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„Europas größte Flüchtlingskrise in diesem Jahrhundert“

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Von: Sonja Thomaser

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Zwei Schwestern passieren mit ihren Kinder an der Hand die ukrainisch–polnische Grenze. Zahlreiche Menschen kommen hier auf der Flucht vor dem Krieg in der Ukraine über die Grenze.
Zwei Schwestern passieren mit ihren Kinder an der Hand die ukrainisch–polnische Grenze. Zahlreiche Menschen kommen hier auf der Flucht vor dem Krieg in der Ukraine über die Grenze. © Kay Nietfeld/dpa

Über 874.000 ukrainische Flüchtlinge sind seit Beginn der russischen Invasion geflohen. Die UN zeigt sich besorgt über die Fluchtsituation aufgrund des Kriegs in der Ukraine.

New York - Mehr als 874.000 ukrainische Flüchtlinge sind in den Nachbarländern angekommen, seit Russland die Invasion in der Ukraine gestartet hat, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk am Mittwoch (02.03.2022) mit.

„Ich bin ernsthaft besorgt über die wahrscheinliche und ernsthafte Eskalation der Zahl der Ankünfte … Wir haben vielleicht gerade erst den Anfang gesehen“, sagte UN-Hochkommissar für Flüchtlinge Filippo Grandi am Montag (28.02.2022) vor dem UN-Sicherheitsrat. Es wird davor gewarnt, dass der Ukraine-Konflikt* „Europas größte Flüchtlingskrise in diesem Jahrhundert“ auslösen könnte. „Ich arbeite seit fast 40 Jahren in Flüchtlingskrisen und habe selten einen so unglaublich schnell ansteigenden Exodus von Menschen gesehen“, so Grandi.

Ukraine-Krieg: Menschen fliehen nach Polen, Ungarn, Moldawien und in die Slowakei

Die meisten ukrainischen Flüchtlinge sind nach Polen eingereist, andere nach Ungarn, Moldawien, in die Slowakei und nach Rumänien. Grandi sagte, viele seien auch nach Russland* geflohen.

„Die Menschen stehen unter Stress … und wenn die Menschen Angst haben, werden sie egoistisch und vergessen alles“, sagte Natalia Pivniuk, eine Ukrainerin aus Lemberg, am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Sie sagte, die Leute drängten darauf, in einen Zug zu steigen, um zu fliehen. Es sei „sehr beängstigend und körperlich und mental gefährlich“.

Ukraine: Treibstoff, Bargeld und medizinische Versorgung gehen zur Neige

Die Hilfsorganisationen der UN warnten letzte Woche davor, dass Treibstoff, Bargeld und medizinische Versorgung in der Ukraine* zur Neige gingen, was bis zu 5 Millionen Menschen zur Flucht aus dem Land führen könnte, berichtet Reuters. „Bei diesem Tempo sieht es so aus, als würde die Situation Europas größte Flüchtlingskrise in diesem Jahrhundert werden, und UNHCR mobilisiert Ressourcen, um so schnell und effektiv wie möglich zu reagieren“, sagte das UN-Flüchtlingshilfswerk.

„Das Bild ist düster und könnte noch schlimmer werden“, sagte UN-Nothilfekoordinator Martin Griffiths am Montag vor dem Sicherheitsrat. „Je länger dies andauert, desto größer werden die Kosten für die Zivilbevölkerung“, sagte er und fügte hinzu, dass es am Sonntag (27.02.2022) mindestens 160.000 Binnenvertriebene in der Ukraine gegeben habe, obwohl die tatsächliche Zahl wahrscheinlich erheblich höher sei. Ein Problem haben „ältere und Menschen mit Behinderungen“, so Griffiths. Sie seien „gefangen und können nicht fliehen“.

Besonders hart trifft der Krieg die Kinder, die noch nicht verstehen, was um sie herum geschieht, aber dennoch mittendrin stecken. Griffiths erläutert: „Kinder werden die Schule versäumen und einem großen Risiko ausgesetzt sein, durch körperliche Schäden und unvorstellbar schweren emotionalen Stress verdrängt zu werden.“

Ukraine-Konflikt: Gefahr von geschlechtsspezifischer Gewalt gegen Frauen

Für Frauen besteht die Gefahr, aufgrund ihres Geschlechts Opfer von Übergriffen zu werden: „Frauen, die so oft überproportional von Konflikten betroffen sind, werden einem noch größeren Risiko von geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt sein“, erklärt Griffiths.

Laut UN sind Gewalt gegen cis und trans Frauen, Mädchen und nicht-binäre Menschen weltweit eine der am stärksten verbreiteten Menschenrechtsverletzungen, die jeden Tag und überall auf der Welt ausgeübt wird. Sie hat kurzfristige sowie langfristige körperliche, psychische und ökonomische Auswirkungen.

Die Vereinten Nationen und ihre Partner haben am Dienstag einen Nothilfeaufruf über 1,7 Milliarden US-Dollar für ihre humanitäre Hilfe gestartet. (Sonja Thomaser) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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