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Riester-Rente nicht zukunftsfähig – Ampel verschläft echte Reformen

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Von: Felix Busjaeger

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Riesterrente vor einer unsicheren Zukunft. Verbraucherschützer sehen Ampel in der Pflicht.
Riesterrente vor einer unsicheren Zukunft. Verbraucherschützer sehen Ampel in der Pflicht. © Alexander Heinl/dpa

Riester-Rente ein wichtiger Teil der Altersvorsorge: Verbraucherschützer halten das System nicht für zukunftsfähig – die Ampel setzt derweil auf Prüfungsverfahren.

Berlin – Wie geht es weiter mit der Rente 2022? Nachdem die neue Bundesregierung aus SPD, Grüne und FDP in ihrem Koalitionsvertrag zur Zukunft der gesetzlichen Rente* bekannt hat, sehen Experten einen besonderen Nachholbedarf bei der privaten Altersvorsorge. Verbraucherschützer hatten bemängelt, dass die Riester-Rente nicht zukunftsfähig sei und mit einem Bestandsschutz eine Neuregelung brauche. Der im Koalitionsvertrag festgehaltene Fünf-Punkte-Plan für die Rente 2022 der Ampel* dazu sei aber enttäuschend, sagte der Chef der Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller, der Deutschen Presse-Agentur. „An dieser Stelle hat die Koalition nicht das geliefert, was sie hätte liefern können“, kritisierte er.

Regelmäßiges Einkommen:Rente
Eintrittsalter in Deutschland:67. Lebensjahr
Durchschnittsrente Mann:Durchschnittsrente Mann:
Durchschnittsrente Frau:768 Euro

Rente 2022: Neuregelung der Riester-Rente – Deutsche Rentenversicherung ruft Ampel zur Klärung auf

Während die Verbraucherschützer auf eine Neuregelung der Riester-Rente pochten, hat die Deutsche Rentenversicherung die Ampel-Koalition von Bundeskanzler Olaf Scholz* (SPD) zur Klärung der privaten Altersvorsorge aufgerufen. „Es gibt Menschen, die sagen: Riester ist für mich eine gute Vorsorge“, erklärte die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, Gundula Roßbach, in Berlin. Für diese Menschen sei offen, wie es auch im Hinblick auf die Rente 2022 weitergehen würde – der Koalitionsvertrag liefere hierfür keine Erkenntnisse. Der Verbraucherzentrale Bundesverband hält die Riester-Rente nicht für zukunftsfähig. 

Anders als die Verbraucherschützer, die besonders Nachholbedarf bei der privaten Altersvorsorge sehen, spricht sich die CSU für die Stärkung der Jugend aus und fordert neben einer stärkeren Alleinerziehenden-Rente* auch einen Generationenfonds, in dem die Grundlage der Altersvorsorge angespart wird. Für mehr Chancengleichheit will die Ampel-Koalition auf eine Kindergrundsicherung* setzen, die für weniger Kinderarmut in Deutschland sorgen soll.

Riester-Rente erfreut sich großer Beliebtheit – mehr als 16,2 Millionen Verträge der privaten Rente

Die Riester-Rente hat in Deutschland eine lange Tradition und erfreut sich bundesweit großer Beliebtheit bei der privaten Rente. Wie das Arbeitsministerium für das dritte Quartal 2021 bekannt gab, gibt es derzeit mehr als 16,2 Millionen Riester-Verträge mit staatlicher Förderung in Deutschland. Dem gegenüber stehen 45,3 Millionen Erwerbstätige (Stand: November 2021). Während die Babyboomer-Generationen demnächst in Rente* gehen, erwarten Rentner künftig goldene Jahre bei der Rente*.

Die Riester-Rente wird vor allem von „wichtigen Zielgruppen“ wie Frauen mit Kindern und Personen mit geringem Verdienst genutzt, so Roßbach. Problematisch sieht sie die ungewisse Zukunft der privaten Altersvorsorge: Zwar sehe der Koalitionsvertrag einen Bestandschutz für alte Verträge vor, offen sei allerdings, wie es für neue Anträge aussehe.

Altersvorsorge und Rente 2022: Nachfrage nach Riester-Rente ist rückläufig

Etwa 20 Jahre nach ihrer Einführung scheint die Riester-Rente als Altersvorsorge ausgedient zu haben. Benannt nach dem früheren Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) sollte sie ursprünglich einen deutlich größeren Teil der Bevölkerung ansprechen. Doch seit spätestens 2015 hatte die Zahl der Verträge ihren Zenit erreicht. Seitdem geht es eher abwärts. Auch die Politik hatte dies im Vorfeld der Bundestagswahl 2021 erkannt und eine Stärkung der Altersvorsorge und der Rente 2022 während des Wahlkampfes zum festen Bestandteil ihrer ersten Legislatur-Periode ausgerufen. Derweil gelten für Minijobs ab 2022 neue Regelungen*. Für Verdi lauert darin eine Gefahr für die Rente*, die Altersvorsorge und den Ruhestand.

Nach Ansicht von Verbraucherschützer Klaus Müller seien auch den jetzigen Ampel-Parteien SPD, FDP und Grüne vor der Bundestagswahl bereits klar gewesen, dass das jetzige System der Riester-Rente viel zu sehr den Versicherern und viel zu wenig den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern nütze. Dennoch würden im Koalitionsvertrag nur Prüfaufträge und keine echten Reformen stehen. Das sei zu wenig. „Ich bin sicher, das geht bei der Ampel deutlich besser“, so Müller. Währenddessen müssen einige Rentner im Alter noch einen Nebenjob ausüben, um mit ihrer Rente 2022* über die Runden zu kommen.

Verbraucherzentrale Bundesverbands: einfaches, renditestarkes und kostenarmes Altersvorsorge-Produkt für Rente 2022 und darüber hinaus

Der Chef der Verbraucherzentrale Bundesverbands spricht sich daher für ein einfaches, renditestarkes und kostenarmes Altersvorsorge-Produkt für Arbeitnehmerbei der Rente 2022 und darüber hinaus aus. Beispiele, wie dies zu realisieren wäre, würden andere Länder liefern. So hätten diese in den vergangenen Jahren mit öffentlich organisierten Vorsorgefonds auf Aktienbasis wesentlich bessere Renditen erzielt.

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Müller hält deshalb ein öffentlich organisierten Fonds für das richtige Modell. „Es ist einfacher, es ist renditestärker, es ist kostenärmer.“ Es sei an Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD), der den Mindestlohn schnellstmöglich auf den Weg* bringen will, Finanzminister Christian Lindner* (FDP) und Wirtschaftsminister Robert Habeck* (Grüne), die Arbeitnehmer in den Mittelpunkt zu stellen und eine Lösung zu finden. Lindner hatte bereits angekündigt, dass künftig Beiträge zur Rentenversicherung voll von der Steuer* abgesetzt werden können.

Private Altersvorsorge: großer Handlungsbedarf bei Riester-Rente

Müllers Ansicht nach sei der Handlungsbedarf bei der privaten Altersvorsorge, wie Riester-Rente, deutlich größer als bei der betrieblichen Altersvorsorge oder der gesetzlichen Rente. Gundula Roßbach ist es wichtig, dass die Bedingungen für alle Beteiligten klar seien. „Wir merken in unserer Beratung, dass die Menschen viele Fragen zu ihrer Altersvorsorge haben“, so die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung.

Offen sei auch, welchen staatlichen Ersatz es künftig für Produkte geben werde, bei denen die eingezahlten Beiträge nicht zu 100 Prozent garantiert werden könnten. Für eine sichere Altersvorsorge spricht sich Markus Söder (CSU) hingegen für die Einführung einer Jugendrente* aus. (Mit Material der dpa) *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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