YouTuber zu Gast im Neo Magazine Royale

Rezo bei Böhmermann: Youtuber sorgt für Mega-Quote

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Rezo bei Jan Böhmermann im Neo Magazine Royale.

YouTuber Rezo war bei Jan Böhmermann zu Gast und erzählte erstmals im TV von seinem berühmten Anti-CDU-Video. Was war seine Motivation?

  • Der YouTuber Rezo hat am Samstag (18. Mai) in seinem Video „Die Zerstörung der CDU“ harsche Kritik an der Politik der Unionsparteien geäußert. Das Video wurde mittlerweile fast 15 Millionen Mal angeschaut. 
  • Die CDU reagierte am Donnerstag (23. Mai) in einem offenen Brief auf die Kritik des 26-Jährigen und stellt ihre Sicht auf die Dinge dar. 
  • Am Freitag (24. Mai) legte Rezo, unterstützt von über 80 YouTubern, ein weiteres Video nach, in dem er klar dazu aufruft, bei der Europawahl weder die Union noch die SPD zu wählen.
  • Am Donnerstag (13. Juni) war Rezo zu Gast bei Jan Böhmermann in der Show „Neo Magazine Royale“. 

Update vom 14. Juni 2019: Der erste längere Auftritt des Youtubers Rezo im deutschen Fernsehen hat Jan Böhmermanns Talkshow „Neo Magazin Royale“ eine ausgezeichnete Quote beschert. Insgesamt schalteten am späten Donnerstagabend 480.000 Zuschauer (2,5 Prozent) ZDFneo ein. Das ist für sich genommen zwar noch kein Rekord. Denn als im Mai 2016 Böhmermanns Gedicht „Schmähkritik“ gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan die Republik bewegt hatte, hatte der Wert auf ZDFneo schon mal bei 620.000 gelegen. Allerdings war der Erfolg beim jungen Publikum laut dem Branchendienst dwdl.de noch nie so groß wie jetzt - 250.000 waren demnach zwischen 14 und 49 Jahren alt, was starken 4,3 Prozent entspricht. Die Zweitausstrahlung am Freitag und Nutzung der Mediatheken sind in diese Werte noch nicht eingeflossen.

Unterdessen äußert sich CSU-Ehrenvorsitzender Edmund Stoiber exklusiv gegenüber dem Münchner Merkur* zu einem ähnlichen Thema, nämlich zur Kanzlerfrage. Er ist sich sicher: Es braucht eine Urwahl. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder distanzierte sich in einem Freitag veröffentlichten Interview von der GroKo in Berlin - und übte den Schulterschluss mit einem Grünen-Amtskollegen

Der Youtuber Junus W. wurde nun wegen Vergewaltigung und Freiheitsberaubung angeklagt.

Rezo spricht bei Jan Böhmermann erstmals im TV über sein CDU-Video

Update vom 13. Juni 2019: Der Youtuber Rezo war am Donnerstag bei Jan Böhmermanns Show „Neo Magazine Royale“ zu Gast. Erstmals hat er im TV über die Hintergründe seines Videos gesprochen. 

Auf die Frage, warum er das Video gemacht hätte, antwortet Rezo: „Es gab keinen großen Grund. Ich hatte einfach Bock drauf, mich mit ein paar Themen auseinanderzusetzen, die ich grob verfolgt habe. Ich wollte mich mehr reinfuchsen und somit noch ein paar Leute mit aufklären. Im besten Fall sorge ich dafür, dass manche Zuschauer darüber sprechen“, sagt der Youtuber, der sich nicht vorstellen konnte, dass dieses Video so hohe Wellen schlägt. “Ich dachte es werden weniger als meine Durchschnitts-Views“, so Rezo. Darüber hinaus wurde der Moderator vom österreichischen Extremsportler Felix Baumgartner aufs Übelste beleidigt. 

Bei Böhmermann meint Rezo über AKK: „Es war nicht smart von ihr“

Auch auf die Reaktion von Annegret Kramp-Karrenbauer, die analoge Regeln für den digitalen Raum forderte, zeigte sich Rezo verwirrt. „Kein Plan. Hat jemand verstanden, was sie gesagt hat? Es war nicht smart von ihr. Vor allem vom Timing her. Ich habe sie grundsätzlich nicht verstanden. Hätte ich meinen Text ausgedruckt und wäre auf dem Marktplatz gegangen, da hätte es auch keine Regeln gegeben“, so Rezo. 

Außerdem verwunderte ihn die doppelten Reaktionen anderer Politiker. An mehreren Beispielen zeigte er auf, dass einige Politiker zurückruderten und ihre Meinung revidierten, die sie kurz zuvor noch im Internet posteten. 

Rezo selbst kann sich nicht vorstellen, selbst aktiver in die Politik einzusteigen. „Wenn ich das hin und wieder mache, dann ist das gut. Aber die letzten Wochen waren stressig“. Währenddessen wurden Kevin Kühnert und Philipp Amthor im neuen Talkformat „Diskuthek“ mit Rezo verglichen - und schnitten nicht gut ab. 

„Wie bei ‚Rocky IV‘“: Amthor verrät bei Lanz den ersten Satz seiner ominösen Video-Antwort

Update vom 7. Juni 2019: Wochen nach den Querelen um das CDU-kritische Video des Youtubers Rezo und seine nie veröffentlichte Replik hat der CDU-Abgeordnete Philipp Amthor Details zu seinem Antwort-Video verraten. Im TV-Talk „Lanz“ im ZDF sprach Amthor unter anderem den ersten Satz in die Kamera: „‘Hey Rezo, du alter Zerstörer‘ - so war der erste Satz. Es kamen aber auch noch ein paar Inhalte“, erklärte er Moderator Markus Lanz. 

Es sei unter anderem die Themen Bildung, Soziales, Klimapolitik und Außenpolitik gegangen, sagte Amthor weiter: „Das Video ist gar nicht so spektakulär, es lag auch gar nicht am Inhalt.“ Er habe allerdings auch nicht nur die später veröffentlichte PDF-Datei vorgelesen - „ein bisschen mehr fancy ist die CDU dann doch“.

Die Debatte um die Nichtveröffentlichung sei allerdings arg „heiß gelaufen“: „Ein bisschen wie bei Rocky IV“, erklärte der Abgeordnete - und fügte hinzu: „Ich glaube, ich hätte gewonnen.“ Er habe das Video nicht mal auf dem Smartphone, erklärte Amthor, auch um zu verhindern selbst in den Fokus zu geraten, falls der Clip „auf ominösen Wegen“ in die Öffentlichkeit gelange. 

Eine Youtuberin macht CDU-Politiker Philipp Amthor ein unmoralisches Angebot. Er reagiert sogar. 

Nach CDU-Video: Youtuber Rezo: „Ich bin kein Aktivist“

Update vom 1. Juni 2019: Der Youtuber Rezo glaubt trotz der vielen Millionen Aufrufe seines Videos über die „Zerstörung der CDU“ nicht, dass er alleine großen Einfluss auf die Europawahl hatte. „Ich denke nicht, dass ich viel bewegt habe“, sagte er dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. „Ich habe nicht viel Energie aufgebracht. Wenn eine Bowlingkugel auf dem Schrank liegt, reicht ein kleiner Schubs für eine krasse Auswirkung.“

YouTuber Rezo bestimmte mit seinem Video „Zerstörung der CDU“ das Finale des Europa-Wahlkampfes in Deutschland. 

Sein 55 Minuten langes Video, in dem er der CDU unter anderem eine verfehlte Klimapolitik vorwirft, ist inzwischen mehr als 14 Millionen Mal geklickt, fast 200 000 Mal kommentiert und 1,1 Millionen geliked worden. Es war kurz vor der Europawahl veröffentlicht worden und hat eine breite Debatte nicht nur über Klimapolitik, sondern auch über die Rolle sozialer Medien bei der Meinungsbildung und den Umgang der Parteien damit ausgelöst.

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Dennoch sagte Rezo dem „Spiegel“, dass er sich noch nie die Frage gestellt habe, ob er ein politischer Mensch sei. „Ich bin kein Aktivist, ich klettere nicht im Hambacher Forst auf Bäume oder marschiere jeden zweiten Tag bei Demos in der ersten Reihe mit. Ich glaube, dass ich der Gesellschaft mehr diene, wenn ich meinen Job gut mache.“ Er sehe sich selbst als Unterhalter und habe sich auch nie gefragt, ob er ein politischer Mensch sei.

LeFloid verteidigt YouTube-Star bei Maybrit Illner: Gibt es einen „Rezo-Effekt“?

Update vom 31. Mai 2019: Ist YouTube-Star Rezo ein Meinungsmacher oder ist sein Video „Die Zerstörung der CDU“ kaum mehr als ein Produkt des Zeitgeists? Vor allem die Reaktionen von CDU-Politikern sowie Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer heben Rezo in aktuellen Debatten um die Wahlschlappe der Volkspartei bei der Europawahl 2019 immer wieder hervor. Aber wie viel Einfluss hat der YouTuber eigentlich? Diese Frage stellten sich auch einige der Gäste bei Maybrit Illner „Das GroKo-Desaster – falsche Themen, falsche Antworten?“ am Donnerstag. Und dort schien man sich weitgehend einig.

Maybrit Illner: Gibt es einen „Rezo-Effekt“?

Außerdem behandele man junge Menschen, als seien sie nicht in der Lage, eine informierte Entscheidungen zu treffen: „Nur weil man jung ist, guckt man ja nicht so ein Video und setzt dann sein Kreuz folgerichtig“, sagt Johanna Uekermann (SPD), in der Debatte um Rezos Einfluss auf die EU-Wahlen werde so getan, „als könnten junge Menschen sich keine Meinung bilden und reflektieren.“ Die ehemalige Juso-Vorstizende Uekermann (2013-2017) meint in Rezos Wut ein Zeichen der Zeit zu erkennen: Er habe mit seinem Video einen Nerv getroffen. Einen direkten „Rezo-Effekt“ sehe die 31-jährige hingegen nicht. 

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LeFloid verteidigt das Rezo-Video

Unterstützung erhält Uekermann in dieser Meinung von dem ebenfalls 31 Jahre alten Blogger LeFloid alias Florian Dietrich. „Claus von Wagner fordert in seiner Satiresendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen doch seit Jahren die Absetzung von Merkel. Jetzt hat sich halt jemand Junges herausgenommen, dasselbe im Internet zu machen“, sagte Dietrich. Außerdem würden zehn Millionen Klicks nicht automatisch bedeuten, dass auch zehn Millionen Menschen sich das Video angesehen hätten. 

Rezo-Video: Fridays for Future und Proteste gegen Artikel 13 werden nicht ernst genommen

Auch Carla Reemtsma, Mitorganisatorin der deutschen Fridays-for-Future-Demonstrationen, vermisst bei den Parteien einen respektvollen Umgang auf Augenhöhe mit jungen Menschen. Dass es diese nicht gebe, sehe man nicht nur bei der Rezo-Diskussion sondern auch in der „Schulschwänzer-Debatte“ der Fridays-for-Future-Aktivisten sowie in Bezug auf die Proteste um Artikel 13, wobei Gegner des Gesetzesentwurfs als „Bots“ beschimpft wurden. Insgesamt findet die 21-Jährige: „Wir gehen nicht mehr in Parteien, weil wir gar nicht das Gefühl haben, dass unsere Themen dort angegangen werden.“

YouTuber Rezo fordert Bekenntnis der CDU - „Wäre also nice, wenn ihr...“

Update vom 29. Mai, 22.02 Uhr: Der Youtuber Rezo hat sich in der Debatte um sein millionenfach geklicktes Video zu einem Gespräch mit der SPD bereit erklärt und der CDU Bedingungen für einen Meinungsaustausch genannt. In dem viel diskutierten Video mit dem Titel „Die Zerstörung der CDU“ hatte der Influencer kurz vor der Europawahl massive Kritik am Handeln der Christdemokraten auf verschiedenen Politikfeldern geübt, etwa in der Klimapolitik. Auch die SPD war schlecht weggekommen. 

Bei Twitter schrieb Rezo am Mittwoch, seine „öffentliche Frage an die CDU“ sei nun zunächst, ob man in der Partei einen Kurswechsel in der Klimapolitik inzwischen für notwendig halte oder nicht. Bei der SPD sehe er bereits jetzt „eine gute Basis“ für ein Gespräch.

Rezo wandte sich in seinem Tweet direkt an CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak und Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer. „Sagt ihr „Ja, wir müssen einen deutlichen Kurswechsel machen und lasst uns mal über das WIE reden“, oder sagt ihr „ne, ein deutlicher Kurswechsel ist nicht nötig“?“ Wäre also nice, wenn ihr es wie die SPD ebenfalls schafft, darauf auch eine klare Antwort zu geben.“

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„Gute Basis für Gespräch“: Diskutiert Rezo mit Klingbeil, Kühnert und Wölken?

Für die SPD hatten Generalsekretär Lars Klingbeil, Juso-Chef Kevin Kühnert und der Europaabgeordnete Tiemo Wölken nach Rezos Video ein eigenes Video auf Youtube gepostet. „Uns hat eure Kritik erreicht“, hatte Klingbeil darin gesagt. Rezo befand nun, die drei Sozialdemokraten hätten öffentlich klargemacht, dass sie „einen deutlichen Kurswechsel“ wollten, um die Bekämpfung der Klimakrise voranzutreiben. „Daher ist dort eine gute Basis für so ein Gespräch vorhanden, bei dem ich (...) auch gern mitmachen kann.“

Er wolle aber kein Hauptbeteiligter in einer öffentlichen Diskussion sein. „Jeder, der mich mal in einer Live-Diskussion erlebt hat, weiß, dass ich ein Problem mit Stottern habe.“

Das Wahlergebnis bei der Europawahl mit den massiven Verlusten von Union und SPD zeige, „dass die aktuelle Union und die aktuelle SPD einen dringenden Kurswechsel“ in der Klimapolitik einschlagen müssten, wenn sie weiter dem Anspruch einer Volkspartei gerecht werden wollten. „Dazu muss man sie nicht abschaffen, sie können sich auch einfach ändern. Das wäre doch das beste für alle.“

Rezo-Video über die CDU: Über 13 Millionen Aufrufe

Das inzwischen mehr als 13 Millionen Mal geklickte Video hatte auch wegen der umstrittenen ersten Reaktion der CDU darauf für Schlagzeilen gesorgt. Generalsekretär Ziemiak hatte zunächst abweisend auf das Video reagiert - und Rezo erst nach öffentlicher Kritik an diesem Verhalten zu einem Meinungsaustausch eingeladen. Ziemiak hat inzwischen Mängel in der Öffentlichkeitsarbeit seiner Partei mit Blick auf den Umgang mit dem Video eingeräumt.

Rezo betonte, bei seinem Video habe es sich um keinen journalistischen Beitrag gehandelt. Er schrieb: „Journalismus zu betreiben ist super wertvoll. Begründete Meinungen auszutauschen ist auch wertvoll. Ich hab letzteres gemacht. Nur halt vielleicht mit mehr Belegen, als das sonst üblich ist. Das macht mich noch lange nicht zu einem Journalisten. Ich bin Informatiker und Künstler, der sich geäußert hat.“

Rezo räumte mit Blick auf Vorwürfe, er habe in seinem mehr als 50-minütigen Video auch faktische Fehler gemacht, ein, ihm seien „bei so einem riesigen Projekt (...) auch ein paar wenige kleinere handwerkliche Fehler“ unterlaufen. Darunter sei aber kein Fehler gewesen, „der irgendeine Grundthese von mir ungültig macht“.

Bayerischer JU-Vorsitzender kritisiert CDU-Reaktion auf Rezo-Video: „Nicht wirklich geglückt“

Update vom 29. Mai 2019, 13.01 Uhr: Bayerns Landesvorsitzender der Jungen Union (JU), Hans Reichhart, hat in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk Kommunikationsfehler der CDU in Bezug auf das Rezo-Video eingeräumt. Er bezeichnete die Antwort der Schwesterpartei der CSU als „nicht wirklich geglückt“. „Zunächst zu sagen, ich mach' was, dann eine Hängepartie zu machen und dann zu sagen, ja, ich mache doch nichts und dann ein zwölfseitiges PDF-Dokument zu veröffentlichen (...) zeigt, dass wir dort wirklich noch Nachholbedarf haben, auch in der Kommunikation“, sagte Reichhart, der auch bayerischer Bauminister ist, am Mittwoch.

In der medialen Debatte nach Annegret Kramp-Karrenbauers umstrittener Aussage zur „Meinungsmache“ im Internet sieht er vieles als „verkürzt dargestellt“. Weiter sagte er, man dürfe niemandem das Wort verbieten. „Wir können uns nicht über Jahre beklagen, dass die junge Generation kein Interesse für Politik hat und dann kommt eine Diskussion auf und dann sagen wir: 'nein, aber so nicht'.“

Kramp-Karrenbauer hatte am Montag Regeln für „Meinungsmache“ im Internet in Wahlkampfzeiten ins Gespräch gebracht und dafür heftige Kritik kassiert. Ihr wurde vorgeworfen, sie wolle die Meinungsfreiheit einschränken - was sie zurückwies. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte: „Jeder, den ich kenne in der CDU, oder jede, setzt sich für Meinungsfreiheit als ein Grundprinzip ein.“

Gab es einen „Rezo-Effekt“? Junge Wähler strafen SPD und CDU bei Europawahl ab

17.00 Uhr: Das amtliche Endergebnis der Europwahl in Deutschland liegt vor - und es ist eine deutliche Klatsche für die GroKo-Parteien. Die SPD kommt auf miserable 15,8 Prozent und auch die Union verlor deutlich. Während sie bei der Europwahl 2014  35,3 Prozent erzielte, sind es 2019 nur noch 28,9 Prozent. Ein Mitgrund für den Absturz der CDU/CSU scheint schnell gefunden: Die Union ignorierte zu lange das Thema Umweltschutz und konnte deshalb in Zeiten von „Fridays for Future“ vor allem bei jungen Wählern nicht punkten.

Aber steht dieser Einbruch auch im direkten Zusammenhang mit dem kurz vor der Europwahl veröffentlichten Video „Die Zerstörung der CDU“ des YouTubers Rezo? In dem 55 Minuten langen Video hatte der 26-Jährige mit den blauen Haaren die Politik der Union scharf kritisiert. Das Video wurde inzwischen zwölf Millionen Mal aufgerufen und eine Million Likes gesammelt. In dem Video fordert der YouTuber sogar: „Wählt nicht die CDU/CSU, wählt nicht die SPD!“ Eine Forderung, der die jungen Menschen nachkamen, ob bewusst oder unabhängig von Rezos Aufruf: Nur 13 Prozent der Unter-30-Jährigen wählten bei der Europawahl die CDU, 10 Prozent dieser Altersgruppe die SPD.

Bislang gibt es noch keine Belege für einen „Rezo-Effekt“. In den sozialen Netzwerken bedanken sich trotzdem bereits zahlreiche User unter dem Hashtag #dankerezo bei dem YouTuber für das Wahlergebnis. Dennoch bezeichnete AKK das Rezo-Video als „Meinungsmache“, die Opposition warnt vor Zensur.

Die Tatsache, dass 33 Prozent der unter 30-Jährigen die Grünen gewählt haben, könnte die These stützen, dass es einen „Rezo-Effekt“ gab. Denn Rezo hatte speziell die Umweltpolitik der GroKo kritisiert. Und die Wähler sehen die größte Kompetenz der Grünen nunmal in der Klima- und Umweltpolitik, wie eine Umfrage im Auftrag der „Tagesschau“ ergab. Für 88 Prozent der Grünen-Wähler bei der Europawahl spielte demnach der Klima- und Umweltschutz die größte Rolle.

Selbst wenn sich ein „Rezo-Effekt“ derzeit noch nicht bestätigen lässt - der YouTuber traf mit seinem Video auf jeden Fall einen Nerv der jungen Wähler.

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Nach der Europawahl 2019 hat sich nun ein weiterer CDU-Politiker mit jüngeren Wählern angelegt - diesmal kontert sogar Moderator Frank Buschmann.

Rezo-Video: CDU-Generalsekretär gesteht Fehler ein - „Wir haben zu langsam reagiert“

11.31 Uhr: CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak hat Mängel in der Öffentlichkeitsarbeit angesichts der umstrittenen Reaktion der Union auf ein kritisches Video des YouTubers Rezo kurz vor der Europawahl eingeräumt. Ziemiak hatte am Donnerstag zunächst abweisend auf die Videoveröffentlichung reagiert - und Rezo erst nach öffentlicher Kritik an diesem Verhalten zu einem Meinungsaustausch eingeladen. Ziemiak sagte dazu am Montag in einem Bild-Talk: „Wir haben zu langsam auf dieses Video reagiert, aber die Ressourcen, die wir in der Online-Kommunikation haben, sind viel zu gering, um mit jungen Menschen in Kontakt zu treten.“ Auf die Gesprächsanfrage der CDU habe Rezo bisher nicht reagiert. „Wir haben sein Management angefragt, aber er hat noch nicht geantwortet.“

Ziemiak hatte nach den schweren Verlusten der Union bei der Europawahl bereits am Sonntagabend im ZDF angekündigt, künftig stärker den Dialog mit jungen Menschen suchen zu wollen. Der Umbau brauche Zeit und Geduld. Das Ergebnis der Europawahl sei aber Ansporn, dies noch schneller voranzubringen.

CDU-Wahlschlappe wegen Rezo-Video? „Das werden wir aufarbeiten müssen“

Update 27. Mai 2019: Der Vorsitzende der Jungen Union (JU), Tilman Kuban, hat der CDU-Spitze massive inhaltliche und kommunikative Fehler vorgeworfen und eine tiefgreifende Aufarbeitung der Ursachen der Verluste bei der Europawahl verlangt. „Die CDU hat massiv an Vertrauen verloren“, sagte der Vorsitzende der Jugendorganisation von CDU und CSU in Berlin. In der Debatte über das Urheberrecht sowie über das Anti-CDU-Video des YouTubers Rezo in den vergangenen Tagen seien „schwere kommunikative Fehler gemacht“ worden. „Das werden wir aufarbeiten müssen“, forderte Kuban.

Update 26. Mai 2019: YouTuber Rezo bleibt nach den Europawahlen weiter das Thema für die Politik. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak kündigte nach den Verlusten der Partei bei der Europawahl an, stärker den Dialog mit jungen Menschen suchen zu wollen. Ziemiak sagte am Sonntagabend im ZDF mit Blick auf das Anti-CDU-Video von YouTuber Rezo, die vergangene Woche habe deutlich gezeigt, wo es Defizite in der Kommunikation gebe. Der Umbau brauche Zeit und Geduld. Das Ergebnis der Europawahl sei aber Ansporn, dies noch schneller voranzubringen. Die CDU müsse stärker den Dialog auf allen Kanälen mit jungen Leuten führen.

Ziemiak meinte mit Blick auf die Europawahl: „Das ist nicht das Ergebnis, was wir uns gewünscht haben.“ Die Union sei aber stärkste Kraft geworden. 

Bei der Europawahl haben die Wähler Union und SPD abgestraft. Besonders hart traf es die SPD, die auf unter 16 Prozent abstürzte und auf Platz drei hinter den Grünen landete. Diese feierten mit etwa 21 Prozent einen triumphalen Erfolg und wurden erstmals bei einer bundesweiten Wahl zweitstärkste Partei. CDU/CSU verloren ebenfalls deutlich an Zuspruch, wurden aber mit knapp 29 Prozent erneut stärkste Kraft.

Noch nie hatten Union und SPD bei einer Europawahl so schlechte Ergebnisse eingefahren. Die SPD verlor im Vergleich zur letzten Europawahl 2014 rund elf Prozentpunkte, die Union etwa sieben Punkte. Zusammen landeten sie deutlich unter 50 Prozent.

Die Grünen hingegen konnten ihr Ergebnis verdoppeln. Ihre Spitzenkandidatin Ska Keller sprach von einem "sensationellen Ergebnis". Parteichef Robert Habeck sagte: "Das Ergebnis übertrifft alle Erwartungen und ist ein Auftrag, diesem Zuspruch standzuhalten."

Update vom 25. Mai 2019, 7.50 Uhr: Youtuber Rezo hat nach Ansicht von Linke-Chef Bernd Riexinger mit seiner Fundamentalkritik an der CDU recht. „Ich bin absolut begeistert. Man spricht ja immer davon, die Jugend wäre unpolitisch. Ich sehe das gar nicht“, sagte Riexinger am Freitagabend der Deutschen Presse-Agentur am Rande einer Wahlkampfveranstaltung in Berlin. Dass mehr als fünf Millionen Leute sich ein solches einstündiges hochpolitisches Video anschauten, sei wirklich sensationell. Rezos Anti-CDU-Video hatte am Freitag schon mehr als 7,5 Millionen Klicks.

Riexinger zeigt auch Verständnis für die mehr als 70 Youtuber, die sich Rezo in einem zweiten Video angeschlossen haben, in dem sie dazu aufrufen bei der Europawahl am Sonntag nicht CDU, CSU, SPD und auch nicht die AfD zu wählen. CDU und SPD seien am längsten in der Regierung, sagte der Linke-Chef. „Die soziale Kluft ist größer geworden, wir erreichen die Klimaschutzziele nicht, wir verkaufen die Zukunft der jungen Generation. (...) Ich glaube, dass diese Kritik vollkommen gerechtfertigt ist“.

YouTube-Video von Rezo: AKK weist Vorwürfe gegen die CDU von sich

Update vom 24. Mai, 20.43 Uhr: Nach der SPD reagiert auch die CDU auf das Video von YouTuber Rezo, in dem klar dazu aufgerufen wird, die Regierungsparteien nicht mehr zu wählen. Anders als die Sozialdemokraten, äußerte sich die Union in Form von Parteivorsitzender Annegret Kramp-Karrenbauer klassisch über eine Pressemitteilung. „Es ist eine Meinungsäußerung in den letzten Tagen des Wahlkampfes wie andere Meinungsäußerungen auch. Wir haben unsere Dinge zum Klimaschutz gesagt“, so die 56-Jährige.

AKK weist die Vorwürfe der Youtuber gegen die CDU von sich und unterstreicht den umweltpolitischen Kurs ihrer Partei: „Ich sage ganz klar: Ob auf Youtube oder sonstwo - wir alle wollen die Klimaschutzziele einhalten.“ Gleichzeitig wolle die Union Arbeitsplätze erhalten und schaffen und sozial ausgewogen sein. „Wir sind auch überzeugt, dass das alles zusammengeht. Dafür kämpfen wir.“

YouTube-Video von Rezo: SPD antwortet per Video auf die Kritik 

Update vom 24. Mai, 20 Uhr: Die Kritik der YouTuber, die sich nach dem Video von Rezo gegen die Politk der Regierungsparteien und der AfD gestellt haben, hat die Sozialdemokraten erreicht. Die SPD hat am Freitagabend ihrerseits eine Antwort an die unzufriedenen Webvideoproduzenten, die stellvertretend für eine ganze Generation sprechen wollen, geliefert. Anders als die Union entschied man ich im Willy-Brandt-Haus nicht für einen offenen Brief, sondern - im Geiste der Kritiker - für ein Video. 

Knapp sechs Minuten geht der Clip, der auf dem YouTube-Kanal der Sozialdemokraten hochgeladen wurde und in diesem nehmen drei SPD-Politiker Stellung zu den Anschuldigungen. Spitzenkandidaten Katharina Barley sucht man vergebens, denn abgesehen von der Tatsache, dass die 50-Jährige sich mitten im Endspurt ihres Wahlkampfes befindet, hat die SPD hat sich wohl für jüngere Vertreter entschieden. Generalsekretär Lars Klingbeil hat sich für das Video Unterstützung vom Juso-Chef Kevin Kühnert (29) und von Timo Wölken (31), der im Europäischen Parlament sitzt, geholt. 

YouTube-Video von Rezo: SPD will sich mit Kritiker solidarisieren - „Uns hat eure Kritik erreicht“

„Uns hat eure Kritik erreicht. Ich will erstmal sagen, dass ich es richtig finde, dass ihr politisch aktiv seid“, sagt Klingbeil zum Beginn des Statements und gibt damit den Ton des Statements vor. Die SPD will sich mit den jungen Wählern solidarisieren und sich vor allem von ihrem Koalitionspartner distanzieren. Weiter spricht der Generalsekretär davon, dass man beim Thema Klimaschutz „große Konflikte“ mit der Union habe und die Sozialdemokraten sich für ein Klimaschutzgesetz einsetzten würden - anders als die teilweise „unambitionierten“ Unions-Politiker. 

„Ich möchte euch die Hand ausstrecken und sagen lasst uns in den Dialog kommen“, schließt Klingbeil seinen Part. Juso-Chef Kühnert solidarisiert sich darauf hin mit den unzufriedenen YouTubern: „Wir brauchen nicht darüber zu streiten, dass der Klimawandel die größte Herausforderung ist, vor der wir stehen“, so der 29-Jährige und ergänzt später noch weiter: „Lasst uns darüber reden, wie dieser Weg aussehen kann und nicht darüber, ob das notwendig ist.

SPD will Dialog mit Rezo und weiteren YouTube-Stars: „Ladet uns ein - wir kommen“ 

Wölken, der am Sonntag ebenfalls zur Wahl steht, wirbt anschließend für ein Kreuz bei der SPD, da die Sozialdemokraten durch das Setzen von europäischen Standards Einfluss auf die Politik der CDU in Deutschland nehmen wollen. Klingbeil schließt schlussendlich mit der Wiederholung seines Angebotes: „Organisiert euch, ladet uns ein, wir versprechen euch, wir kommen. Egal ob Wahlkampf ist oder nicht.“

Mit knapp 5000 Aufrufen innerhalb einer Stunde kann die SPD von den Klick-Dimensionen eines Rezos nur träumen, dennoch zeigen die Sozialdemokraten, dass sie imstande sind, schnell auf Begebenheiten zu reagieren. Nur vier Stunden nach dem erneuten Video von Rezo, war die SPD mit ihrer Antwort online.

Update vom 24. Mai, 17.10 Uhr: Fünf Tage nach seinem Video „Die Zerstörung der CDU“, das den politischen Kurs dieser Woche wohl entscheidend geprägt hat und am Tag nach einem elbseitigen Antwortbrief der Union, meldet sich der YouTuber Rezo mit einem weiteren Clip zurück. Dieser trägt den weitaus weniger polemischen Titel „Ein Statement von 80+ Youtubern“ und zeigt eben genau das. Der 26-jährige Rezo ist nur am Anfang des Videos zu sehen und leitet mit den Worten „Dies ist ein offener Brief, ein Statement“, ein. Danach übernehmen andere größere und kleinere Gesichter der Video-Plattform YouTube. 

YouTuber rechnen mit Regierungsparteien ab: „Deswegen bitten wir euch alle: wählt nicht die CDU“

Über 80 Webvideoproduzenten haben sich hinter ihrem Vorreiter Rezo zusammengeschlossen und sagen der Großen Koalition den Kampf an. Der Clip richtet sich dieses Mal nämlich nicht nur gegen die Unionsparteien, sondern auch den Koalitionspartner SPD. Hintereinander sprechen die bekanntesten YouTuber ein Statement ein während am unteren Videorand eine Liste mit allen beteiligten Videomachern durchläuft. Der Fokus liegt dabei, wie schon in Rezos erstem Video, auf der Umweltpolitik. CDU, CSU und SPD würden eine falsche Umweltpolitik an den Tag legen, die zu irreversiblen Schäden führen wird. Zu denen, die sich an dem Statement beteiligen, zählen Größen der Plattform wie Julien Bam, Rewinside, DagiBee oder Katja Krasavice. 

Für die YouTuber ist deswegen klar: „Auf jeden Fall müssen wir dafür sorgen, dass Parteien einen Anreiz dafür haben, im Sinne der Wissenschaft zu handeln und der offensichtliche Anreiz, den wir schaffen können ist, dass sie bei den Wahlen Stimmen verlieren. Denn nur dann hätten sie einen Grund ihr Verhalten zu ändern.“ Rezo und Co. lassen also den offenen Brief der CDU und dessen Relativierungversuche und Einordnungen links liegen und richten ihre klare, unveränderte Forderung an die Zuschauer. 

Rezo vs. CDU: Nach zwei Stunden schon knapp 300.000 Aufrufe 

„Deswegen bitten wir euch alle: wählt nicht die CDU. Wählt nicht die CSU und wählt nicht die SPD. Wählt auch keinen Fall eine andere Partei, die so wenig im Sinne von Logik und der Wissenschaft handelt und nach dem wissenschaftlichen Konsens mit ihrem Kurs unsere Zukunft zerstört. Und wählt schon gar nicht die AfD, die diesen Konsens sogar leugnet.“ Deutliche Worte, die die YouTube-Community auf ihre überwiegend junge Zielgruppe richtet. 

Vorweg nehmen die Webvideoproduzenten auch die Antworten der CDU auf dieses Statement. Man können ihnen vorwerfen, dass sie gekauft seien oder an Fake-Kampangen teilnehmen würden. Von solchen respektlosen Techniken habe die CDU demnach schon in diesem Jahr Gebrauch gemacht. Rezo, der in den letzten Tagen sicherlich zu einer Art politischem Meinungsführer für eine heranwachsende Generation geworden ist, schließt das Video selbst mit einem Fazit für die Regierungsparteien ab: „Und wir sprechen für viele Bürgerinnen und Bürger, wenn wir sagen: Ihr habt euch damit keine Freunde gemacht.“ Nach knapp zwei Stunden kratzt der neue Clip bereits an den 300.000 Aufrufen. 

Rezo wütet in Video gegen CDU: Union antwortet mit Mittel von gestern

Update vom 24. Mai, 16.10 Uhr: „In unserem freien Land darf jeder seine Meinung äußern, Gott sei Dank.“ Mit diesen Worten beginnt die CDU ihren offenen Brief an den YouTuber Rezo, der die Volkspartei mit seinem Webclip in eine Bedrängnis gebracht hatte. Der elfseitige Brief, der am Donnerstag auf der Homepage der Partei veröffentlicht wurde, trägt den Titel „Offene Antwort an Rezo: Wie wir die Sache sehen“ und in diesem nimmt die Union vor allem Bezug auf drei Kritikpunkte, die der 26-Jährige mit der auffälligen Frisur in seinem Video vorgebracht hatte. 

Es ist der angekündigte Konter, der eigentlich ebenfalls in Video-Form durch den 26-jährigen Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor erfolgen sollte (siehe Update um 7.55 Uhr). Statt einem YouTube-Video kontert die deutsche Volkspartei also mit einem PDF-Dokument, in dem man sich gegen die harten Anschuldigungen des Web-Video-Produzenten zur Wehr setzen will. Dabei fokussiert sich die CDU vor allem auf drei Punkte: die angeblichen Versäumnisse der Partei in der Bildungspolitik und bei der Chancengleichheit, die zu wenig progressive Umweltpolitik der Union und die Beteiligung Deutschlands an angeblichen Kriegsverbrechen bzw. die umstrittene US-amerikanische Militär-Basis in Ramstein. 

Eine etwas modernere Antwort auf Rezos Video lieferte allerdings der ehemaliger Bundestagsabgeordneter Ruprecht Pohlenz (CDU). Der CDU-Politiker aus Münster schrieb Rezo einen offenen Brief auf Facebook, wie msl24.de* berichtete.

CDU-Reaktion auf das YouTube-Video von Rezo: „Alle“ müssen mitmachen

Im ersten Teil des offenen Briefes lenkt die CDU die Aufmerksamkeit auf die Erfolge, die man in den letzten Legislaturperioden erreicht habe. Dabei nennt die Union unter anderem die Arbeitslosenzahlen, die im Vergleich zu 2005 gesunken sind und in einer Auflistung am Ende des Absatzes noch weitere Punkte wie „Wachsendes Bruttoinlandsprodukt“, „Steigende Nettoeinkommen“ oder „Steigende Tarif- und Bruttoverdienste“.

In Sachen Klimakrise merkt die Partei an, dass Deutschland nur für 2,3 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich sei und alleine keine gravierenden Änderungen erzielen könnte. Dies würde zeigen, „dass alle mitmachen müssen“, schreibt die Partei und schiebt so die Verantwortung weiter an andere Staaten. Deutschland gehe mit gutem Beispiel voran, meint die CDU und listet Erfolge auf, die man in den letzten Jahren in Sachen erneuerbare Energie erzielt habe. Darunter wird aufgeführt, dass die Gesamt-Emissionen in Deutschland von 1990 bis 2017 um rund 344 Millionen Tonnen oder 27,5 Prozent gesunken seien oder dass der Zubau von neuen Photovoltaik-Kapazitäten seit einigen Jahren wieder steigen würde.

Rezo wirft der CDU Beteiligung an Kriegsverbrechen vor - Union schätzt die Lage anders ein

Im Bezug auf die umstrittene US-Militär-Basis in Ramstein, die vom US-Militär zur Steuerung von Drohnen benutzt wird, erklärt die Union, Deutschland habe „wegen des Status der Immunität von Ramstein nur begrenzte Möglichkeiten, Ermittlungen anzustellen. Rezo hatte in seinem Video kritisiert, dass Deutschland zu wenig regulierend auf die USA wirken würde. Darüber hinaus wird der Tod von mehreren Reuters-Journalisten durch einen US-amerikanischen Drohnenangriff, der von Rezo als „Kriegsverbrechen“ bezeichnet wurde, von der Union anders eingeschätzt. Es handle sich dabei zwar um einen „schrecklichen Vorfall“, jedoch nicht um ein Kriegsverbrechen, da die Soldaten nicht wissentlich auf Zivilisten gefeuert hätten.

Knapp vier Tage nach dem Video von Rezo, kommt also der Konter, in dem die CDU ihre Sicht der Dinge darstellt. Für die 7,5 Millionen Menschen, die den Clip des YouTubers bis jetzt gesehen haben, könnte das Statement jedoch eventuell zu spät kommen. Auch ist gerade für Menschen, die sich nicht sonderlich für Politik interessieren, ein Video auf YouTube deutlich zugänglicher als ein elfseitiger Brief auf der Homepage der CDU. Ob der potenzielle Schaden, den das Rezo-Video für die CDU angerichtet hat, durch diese Antwort verringert werden kann, könnte sich schon am Sonntag zeigen - dann wird auch in Deutschland ein neues Europäisches Parlament gewählt.

YouTuber Rezo beschwört „Zerstörung der CDU“: Amthor produziert Antwort - doch Partei macht Kehrtwende

Update vom 24. Mai, 7.55 Uhr: Eigentlich wollte die CDU die harsche Kritik von YouTuber „Rezo“mit einem Video kontern - das schreibt zumindest die Bild. Philipp Amthor, Bundestagsabgeordneter und wie Rezo 26 Jahre alt, sollte darin den Gegenschlag führen. Allerdings wurde dieser nie veröffentlicht.

Statt einer Veröffentlichung am Mittwoch um 15 Uhr gab es am Donnerstag das Aus für das schon produzierte Video. „„Wir haben uns entschieden, kein Video zu veröffentlichen“, hat Bild aus Kreisen des Konrad-Adenauer-Hauses, wo das Antwort-Filmchen wohl produziert worden ist, erfahren. Stattdessen hat die CDU den YouTuber zum Dialog eingeladen.

Rezo kritisiert CDU in Video - AfD-Politiker unterstützt YouTuber

Update vom 23. Mai, 15.35 Uhr: Ein Bundestagsabgeordneter der AfD stellt sich vor den YouTuber Rezo. Mit Blick auf dessen Video „Die Zerstörung der CDU“ betont Paul Hampel: „Insbesondere heute am 70. Jahrestag des Grundgesetzes ist es wichtig, dass wir als AfD uneingeschränkt für das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung eintreten und Menschen wie Rezo verteidigen gegen Zensur und Verleumdung.“ Rezos vernichtende Kritik an der Politik der CDU „trifft ins Schwarze und ist ganz auf AfD-Linie“.

Video: Rezo rechnet mit Politikern ab – so reagiert die CDU

Update vom 23. Mai, 12.46 Uhr: Die CDU lädt den YouTuber Rezo zum Meinungsaustausch ein und bezeichnet dessen Kritik als teilweise berechtigt. „Lass uns über Deine Kritik an der CDU sprechen, aber bitte höre auch uns zu, wie wir die Dinge sehen“, schreibt Generalsekretär Paul Ziemiak bei Twitter. „Nicht als Show, sondern so, wie die meisten Menschen bei uns: aus Sorge über unsere Zukunft und über Wege, unseren Planeten zukunftsfest zu machen, über Ideen für bessere Lösungen. Lass uns treffen, damit mir miteinander sprechen können.“

Zudem schreibt Ziemiak: „Wir machen das in der CDU seit 70 Jahren: Wir zerstören einander nicht, sondern wir hören einander zu, wir reden miteinander, wir finden gemeinsame Lösungen.“ Die Partei gebe „es überhaupt nur, weil unser Europa einmal völlig zerstört war“. Infolge dieses Umstands - also dem Resultat des Zweiten Weltkriegs - hätten „wir uns als Union zusammengefunden, gemeinsam mit anderen unser Land wieder aufgebaut und gemeinsam mit anderen dazu beigetragen, dass es vielen Menschen in Deutschland heute gut geht“.

Ziemiak gibt zu: „Wir machen nicht alles richtig. Du hast Kritikpunkte benannt, die berechtigt sind. Wir können beim Klimaschutz noch mehr tun, mit besseren Technologien und guten Ideen“. Allerdings sei bei der Suche nach Lösungen wichtig, „dass die Menschen in Deutschland unseren Weg akzeptieren und nicht aus Wut über Preise und Vorschriften zu ‚Gelbwesten‘ werden“. Weiter gesteht der CDU-Generalsekretär ein: „In der Diskussion um den Uploadfilter haben wir nicht den richtigen Ton angeschlagen, das können wir besser.“

Nach YouTube-Video von Rezo: Kramp-Karrenbauer kassiert Shitstorm nach Konter

Update vom 23. Mai, 12.29 Uhr: CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer kontert die zahlreichen Vorwürfe des YouTubers Rezo mit einem Verweis auf die Bibel: Sie fragt sich, warum die CDU nicht auch noch für die sieben Plagen verantwortlich gemacht wird. Das allerdings löst einen neuen Shitstorm aus - die Vorsitzende der C-Partei wisse ja nicht einmal, dass es zehn Plagen gewesen seien.

Die Kritiker sind an der Stelle hart in der Bewertung der Bibelkenntnisse Kramp-Karrenbauers. Geht es nach dem zweiten Buch Mose im Alten Testament, dem Exodus, haben sie Recht. In dieser Ursprungsstelle der biblischen Plagenerzählungen sind zehn Plagen aufgezählt, die über Ägypten kommen - von der Verwandlung der Gewässer in Blut über Heuschrecken bis zur Tötung der Erstgeborenen.

„AKK“ könnte sich aber auch auf die alttestamentarischen Psalmen bezogen haben. Dort werden die aus dem Buch Exodus überlieferten Plagen zusammengefasst und reduzieren sich so auf sieben.

Update vom 23. Mai, 10.41 Uhr: CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak räumt eine Schwäche seiner Partei beim Erreichen junger Menschen im Internet ein. "Wir müssen online präsenter sein. Wir müssen das Internet noch mehr nutzen, um komplexe Fragen verständlicher darzustellen", sagt Ziemiak den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Dieses Zitat ist eine Reaktion auf das CDU-kritische YouTube-Video von Influencer Rezo, das mittlerweile fast fünf Millionen Mal geklickt wurde. Doch erst einmal haben die Christdemokraten Ärger wegen „irrtümlich“ hochgeladener Videos der ARD und des ZDF auf YouTube.

Ziemiak beklagt mit Blick auf das Video ein Übermaß an Populismus, Beleidigungen und falschen Vereinfachungen in sozialen Medien. Der CDU-Generalsekretär räumt aber ein, auch bei der Vermittlung ihrer Position zur Reform des europäischen Leistungsschutzrechts zu wenig durchgedrungen zu sein.

"Die Debatte um die EU-Urheberrechtsreform hat gezeigt, wie schwer wir es oft haben, junge Menschen zu erreichen. Mich beschäftigt das sehr. Daraus müssen wir lernen", sagt Ziemiak.

YouTuber Rezo nimmt sich in Video CDU, SPD und AfD vor

Erstmeldung vom 22. Mai: YouTuber Rezo, Klarname Max, Markenzeichen: blaue Ponyfransen, Cäpi, Hoodie. Job: Informatiker, Musiker. Lieblingsbeschäftigung: Musik- und Comicvideos. Außer am Samstag, da hat er den großen Coup gelandet. Und zwar mit einem 55-Minuten-Video, das sich mit der „Zerstörung der CDU“ beschäftigt - womit er aber auch die CSU, SPD und - „natürlich“ - die AfD meint. Mittlerweile hat es 3,2 Millionen Aufrufe, Tendenz steigend. Denn auf Twitter ist eine Debatte unter dem Hashtag „FakeNews“ explodiert.

Dieser Hashtag sorgt für Häme. Gesetzt hat ihn nämlich CDU-Politiker Matthias Hauer, garniert mit einem gesalzenen Post, der für Entrüstungsstürme sorgt.

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Rezo: „Ein wirkliches Zerstörungsvideo“

Aber von Anfang an. Rezo verspricht „kein langweiliges Politikvideo, sondern wirklich ein Zerstörungsvideo“, in dem er allerdings niemanden aktiv zerstöre. „Die Fakten und Tatsachen sprechen einfach dafür, dass die CDU sich selbst, ihren Ruf und ihr Wahlergebnis damit selbst zerstört“, sagt er und holt noch einmal tief Luft. Dann startet der Höllenritt durch mehrere Kapitel: die soziale Schere und Chancenungleichheit in Deutschland, Klimapolitik, Krieg, Urheberrechtsdebatte.

Was erfahren wir im Video? Zum einen die „Enthüllung“: Die Klimakatastrophe ist echt. „Bis vor ein paar Wochen dachte ich, das ist vielleicht nicht optimal“, sagt Rezo. „Aber jetzt muss ich sagen: Das ist echt f*** heftig!“ Es geht um die Parteien, die den Reichen zuarbeiten, die Armen belasten, sich bestechen lassen, lügen, selbstgesteckte Klimaziele nicht einhalten, sich an Kriegen beteiligen, inkompetent sind und Unwahrheiten gegen die junge Generation einsetzen würden.

YouTuber Rezo: Twitter-Hashtag „FakeNews“ geht durch die Decke

Bedient hat sich Rezo zum Teil aus dem politischen Interview-Kanal „Jung & Naiv“ mit einer Art Best-of politischer Pleiten und Pannen. Geschaffen hat er aber insgesamt ein Mammut-Werk, in dem es Fußnoten, Belege und Quellen nur so hagelt, dass er selbst staunt. Lustig, dass ausgerechnet die Belege nun auf Twitter zum Streitthema werden.

Dort kritisiert Matthias Hauer, dass reißerisch präsentierte „Fake News“ heutzutage mehr Reichweite hätten, als sorgfältig recherchierter Qualitätsjournalismus.

Da trötet er bei den Fans von Rezos Video ins falsche Rohr. Wo gibt es denn zum Thema, „Zerstörung des Planeten“ mehrere legitime Einstellungen, fragt ein User:

Und ein weiterer stellt auf Twitter fest, dass „Fake News“ in diesem Fall nicht die richtige Reaktion sei:

Nach Rezo-Video: CDU-Politiker tritt mit FakeNews in den Fettnapf

Die Belege, die Hauer Stunden später nachschiebt, machen es auch nicht besser. Denn der Politiker steigt direkt in Rezos vorbereiteten Fettnapf.

Denn Rezo sagt am Ende seines Videos: „Dass ihr auf diese Proteste nicht mit inhaltlichen Argumenten, sondern mit Verschwörungstheorien und Unwahrheiten antwortet, sagt nämlich eine Menge über euch aus.“

Rezo-Video zur Europawahl: Video für CDU ein großes Problem

Die Reichweite des Videos ist für die Parteien, vor allem für die CDU so kurz vor der Europawahl besorgniserregend. Am Ende der Aufnahme sagt Rezo: „Ihr sagt doch immer, dass die jungen Leute mehr Politik machen sollen. Dann kommt doch damit klar, wenn die jungen Leute eure Politik scheiße finden.“ Und fordert seine Zuschauer auf, wählen zu gehen und die Eltern und Großeltern zu bitten, entsprechende Parteien NICHT zu wählen. 

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak betonte gegenüber der Welt, dass Rezo für das Video jede Menge Pseudo-Quellen verwendet habe und ruft die Jugendlichen dazu auf, sich genau mit den Quellen und Fakten auseinander zu setzen.

FAZ-Journalist Fridtjof Küchemann findet das Video zwar in manchen Punkten schmerzhaft verkürzt, verzerrt und polemisiert, ist aber der Meinung, dass „sich – zustimmend, ergänzend und im Widerspruch – einiges über demokratische Prozesse antworten ließe“. Immerhin stünden die Jugendzimmer nun für politischen Dialog offen.

Die, ja. Aber bisher hätten sich keine Politiker bei ihm gemeldet, sagt Rezo in einem Interview mit der dpa. Mehrere hundert Stunden hätten der Beitrag ihn und seine Mitarbeiter beschäftigt. „Ich hatte den Drang, mich in Themen rein zu arbeiten“, sagt er, „aufzuklären und einen Diskurs anzukurbeln.“ Der Informatiker mit Master-Abschluss bestätigt auch, dass er bereits Morddrohungen bekommen habe.

Angesichts der herben Verluste bei der Europawahl sucht die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer nach einfachen Antworten*: Sie unterstellt Youtubern Manipulation und kratzt damit am Grundgesetz. Der Kommentar der FR.

Bei der Europawahl 2019 müssen Union und SPD heftige Verluste einstecken. Manfred Weber (CSU) möchte nun EU-Kommissionschef werden, doch es gibt Gegenwind aus den anderen Fraktionen.

Sandra Maischberger spricht im ARD-Politik-Talk über die Zukunft von SPD und CDU. Nach der Europawahl stellt sich die Frage: Haben sie sich überlebt?

Die GroKo scheint die Deutschen nach wie vor nicht zu überzeugen: In einer neuen Umfrage liegen Union und SPD hinter den Grünen.

Horst Seehofer erklärte in einem Interview, dass er Gesetzte absichtlich kompliziert mache, damit sie bei Abstimmungen nicht auffallen. Für die Aussage erntete er reichlich Kritik.

Die Groko strauchelt. Journalist Steingart sorgt mit einer Aussage zu Neuwahlen bei Maischberger für Furore. Die brisante Info will er aus der CDU-Spitze haben.

Während die SPD mit einer verheerenden Wahlniederlage kämpft, wird in der Union Kritik an AKK laut. Darüber diskutiert Donnerstagabend Maybrit Illner in ihrer ZDF-Talkshow.

Auch viele einige Wochen nach der Veröffentlichung beschäftigt das Video die CDU. In einer Diskussionsrunde mit Schülern erklärte Seitenhieb auf AKK? Merkel sorgt mit Reaktion auf CDU-kritisches Video für Spekulationen

Die Premiere eines neuen Talkformats auf YouTube befasst sich ebenfalls mit Rezo. Zu Gast sind zwei Jungpolitiker. Rezo gerät selbst in einen Shitstorm.

sob

*fr.de, Merkur.de und msl24.de sind Teil der Ippen-Digitlal-Zentralredaktion.

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