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Rettungsdienst vielleicht künftig ohne Zivis

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Zivildienstleistende sollen künftig nur noch sechs statt neun Monate arbeiten. © dpa

Berlin - Bei einer Verkürzung des Zivildienstes könnte es passieren, dass Rettungsdienste künftig auf Zivis verzichten müssen. Für die komplexe Ausbildung bleibe zu wenig Zeit.

Rettungsdienste müssen künftig möglicherweise ohne Zivildienstleistende auskommen. Mehrere Wohlfahrtsverbände erwägen, in einigen Bereichen komplett auf die Zivis zu verzichten. Grund ist die geplante Verkürzung des Zivildienstes von neun auf sechs Monate. Der Paritätische Wohlfahrtsverband kritisierte, durch die Verkürzung bleibe beispielsweise im Rettungsdienst nicht mehr viel Zeit für die eigentliche Arbeit. Um in diesem Bereich Kriegsdienstverweigerer einzusetzen, müssten sie erst einmal drei Monate ausgebildet werden, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer, Werner Hesse, am Dienstag. Die Verbände dringen nun auf eine Stärkung freiwilliger Dienste.

Die neue Bundesregierung aus Union und FDP will die Wehrpflicht vom Jahr 2011 an von neun auf sechs Monate kürzen. Der Zivildienst würde damit ebenfalls auf ein halbes Jahr gekappt. Derzeit sind rund 76 000 Zivis im Einsatz.

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Kritisch wird die geplante Änderung auch von Vertretern der anderen Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege wie Caritas oder Rotes Kreuz gesehen. Bei verkürztem Dienst würden Hilfsbedürftige einem unzumutbar häufigen Wechsel der Bezugspersonen ausgesetzt. Bei einfacheren Tätigkeiten wie Fahrdiensten und “Essen auf Rädern“ könne man Zivis aber weiterhin brauchen.

 Hesse betonte, der Paritätische Wohlfahrtsverband werde sich nicht generell vom Zivildienst verabschieden. “Jede Einsatzstelle entscheidet das für sich.“ Unter dem Dach des Spitzenverbandes stehen mehr als 10 000 eigenständige Organisationen, darunter das Deutsche Jugendherbergswerk, die Volkssolidarität und die SOS-Kinderdörfer. Zusammen beschäftigen sie rund 15 000 Zivis.

Auch eine Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sagte: “Die einzelnen Rot-Kreuz-Verbände müssen sich überlegen, ob sich der Einsatz von Zivildienstleistenden nach einer Verkürzung für sie noch lohnt.“ Das DRK beschäftigt jährlich 8000 Kriegsdienstverweigerer, davon 2000 im Rettungsdienst.

 Beim Malteser Hilfsdienst und bei der Johanniter-Unfall-Hilfe sind Zivis im Rettungsdienst jetzt schon die Ausnahme. Diese Arbeit sei für Zivildienstleistende zu “komplex“. Die jungen Männer arbeiten dort vor allem in der Pflege und Betreuung alter und behinderter Menschen.

In diesen Bereichen sehen die Verbände auch weiterhin eine Zukunft für den Zivildienst. “Es macht aus unserer Sicht keinen Sinn, einen theatralischen Ausstieg zu planen“, sagte die Sprecherin der Arbeiterwohlfahrt (AWO), Karin Deckenbach. Die AWO drängt nun wie andere Verbände auf eine Stärkung freiwilliger Sozialdienste. Deckenbach forderte, junge Männer und Frauen, die ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) leisten, genauso zu bezahlen wie Zivis. Das Taschengeld im FSJ liege bei der AWO monatlich bei rund 180 Euro, Zivis bekommen den Angaben zufolge rund 550 Euro.

dpa

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