews über die Bezirke Browary und Boryspil erreichten, hieß es weiter. Der Berater des ukrainischen Innenministers, Wadym Denysenko, sagte laut der ukrainischen Internetzeitung Ukrajinska Prawda in einer Live-Fernsehsendung am Sonntagabend, auf Anfahrtswegen nach Kiew habe sich eine recht große Menge an russischer Ausrüstung und Truppen angesammelt. „Wir gehen davon aus, dass der Kampf um Kiew die Schlüsselschlacht der nächsten Tage ist.“

Der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko schrieb auf seinem Telegram-Kanal am Sonntag, dass es Kämpfe nahe Kiew gebe. Die Stadt sammle weiter alle Ressourcen für ihre Verteidigung. Er habe mehrere Kontrollpunkte an der Stadtgrenze besucht, die Sicherheitskräfte seien entschlossen, jeden Angriff abzuwehren.

Ukraine-Krieg: Heftige Kämpfe im Umland von Kiew - Anwohnerin schildert beklemmende Szenen

Laut der ukrainischen Regionalverwaltung hatte es den gesamten Sonntag über heftige Kämpfe im Umland der ukrainischen Hauptstadt gegeben, insbesondere entlang der Straße die nach Schytomyr (150 Kilometer westlich von Kiew) führt, sowie in Tschernihiw (150 Kilometer nördlich der Hauptstadt). In den westlichen Vororten von Kiew, in Irpin, „wurden von morgens bis abends alle benachbarten Gebäude getroffen, ein Panzer fuhr hinein. Es war beängstigend“, berichtete die 52-jährige Anwohnerin Tatjana Wosniutschenko.

Die russische Armee belagerte weiterhin den strategisch wichtigen Hafen Mariupol am Asowschen Meer im Südosten des Landes, wo am Sonntag ein zweiter Versuch einer Evakuierung der Zivilbevölkerung gescheitert war. Es gebe bereits mehrere Dutzend Städte in acht Regionen im Land, in denen die humanitäre Situation katastrophal sei, berichtete die Internetzeitung Ukrajinska Prawda unter Berufung auf das Präsidialamt. Das Amt werfe Russland zudem vor, humanitäre Korridore als Vorwand zu benutzen, um die eigenen militärischen Positionen zu stärken. Am Sonntag wurde ein tödlicher Angriff auf flüchtende Zivilisten dokumentiert, bei dem eine Familie mit zwei Kindern getötet wurde.

Ukraine-Krieg: Die Angst vor einem atomaren Zwischenfall wächst

Nach Angaben des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes SBU wurde in Charkiw ein Forschungszentrum mit Atommaterial mit Raketenwerfern beschossen. Die Behörde warnte, ein Treffer in dem Forschungsreaktor könne im schlimmsten Fall eine Umweltkatastrophe auslösen. Das russische Verteidigungsministerium behauptete laut Agentur Itar-Tass, der ukrainische Geheimdienst wolle die Anlage sprengen. Unabhängige Informationen gab es zunächst nicht.

Ukraine-Krieg: Russland und Ukraine bereiten sich auf dritte Verhandlungsrunde vor

Für Montag war eine dritte Verhandlungsrunde zwischen Russen und Ukrainern geplant. Zuletzt hieß es von beiden Seiten, dass diese an diesem Montag beginnen könne. Uhrzeit und Ort waren zunächst nicht bekannt. Die Hoffnungen auf einen Erfolg sind jedoch gering, da der russische Präsident Wladimir Putin als Vorbedingung festgelegt hat, dass Kiew alle Forderungen Moskaus akzeptieren muss, darunter die Entmilitarisierung der Ukraine und einen neutralen Status für das Land.*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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