TV-Talk in der ARD

Juso-Chef Kühnert platzt bei Maischberger der Kragen: „Sie sind das Allerletzte“

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Die Runde im ARD-Talk bei Sandra Maischberger.

Im ARD-Talk bei Sandra Maischberger soll es nach Merkels Wiederwahl um die „kleinen Leute“ der Gesellschaft gehen. Eine teils hitzige Diskussion, in der Juso-Chef Kühnert schließlich der Kragen platzt.

München - 35 Gegenstimmen, gerade einmal neun Stimmen mehr als die für die Kanzlermehrheit nötigen 355 - Angela Merkel geht nicht gerade gestärkt in die neue Große Koalition (Alle Ergebnisse und Stimmen zur Merkel-Wahl).

Sandra Maischberger wollte am Mittwochabend in der ARD darüber diskutieren: „Merkel, die Vierte: Große Koalition für die kleinen Leute?“, fragte sie ihre Gäste Bernd Baumann, Parlamentarischer Geschäftsführer der AfD im Bundestag, die Fraktionschefin der Grünen Katrin Göring-Eckardt, Paul Ziemiak als Vorsitzenden der Jungen Union, dazu Sat1-Moderator und Merkel-Kritiker Claus Strunz, Juso-Chef Kevin Kühnert und Ferdos Forudastan, Ex-Sprecherin von Bundespräsident Gauck und mittlerweile Politik-Chefin der Süddeutschen Zeitung.

Strunz baute gleich zu Beginn Druck auf: „Merkel ist eine brillante Problembeschreiberin, jetzt wird sie beweisen müssen, ob sie auch als Problemlöserin taugt. Den Beweis ist sie in den letzten Jahren schuldig geblieben.“ JU-Chef Paul Ziemiak gab zu: „Das (Ergebnis) zeigt, dass es diese Große Koalition nicht so einfach haben wird, wie die letzte.“ Natürlich habe er für die Kanzlerin gestimmt, sagt er. Aber wohl eher, weil die Leute es leid hätten, nach gut sechs Monaten Koalitionsverhandlungen. Stärkt Merkel auch nicht gerade.

„Es glaubt doch kein Mensch Horst Seehofer das Heimatministerium.“

Auch die weiteren Gäste machten der neuen GroKo wenig Hoffnung. Kühnert: „Die Einigungsmenge zwischen den Parteien ist enger geworden.“ Forudastan: „Da ist eine gewisse Ratlosigkeit. Eigentlich geht es allen doch ganz gut und trotzdem herrscht eine große Unzufriedenheit und Nervosität. Das trägt zu Merkels ausgelaugt sein bei.“

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Dass AfD-Politiker Baumann Merkel der GroKo einen „Stolperstart“ attestierte ist nicht überraschend: „Wir haben riesige Probleme bei der Sicherheit. Da ist so viel im Argen. Aber die AfD wirkt inhaltlich. Weder wäre ohne uns Jens Spahn Gesundheitsminister geworden, noch wäre Horst Seehofer jetzt auf dem Kurs, auf dem er gerade ist.“ Was er damit meint, schob er gleich nach: „Heimatbetont und einen Masterplan für Abschiebungen: Er sollte zuerst einen Plan für Grenzsicherung machen.“ Und überhaupt: „Es glaubt doch kein Mensch Horst Seehofer das Heimatministerium.“

Göring-Eckardt hoffte: „Die GroKo sollte nicht nur die kleinen Leute in den Vordergrund stellen, sondern für Zusammenhalt sorgen.“

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Spahn-Freund Ziemiak: „Er hat absolut recht“

Dann geht es um das eigentliche Thema der Maischberger-Sendung. Spahn hatte parteiübergreifend viel Kritik einstecken müssen, als er sagte: „Niemand müsste in Deutschland hungern, wenn es die Tafeln nicht gäbe.“ Und zu den Hartz-IV-Regelsätzen: „Mehr wäre immer besser, aber wir dürfen nicht vergessen, dass andere über ihre Steuern diese Leistungen bezahlen.“

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Spahn-Freund Ziemiak: „Er hat absolut recht. In Deutschland verhungert keiner. Die Tafel ist eine zusätzliche Leistung, um es ärmeren Menschen möglich zu machen, am Ende des Monats etwas zu kaufen, was sie sonst nicht könnten.“ 

Dann platzte Kühnert bei Maischberger der Kragen

„Was Spahn gesagt hat, war von oben herab“, befand Göring-Eckardt. Kühnert empfahl, sich am Ende eines Monats in eine Schlange einer Tafel zu stellen.

Als AfD-Mann Baumann wiederholt betonte, dass Milliarden für Flüchtlinge in Deutschland bereitstünden, während für Deutsche kein Geld da sei, platzte dem Juso-Chef aber der Kragen. Die AfD habe keine Antworten auf Fragen der Armut und Umverteilung in Deutschland. „Sie wollen die Vertreter der kleinen Leute sein? Das Allerletzte sind Sie in dieser Hinsicht“, schimpfte er. Baumann argumentierte nur: „Wir haben den größten Sozialstaat der Welt.“ Wohl der Aufreger des Abends.

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