1. Hersfelder Zeitung
  2. Politik

Stahlwerk in Mariupol als Ziel: Russische Soldaten greifen wohl an

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Felix Busjaeger

Kommentare

Blick auf das Asow-Stahlwerk in der ukrainischen Stadt Mariupol.
Blick auf das Asow-Stahlwerk in der ukrainischen Stadt Mariupol. Russland hat eine Feuerpause angekündigt. © IMAGO/Peter Kovalev

Russische Soldaten sollen die Angriffe auf das Stahlwerk in Mariupol fortführen. Die Lage ist angespannt. Alle News aus der Politik lesen Sie im Live-Ticker.

Angriffe in Mariupol: Das Stahlwerk in Mariupol gilt als letzte Bastion der ukrainischen Verteidiger. Nach Informationen unterschiedlicher Medien sollen sich in dem Gebäudekomplex Zivilisten und Kämpfer aufhalten. Am vergangenen Dienstag hatte Kremlchef Wladimir Putin bei seinem Treffen mit UN-Generalsekretär António Guterres die Kämpfe in der Region für beendet erklärt, doch erneut scheint das Stahlwerk im Mittelpunkt eines Angriffs zu stehen. Wie der Focus berichtet, sagte der Berater des Bürgermeisters von Mariupol, Petro Andryushchenko, dass am Mittwoch keine humanitären Korridore zustande kommen würden, um Zivilisten aus der Region zu evakuieren.

Als Grund nannte Andryushchenko russischen Streitkräfte, die derzeit das Stahlwerk in Mariupol attackieren würden. Bereits nach dem Gespräch zwischen Putin und Guterres hatte die ukrainische Führung dem Kreml vorgeworfen, die Kämpfe fortzuführen und die Korridore zu sabotieren. Zuletzt hatte sich auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in einem Telefonat mit Kremlchef Wladimir Putin für sichere Fluchtrouten eingesetzt.

Russland droht mit Angriffen in Kiew: Vertreter westlicher Länder im Visier

Ton wird rauer: Während im Westen über mögliche Waffenlieferungen an die Ukraine debattiert wird, scheint sich die Lage im Ukraine-Krieg weiter zu verschärfen. Wie mehrere Nachrichtenagenturen berichten, habe das russische Verteidigungsministerium unter Sergej Schoigu offen Drohungen ausgesprochen. „Die russische Armee ist rund um die Uhr in Bereitschaft, um mit hochpräzisen Langstreckenwaffen Vergeltungsschläge auf Entscheidungszentren in Kiew zu starten“, heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums. Ein Tag zuvor hat der russische Außenminister Sergej Lawrow bei einem Treffen mit UN-Generalsekretär António Guterres mit Nachdruck vor Waffenlieferungen an die Ukraine gewarnt.

Wie es weiter heißt, würde Russland im Falle solcher Angriffe auch in Kauf nehmen, dass Vertreter bestimmter westlicher Länder in den Zentren anwesend wären. Mutmaßlich handelt es sich bei den Drohungen um eine russische Reaktion auf den Staatssekretär im britischen Verteidigungsministerium, James Heappey, der einen Einsatz britischer Waffen gegen russische Soldaten für unproblematisch hält. Knapp neun Wochen nach Beginn des russischen Invasionskriegs von Wladimir Putin meldete die ukrainische Regierung von Wolodymyr Selenskyj, dass die russischen Streitkräfte derzeit in der Ostukraine verstärkt werden, womöglich um die Offensive in dem Landesteil zu beschleunigen.

Gepard-Panzer für die Ukraine: Kehrtwende in der deutschen Politik

Waffenlieferung: Über Wochen hat die deutsche Regierung von Kanzler Olaf Scholz (SPD) debattiert, nun steht die Entscheidung: Deutschland liefert „Gepard“-Panzer an die Ukraine. Am Dienstag kündigte Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) an, dass Flugabwehrpanzer zur Verfügung gestellt werden sollen. „Wir arbeiten gemeinsam mit unseren amerikanischen Freunden bei der Ausbildung von ukrainischen Truppen an Artilleriesystemen“, sagte die Politikerin bei einem Treffen auf dem US-Militärstützpunkt Ramstein.

Während Russlands Außenminister Sergej Lawrow wegen der Waffenlieferungen vor einem Weltkrieg warnt, stuft der Politologe Stefan Meister geringer ein. Gegenüber dem WDR sagte er, dass es sicherlich kaum Grenzen gebe, die die russische Führung nicht überschreiten würde, allerdings würde er nicht an einen Weltkrieg glauben,

Brasilien will Munition für Gepard-Panzer liefern: Lieferung von 300.000 Schuss im Gespräch

Lieferung von Munition: Erst kürzlich hatten die deutschen Behörden erklärt, deutsche Gepard-Panzer an die Ukraine liefern zu wollen. Laut Berichten des Business Insider plant nun Brasilien, die Ukraine mit der entsprechenden Munition zu beliefern, und zwar in erheblichem Umfang. Dem Business Insider nach soll es um 300.000 Schuss Munition gehen. Es existieren Medienberichte, denen zufolge auch Jordanien und Katar zu Munitionslieferungen aufgefordert worden sein sollen. Ob diese Länder ebenfalls Munition liefern, ist bisher unklar.

Kritik am Altkanzler Schröder: SPD-Politiker sei Mitglied von Putins Clique

Kritik wird lauter: Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) steht wegen seiner Verbindungen zu Russlands Präsidenten Wladimir Putin in der Kritik. Mehrere Politiker von FDP, Grünen und CDU haben nun Sanktionen gefordert. „Er gehört so rasch wie möglich auf die Sanktionsliste der Putin-Profiteure“, sagte das FDP-Präsidiumsmitglied Moritz Körner dem Handelsblatt. „Er gehört nicht mehr zu Créme de la Créme der deutschen Innenpolitik, sondern zur Créme de la Kreml.“

Auch aus den Reihen anderer Parteien kommt Kritik. CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter bezeichnete Schröder als Mitglied von Putins Clique, das ebenfalls auf die Sanktionsliste westlicher Nationen gehöre. Auch der grüne Europa-Abgeordnete Reinhard Bütikofer forderte, Sanktionen gegen Schröder und andere ehemalige europäische Politikerinnen und Politiker zu prüfen, „die sich inzwischen an Wladimir Putin verkauft haben.“ Die Kritik gegen Schröder hatte sich mit Ausbruch des Ukraine-Kriegs verschärft. Inzwischen hat SPD-Parteichefin Saskia Esken ihn aufgefordert, nach fast 60 Jahren SPD-Mitgliedschaft aus der Partei auszutreten.

Politik-Ticker: Alle News und Hintergründe des Tages auf einen Blick

Ob Corona-Pandemie, Ampel-Streit, Bürgergeld-Reform oder Ukraine-Konflikt: Jeden Tag entstehen überall auf der Welt Nachrichten – gute wie schlechte. Mit diesem Ticker halten wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, über alle News des Tages auf dem Laufenden. Wir ordnen und gewichten das politische Geschehen und die Entwicklungen für Sie ein. Am Abend erhalten Sie dann alles Wichtige auf einen Blick.

Auch interessant

Kommentare