Nach #wirsindmehr

Gegen Gewalt und Hetze: Nächstes Konzert in Chemnitz - mit diesen Bands

Chemnitz - Konzert.

Das Konzert „Wir sind mehr“ in Chemnitz setzte ein Zeichen gegen rechte Gewalt. Doch der Auftritt einer Band hallt nach - und ein Experte kritisiert. Nun soll ein weiteres Konzert folgen.

Update 8.9.2018, 16.26 Uhr: 

Eine Woche nach dem großen „#wirsindmehr“-Konzert in Chemnitz wollen an diesem Montag erneut Musiker bei einem Open Air gegen Gewalt und Hetze in der sächsischen Stadt eintreten. Am Karl-Marx-Monument in Chemnitz sollen unter anderem die Bands Die Zöllner und Apfeltraum auftreten, wie die Chemnitzer Wirtschaftsförderung als Veranstalter mitteilte. Erwartet würden rund 2000 Besucher, der Eintritt sei frei.

Das „#wirsindmehr“-Konzert gegen rechte Gewalt und Rassismus unter anderem mit Kraftklub und den Toten Hosen hatte am vergangenen Montag nach Angaben der Stadt rund 65 000 Besucher angezogen.

Experte findet Chemnitz-Konzert „den falschen Weg“

Update 5.9.2018, 18.40 Uhr: Der Konfliktforscher Anatol Itten beschäftigt sich seit Jahren mit den Spaltungen in Gesellschaften. Nach dem #wirsindmehr-Konzert in Chemnitz kommt der Wissenschaftler zu dem Schluss, dass das Konzert sogar kontraproduktiv und die Polarisierung und die Abgrenzung weiter stärken könne. 

Das #wirsindmehr“-Konzert könne die Spaltung zwischen Links und Rechts weiter aufheizen. In einem Interview mit der Welt sagt er: „Die Besucher wollen ja, dass wir in einer toleranten Gesellschaft leben, in der Minderheiten akzeptiert werden. Eigentlich ein nobles Ziel und soweit in Ordnung, weil die Menschen das Bedürfnis haben, ihre Position zu zeigen. Aber wenn es uns darum geht, einen Konflikt zu schlichten und Rechtsradikalismus keinen Nährboden zu geben – dann ist es aus meiner Sicht der falsche Weg. Besser wäre ein Konzert mit progressiven und konservativen Bands gewesen. Und jemand mit Staatsverantwortung wie ein Ministerpräsident sollte sich nicht auf eine Seite stellen, auch wenn er Gesetzesbrüche natürlich verurteilen muss.“  

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Chemnitz-Konzert: Debatte um Textzeilen von K.I.Z.

Update 5.9.2018, 9.55 Uhr: 65.000 Zuschauer kamen in Chemnitz zum Konzert „Wir sind mehr“, um sich gegen rechts zu erheben, gegen Gewalt und Hetze. Doch die Bild-Zeitung facht nun einen Wirbel um 27 Minuten des Konzerts an.

Es geht um den Auftritt der Berliner Hip-Hopper K.I.Z am Montagabend. Nach einer Woche geprägt von Ausschreitungen und Protesten, Jagd auf Politiker und Gewalt gegen Journalisten, weil ein 35-jähriger Chemnitzer mutmaßlich von Flüchtlingen umgebracht wurde, singt K.I.Z. - neben anderen Bands wie den sehr linksgerichteten Feine Sahne Fischfilet.

Im Song „Ein Affe und ein Pferd“ von K.I.Z. heißt es: „Ich ramm die Messerklinge in die Journalisten-Fresse“. Dann diese Hass-Zeilen über die umstrittene Ex-„Tagesschau“-Sprecherin Eva Herman: „Eva Herman sieht mich, denkt sich: ‚Was‘n Deutscher!‘/Und ich gebe ihr von hinten wie ein Staffelläufer/Ich fick sie grün und blau, wie mein kunterbuntes Haus/Nich alles was man oben reinsteckt, kommt unten wieder raus.“

Sänger Maxim der Hip-Hop-Formation K.I.Z. steht bei einem Konzert unter dem Motto "#wirsindmehr" auf dem Parkplatz vor der Johanniskirche auf der Bühne.

Auch Thilo Sarrazin und Außenminister Heiko Maas mussten laut Bild Spott ertragen. Letzterer, weil er Neonazis nur doof findet und nicht K.o. haut. Kritiker des Konzerts könnten sich bestätigt fühlen. 

Allerdings: K.I.Z. arbeiten bereits seit ihrer Gründung vor bald 20 Jahren viel mit dem Stilmittel der Satire. Und geben bei besagtem „Ein Affe und ein Pferd“, das vor krassen Textzeilen strotzt, womöglich nicht ihre eigene Meinung wieder. Bei vielen kommen dennoch besagte Einzelzeilen an. Ob die bei diesem Anlass angemessen sind und von jedem verstanden werden, ist allerdings fraglich.

Die Spaltung, die sich nun auch auf diesem Konzert auftat, rührte laut Bild die SPD-Geschäftsführerin für Südwest-Sachsen, Sabine Siebl, zu Tränen. Das gab sie demnach offen im Partei-Blatt „vorwärts“ zu. „Ich habe in dem Moment geweint, als mir bewusst wurde, dass Chemnitz zu einem bloßen Austragungsort im Kampf um die Deutungshoheit eines tragischen Ereignisses wurde.“

Video: Highlights - „Wir sind mehr“-Konzert in Chemnitz

Chemnitz-Konzert: Youtube-Aufrufe gingen durch die Decke - Verwirrung um Merkels Vertraute

Update 4.9.2018, 16.49 Uhr: Den Livestream des „#wirsindmehr“-Konzerts in Chemnitz haben inzwischen fast eine Million Menschen angeklickt. Wie eine Sprecherin von YouTube Deutschland auf Anfrage mitteilte, hatte der Konzertmitschnitt bis zum Dienstagnachmittag rund 947 000 Aufrufe erzielt.

Das Chemnitz-Konzert „Wir sind mehr“ mit den Toten Hosen: Youtube-Aufrufe gingen durch die Decke

Update 4.9.2018, 10.13 Uhr: In Reimform kontert Bundeswirtschaftminister Peter Altmaier (CDU) einen umstrittenen Tweet der stellvertretenden AfD-Fraktionschefin Beatrix von Storch. Sie hatte über das Protestkonzert gegen Rechts am Montagabend in Chemnitz geschrieben: „Ihr seid nicht mehr. Ihr seid Merkels Untertanen, ihr seid abscheulich - und ihr tanzt auf Gräbern.“ Dazu schrieb der Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ebenfalls auf Twitter: „Die Mehrheit sind nicht die, die schreien. Ihr spaltet und zerstöret immerfort. Humanität ist stärker als Euer garstig Wort.“

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Update 4.9.2018, 9.13 Uhr: „Sehr kritisch“ fand es CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer am Montag, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf Facebook das Protestfestival in Chemnitz mit der linken Punkband Feine Sahne Fischfilet unterstützt hat. Das Argument der Vertrauten von Kanzlerin Angela Merkel: Die Rostocker Musiker riefen in einigen Songs zu Gewalt gegen Polizisten auf. Nun hält ihr die SPD den Spiegel vor: Generalsekretär Lars Klingbeil verwies via Twitter in der Nacht zum Dienstag auf einen Facebook-Eintrag der CDU-Spitzenfrau von Mitte August 2016, in dem sich „AKK“ begeistert über das Festival Rocko del Schlacko äußert, kombiniert mit einem Video-Schnipsel. „Einfach nur wow!“, schrieb sie damals enthusiastisch. Problem: Auf dem Festival haben auch Feine Sahne Fischfilet gespielt.

Nach dem Konzert gegen Rassismus in Chemnitz ist die Abreise der rund 65 000 Zuschauer nach Polizeiangaben im Übrigen friedlich und störungsfrei verlaufen. In der Nacht zu Dienstag sei es ruhig geblieben - es sei zu keinen Straftaten im Zusammenhang mit dem Konzert gekommen, teilte ein Sprecher der Polizei am frühen Morgen mit.

„Einige Personen verhalten sich nicht friedlich“ - wieder Ärger am Gedenkort?

Update, 3.9. 2018, 22.20 Uhr: Das Konzert ist beendet. Unterdessen gibt es offenbar noch einmal Ärger am Gedenkort für den getöteten Daniel H.. Die Polizei Sachsen teilte um kurz vor 22 Uhr mit, dort verhielten sich „einige Personen nicht friedlich“. Man habe weitere Einsatzkräfte zum Ort des Geschehens geschickt.

Die Polizei vermeldete ansonsten während des Konzerts aber keine größeren Vorkommnisse. Im Anschluss an die Veranstaltung verließen die Besucher zügig das Gelände.

„Wir sind mehr“: Stadt Chemnitz korrigiert Zuschauerzahl nochmal nach oben

Update, 3.9.2018, 21.50 Uhr: Und noch einmal steigen die Schätzungen zur Zahl der Besucher beim „Wir sind mehr“-Konzert gegen Rassismus und Gewalt: Die Stadt Chemnitz spricht nun auf ihrem offiziellen Twitter-Account von 65.000 Zuschauern.

65.000 Menschen kamen: Das Konzert „Wir sind mehr“ am Montag in Chemnitz.

Chemnitz: Punk-Stars treffen sich auf der „Wir sind mehr“-Bühne

Update, 3.9.2018, 21.00 Uhr: Auf der Bühne des „Wir sind mehr“-Konzerts trifft sich unterdessen höchste deutsche Punk-und Rock-Prominenz: Tote-Hosen-Sänger Campino wird von den Kollegen Rodrigo Gonzalez (Die Ärzte) und Arnim von Teutoburg (Beatsteaks) unterstützt. Gemeinsam bringen die Stars den Song „Schrei nach Liebe“ der Ärzte auf die Bühne - „Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe / Deine Springerstiefel sehnen sich nach Zärtlichkeit“, heißt es im Text des Songs.

Am Mahnmal in der Chemnitzer Innenstadt: Polizei trennt Rechte und Linke

Update, 3.9.2018, 20.35 Uhr: Nun gibt es neue Informationen zu den „Störungen“ am Gedenkort für den getöteten 35-Jährigen. Wie taz-Journalistin Malene Gürgen twittert, hat die Polizei dort linke und rechte Gruppen getrennt. Zuvor hätten sich Linke und Rechte Rededuelle geliefert, heißt es in einem weiteren Tweet Gürgens von 18.30 Uhr.

Lage rund um „Wir sind mehr“ in Chemnitz bleibt ruhig

Update, 3.9.2018, 20.13 Uhr: Rund um das Konzert in Chemnitz selbst verläuft der Abend störungsfrei, wie eine Polizeisprecherin sagte. Die Polizei in Chemnitz wurde nach den Angaben aus sechs Bundesländern und der Bundespolizei unterstützt. Eine genaue Anzahl der eingesetzten Beamten nannte sie nicht.

Konzert in Chemnitz - Polizei berichtet von „Störungen“ in der Innenstadt

Update, 3.9.2018, 19.53 Uhr: Die Polizei Sachsen berichtet aktuell von „Störungen“ am Gedenkort Brückenstraße in Chemnitz - dort sind Kerzen und Bilder für den getöteten Daniel H. aufgestellt. In einem Tweet fordern die Einsatzkräfte „Störer“ auf, den Weisungen Folge zu leisten. Welcher Art die „Störungen“ sind und von wem sie ausgehen ist derzeit noch nicht bekannt. 

Riesenandrang bei „Wir sind mehr“ in Chemnitz: Handynetz macht schlapp

Update, 3.9.2018, 19.38 Uhr: Die Infrastruktur von Chemnitz hat angesichts des Ansturms von rund 50.000 Konzertbesuchern streckenweise schlapp gemacht. Nach Polizeiangaben war das Mobilfunknetz im Bereich der Veranstaltung „#wirsindmehr“ zum Teil überlastet. „Bitte stellen Sie sich auf die Situation ein“, forderte die Polizei via Twitter auf.

Auch der öffentliche Nahverkehr sei im Stadtzentrum eingestellt. Zudem warnte die Polizei vor überlasteten Zügen. Allein aus Leipzig seien etwa 5000 Menschen per Bahn nach Chemnitz angereist. Für die Rückreise stünden am Abend aber nur drei Züge für jeweils maximal 800 bis 1000 Fahrgäste zur Verfügung.

50.000 statt 20.000: Stadt Chemnitz korrigiert Zuschauerzahl bei „Wir sind mehr“ stark nach oben

Update, 3.9.2018, 19.15 Uhr: Das Konzert gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit in Chemnitz hat am Montag rund 50.000 Menschen in die sächsische Stadt gelockt. Diese Zahl gab die Stadt am Montag als eine erste Schätzung bekannt. Auch die Veranstalter hatten zuvor von 50.000 Teilnehmern gesprochen und anhaltenden Zulauf erwähnt. Die Polizei hatte eine frühere Schätzung von 30.000 Menschen bestätigt und danach keine Zahlen mehr genannt.

Blick über den Veranstaltungsort in Chemnitz.

20.000 bei Chemnitz-Konzert „Wir sind mehr“ erwartet

Update 3.9.2018, 17.48 Uhr: Mit einer Schweigeminute zu Ehren des bei einer Messerattacke in Chemnitz getöteten 35-Jährigen hat in der sächsischen Stadt am Montagabend ein Konzert gegen Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Gewalt begonnen. Bands wie die Toten Hosen, Kraftklub oder Feine Sahne Fischfilet waren dafür unter dem Motto „#wirsindmehr“ angereist. Erwartet wurden mehr als 30.000 Zuschauer.

„Wir sind nicht naiv. Wir geben uns nicht der Illusion hin, dass man ein Konzert macht und dann ist die Welt gerettet“, sagte Kraftklub-Sänger Felix Brummer vor Beginn des Open Airs. „Aber manchmal ist es wichtig, zu zeigen, dass man nicht allein ist.“

Update 3.9.2018, 17.25 Uhr: Das Konzert läuft. Sie können es bei uns im Livestream sehen (siehe unten). Schon vor dem „#wirsindmehr“-Konzert in Chemnitz sprach Tote-Hosen-Sänger Campino von heftigen Anfeindungen gegen die Bands im Internet. Auf den Facebook-Seiten gebe es „immense Shitstorms“ gegen die Musiker, sagte er am Montag in Chemnitz. „Man muss schon ein dickes Fell haben, um zu sagen: Ich gehe trotzdem nach vorne“, betonte Campino. Er freue sich, dass seine Band „kurz vor der Rente“ für das Open-Air-Konzert gegen Rassismus und rechte Hetze angefragt worden sei.

Update 3.9.2018, 16.05 Uhr: Da kommt Arbeit auf die Sicherheitskräfte zu. Beim für den Abend geplanten Konzert gegen Rechts in Chemnitz rechnen die Organisatoren nach eigenen Angaben mit mehr als 20 000 Besuchern. Das sagte Sören Uhle, Geschäftsführer der Chemnitzer Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Zur Absicherung des Konzerts sei ausreichend Security im Einsatz, sagte Uhle. „Wir gehen von einem friedlichen Verlauf des Konzerts aus.“

Zwei Gegenveranstaltungen, die am Montag stattfinden sollten, wurden nicht genehmigt. Die rechten Bündnisse Thügida und Pro Chemnitz wollten Kundgebungen abhalten, die nun nicht stattfinden können. Zur Begründung sagte die Stadtverwaltung, die Veranstaltungsflächen seien bereits belegt gewesen. 

Livestream zum Konzert „Wir sind mehr“ in Chemnitz

Vorbericht: „Wir sind Mehr“ in Chemnitz - Probleme wegen einer Band?

Am Montag gibt es in Chemnitz ein Konzert unter dem Motto „#wirsindmehr“. Mit dabei ist auch die Punkrock-Band „Feine Sahne Fischfilet“. Rund 140.000 Menschen haben über Facebook schon auf die Veranstaltung reagiert und die Einladung geteilt. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier teilte die Veranstaltung über seine Facebook-Seite und machte somit Werbung dafür, zu dem Konzertabend mit sieben Bands hinzugehen - darunter auch die umstrittene Band „Feine Sahne Fischfilet“.

Rechtskonservative Portale wie Tichys Einblick oder die Junge Freiheit kritisieren diese Werbung, aber auch das konservative Portal der Zeitung Die  Welt zeigt sich irritiert, weil der Band Linksextremismus vorgeworfen wird.

Bundespräsident Steinmeier wirbt dafür, am Montag zum #wirsindmehr-Konzert nach Chemnitz zu kommen. 

Treten „Polizeihasser“ beim Konzert in Chemnitz auf?

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph de Vries gibt gegenüber der Welt am Sonntag zu bedenken: „Der Bundespräsident ist unverdächtig, sich mit Linksextremen gemeinzumachen. Aber wer glaubhaft gegen rechts und für Demokratie und Rechtsstaat eintreten will, darf dies nicht an der Seite von linksextremen Polizeihassern und Staatsfeinden machen.“

Krasser ist noch die Kritik in den Sozialen Netzwerken. Auf der Facebook-Seite des Bundespräsidenten finden sich zahlreiche Kommentare, wie dieser von Julian Theodor I.: „Ein Bundespräsident, der eine linksextremistische Band bewirbt, die in ihren Liedern Gewalt gegen Polizisten glorifiziert (...) hat kein Jota an Loyalität von mir als Staatsbürger mehr zu erwarten. Von der moralischen Integrität ganz zu schweigen, sich je wieder über die Verfassungstreue anderer wertend zu äußern.“ 

Andere werfen Steinmeier eine „Entgleisung“ vor, die mit der Würde seines hohen Amtes nicht zu vertreten sei. 

Was ist dran an dem Vorwurf gegen Band bei „Wir sind mehr“?

Tatsächlich wurde „Feine Sahne Fischfilet“ übere mehrere Jahre in den Verfassungsschutzberichten des Landes Mecklenburg-Vorpommern erwähnt. 

Der Band wurden „linksextremistische Bestrebungen“ vorgeworfen und dass sie das staatliche Gewaltmonopol ablehne. Gewalt als Mittel zur Bekämpfung von Rechtsextremismus werde als legitimes Mittel verstanden, lautete der Verdacht gegen die Band. 

Im Song „Wut“ aus dem Jahr 2015 heißt es: „Die nächste Bullenwache ist nur ein Steinwurf entfernt“. Im Refrain geht es weiter: „Und der Hass - der steigt. Und unsere Wut - sie treibt.“ 

Im Lied „Staatsgewalt“ von 2011 geht es auch um Gewalt gegen Polizisten: „Wir stellen unseren eigenen Trupp zusammen und schicken den Mob dann auf euch rauf. Die Bullenhelme - sie sollen fliegen. Eure Knüppel kriegt ihr in die Fresse rein und danach schicken wir euch nach Bayern, denn die Ostsee soll frei von Bullen sein.“

Werden beim Chemnitz-Konzert umstrittene Songs gespielt?

Zur Wahrheit gehört aber auch: Die Band hat sich mittlerweile öffentlich von solchen gewaltverherrlichenden Texten distanziert. Gegenüber dem Spiegel erklärte Sänger Jan Gorkow, dass man den Song „Staatsgewalt“ nicht mehr spiele. „Er ist uns schlicht zu platt.“ 

Seit 2016 wird die Band auch nicht mehr in den Verfassungsschutzberichten des Landes erwähnt. 

Das sagt „Feine Sahne Fischfilet“ zum Konzert in Chemnitz

Auf ihrer Facebook-Seite erklärt „Feine Sahne Fischfilet“, wieso sie in Chemnitz auftreten. Sie begründen es mit ihren eigenen Erfahrungen in ihrem norddeutschen Heimatbundesland: „#wirsindmehr ist in Sachsen selbstverständlich kein Fakt. Aber wo ist es das auch? Bei uns in Mecklenburg-Vorpommern jedenfalls auch nicht in jedem Ort. Wir kennen das Gefühl, punktuell mal allein zu sein, sich zu denken ‚Alter, hier geht gar nix mehr‘. Und dann stehst du in Ueckermünde mit 20 Leuten einem Naziaufmarsch gegenüber.“ 

Es gehe nun darum, dass sich die Mehrheit aus der „Schockstarre“ befreie und sich auch außerhalb der „hippen Großstädte“ gegen Rassismus engagiere. 

Kritik an Steinmeier wegen „Wir sind mehr“: Berechtigt oder nicht? 

Unstreitig ist, dass „Feine Sahne Fischfilet“ eine antifaschistische und linke Band ist. Sie engagiert sich gegen Rassismus und Rechtsextremismus - das ist selbstverständlich zu begrüßen. 

Die Erwähnungen in den Verfassungsschutzberichten haben der Popularität der Band nicht geschadet - im Gegenteil. Mittlerweile tritt sie auf den großen Festivals auf, wie „Rock am Ring“ oder „Hurricane“. Das neueste Album „Sturm&Dreck“, das im Januar 2018 erschien, erreichte Platz 3 der deutschen Albumcharts. Es handelt sich also nicht um eine Band aus der linksradikalen Randszene, sondern um eine der populärsten Rockbands dieses Landes.

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Wer kommt zum Konzert in Chemnitz?

Es ist davon auszugehen, dass sich zur Veranstaltung am Montag in Chemnitz mehrheitlich nicht Linksradikale einfinden werden, sondern Menschen, die sich als Mitte der Gesellschaft begreifen. Steinmeier wirbt zudem nicht allein für die Band „Feine Sahne Fischfilet“, sondern für die Veranstaltung insgesamt. Dort spielen unter anderem auch „Die Toten Hosen“. 

Dennoch erscheint es angebracht, die Texte von „Feine Sahne Fischfilet“ weiterhin hinsichtlich der Gewaltfrage kritisch zu betrachten - auch um glaubwürdig zu bleiben. 

Mehr zu den aktuellen Entwicklungen in Chemnitz und den Demonstrationen am Samstag finden Sie in unseren News-Ticker. 

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Wie reagiert die Politik?

Die CDU-Spitze rügt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wegen dessen Unterstützung auf Facebook für ein Konzert gegen Rechts in Chemnitz. Dabei tritt an diesem Montagabend auch die linksgerichtete Punkband Feine Sahne Fischfilet auf. Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte der „Welt“ dazu am Montag: „Ich halte das für sehr kritisch. Denn das, was wir wollen, ist, unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat gegen Rechts zu schützen. Und wenn man das dann mit denen von Links tut, die genau in der gleichen Art und Weise auf Polizeibeamte verbal einprügeln (...), dann halte ich das für mehr als kritisch.“ Sie ergänzte, sie kenne Amtsvorgänger Steinmeiers, „bei denen ich sicher bin, dass sie das so unkritisch nicht unterstützt hätten“.

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