Die meisten kommen aus Serbien

Zahl der Asylbewerber stark gestiegen

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Die meisten Asylbewerber kamen im vergangenen Jahr aus Serbien.

Berlin - Immer mehr Menschen suchen Schutz in Deutschland: Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Asylbewerber um 41 Prozent. Für Diskussionen sorgte vor allem der Zuwachs bei Asylsuchenden aus Serbien und Mazedonien.

Die Zahl der Asylbewerber ist im vergangenen Jahr kräftig gestiegen. 2012 stellten rund 65 000 Menschen einen Asylantrag in Deutschland - 41 Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Bundesinnenministerium am Dienstag in Berlin mitteilte. Einen besonderen Zulauf registrierten die Behörden aus den Balkan-Staaten Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina. Weitere wichtige Herkunftsländer waren die Krisen-Staaten Afghanistan, Syrien und Irak. Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl rief Bund, Länder und Gemeinden dazu auf, mehr Unterkünfte für Flüchtlinge zu schaffen. Deutschland müsse sich auf einen weiteren Anstieg der Zahlen einstellen.

Die meisten Asylbewerber kamen im vergangenen Jahr aus Serbien: 8477 Menschen von dort baten um Asyl, im Jahr zuvor waren es noch knapp halb so viele gewesen. Der Anstieg der Anträge von Bewerbern aus den anderen Balkan-Staaten fiel noch größer aus: Die Zahl der Anträge aus Mazedonien (4546) vervierfachte sich gegenüber 2011, aus Bosnien-Herzegowina (2025) kamen mehr als sechs Mal so viele.

Auch die Zahl der Asylbewerber aus Syrien stieg angesichts der dortigen Kämpfe deutlich. Rund 6200 Syrer baten um Asyl, ein Jahr zuvor waren es noch 2600 gewesen. Der Zulauf aus Afghanistan (7498) und dem Irak (5352) ging leicht zurück, blieb aber weiter auf hohem Niveau.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sagte, besonders die Zunahme der Anträge von Syrern sei angesichts des Bürgerkriegs zu erwarten gewesen. „Der enorme Anstieg von Asylbewerbern aus den Staaten des Westbalkans, in denen in der Regel keine politische Verfolgung stattfindet, war dagegen in dieser Form nicht vorhersehbar.“ Keiner der Asylsuchenden aus den Balkan-Staaten wurde im vergangenen Jahr als Flüchtling anerkannt.

Friedrich will Missbrauch bekämpfen

Friedrich hatte wiederholt beklagt, in diesen Fällen gebe es offenbar wirtschaftliche Gründe für die Einreise nach Deutschland. Er hatte veranlasst, dass die Anträge aus diesen Staaten schneller bearbeitet werden, um die Menschen zügiger zurück in ihre Heimat zu schicken. „Wir werden auch künftig entschlossen gegen den Missbrauch unseres Asylsystems vorgehen, damit diejenigen, die tatsächlich schutzbedürftig sind, bei uns auch Schutz bekommen können“, sagte er.

Pro Asyl rief die Behörden auf, auch die Anträge der Asylbewerber vom Balkan unvoreingenommen zu prüfen. Die Organisation kritisierte, dass Deutschland in den vergangenen Jahren kontinuierlich Kapazitäten für die Aufnahme von Flüchtlingen abgebaut habe. Nun müsse gegengesteuert werden. Deutschland und die anderen EU-Staaten müssten weiterhin mit einem großen Zulauf an Asylbewerbern rechnen. Geschäftsführer Günter Burkhardt sagte zu dem Anstieg im vergangenen Jahr: „Nicht die Zahl ist dramatisch, sondern die Situation der Schutzsuchenden.“ Viele Menschen sähen keine andere Chance für ihr Überleben als die Flucht nach Deutschland.

In der Asylbewerberstatistik gehen die Zahlen seit einigen Jahren wieder allmählich nach oben. 2007 hatte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge einen vorläufigen Tiefpunkt registriert - mit weniger als 20 000 Erstanträgen auf Asyl. Seitdem hat sich die Zahl mehr als verdreifacht. Von den Dimensionen der 90er Jahre, als regelmäßig mehr als 100 000 Asylbewerber nach Deutschland kamen, ist die aktuelle Entwicklung aber weit entfernt. 1992 hatte das Bundesamt das bisherige Allzeithoch verbucht - mit mehr als 400 000 Erst- und Folgeanträgen von Asylsuchenden.

dpa

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