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NDR-Intendant erhält Brief von Mitarbeitenden: „Klima der Angst“

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Von: Moritz Serif

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NDR-Landesfunkhaus Schleswig-Holstein
Seit Tagen kommen immer mehr Vorwürfe gegen redaktionell Verantwortliche im Landesfunkhaus Schleswig-Holstein in Kiel ans Licht. © Axel Heimken/dpa

NDR-Beschäftigte haben einen Brief an den Intendanten Joachim Knuth geschrieben. Sie fordern eine neue Unternehmens- und Führungskultur.

Hamburg – Joachim Knuth, Intendant des NDR, hat einen Brief von Beschäftigten des NDR-Landesfunkhauses in Hamburg erhalten. In dem Schreiben fordern die Mitarbeitenden eine neue Unternehmens- und Führungskultur. In dem Brief widersprechen die Beschäftigten den Darstellungen von Funkhausdirektorin Sabine Rossbach, berichten von Einflussnahme auf Berichterstattung im Widerspruch zu redaktionellen Entscheidungen und einem „Klima der Angst“.

„Wir können uns eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Sabine Rossbach nicht mehr vorstellen“, heißt es in dem Brief, der nach Darstellung der NDR-Mitarbeitenden von zahlreichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an den Intendanten gerichtet ist.
Rossbach steht in der Kritik, weil sie ihr Amt als NDR-Funkhauschefin für Vetternwirtschaft ausgenutzt haben soll. Die Funkhausdirektorin habe Beiträge veröffentlicht, ohne dass die Redaktion diese für begründet hielt. Es habe keine Diskussion auf Augenhöhe gegeben.

NDR: Hat Funkhausdirektorin Vetternwirtschaft betrieben?

Laut Recherchen der Nachrichtenplattform Business Insider konnte ihre ältere Tochter Anna Hesse als Inhaberin einer PR-Agentur jahrelang ihre Kunden in NDR-Programmen platzieren. Die jüngere Tochter habe eine Festanstellung im Sender bekommen.
Rossbach hat die Vorwürfe in einer schriftlichen Stellungnahme zurückgewiesen. Der Brief widerspricht ihrer Darstellung ausdrücklich.

Laut der Reporterinnen und Reporter des NDR ist der Verdacht der Vetternwirtschaft der Geschäftsleitung des Senders offenbar seit mindestens fünf Jahren bekannt. Das hätten Recherchen einer unabhängigen NDR-Investigativeinheit ergeben. Demnach wendete sich die Hamburger Morgenpost im Juli 2017 mit einer entsprechenden Anfrage an die Pressestelle.

NDR wollte „nicht konkretisierte anonyme Vorwürfe“ nicht kommentieren

Der NDR habe damals geantwortet, „nicht konkretisierte anonyme Vorwürfe“ kommentiere er nicht. Anschließend habe der Sender und habe den Vorgang „offenbar auf sich beruhen“ lassen, berichten die Reporter weiter. Auf Nachfrage habe der NDR ihnen jetzt mitgeteilt, die persönliche Verbindung zwischen Rossbach und der PR-Agentur ihrer Tochter sei 2017 Inhalt von Gesprächen Rossbachs mit der damaligen Redaktionsleitung des Hamburg Journals gewesen. Entsprechende Vorgänge würden nun geklärt.

Zuvor waren Politikchefin Julia Stein und Chefredakteur Norbert Lorentzen von ihren Aufgaben entbunden worden. Beide hatten Stein und Lorentzen den Sender darum gebeten, bis zur Klärung der Vorwürfe freigestellt zu sein, berichtet Übermedien. Weiterhin gibt es dahingehend Vorwürfe, dass beim NDR „politische Filter“ vorherrschten. (mse/epd)

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