ZDF-Talk

Illner zu Österreich: Gauland wittert Verschwörung - und erlebt schwere Momente mit Zuschauern

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Maybrit Illner diskutierte am Donnerstag unter anderem die Ibiza-Affäre.

In Maybrit Illners Talkshow am Donnerstagabend diskutieren die Gäste wieder über ein aktuelles Thema. Diesmal geht es um die Strache-Affäre in Österreich.

Update vom 24. Mai, 12.31 Uhr: Das Hauptthema der Talkrunde „Maybrit Illner“ war natürlich die Ibiza-Affäre, die die österreichische und europäische Politik in Aufruhr versetzt hat. Einer der Gäste war der AfD-Parteivorsitzende Alexander Gauland, der eine klare Meinung äußerte.

Es gehe nicht, „dass jemand in trunkenem Zustand Meinungen äußert, die ich für unentschuldbar halte", sagte Gauland, der zudem meint, dass „das Video eine kriminelle Machenschaft ist“. Allerdings schränkte der AfD-Mann auch ein, dass das „nicht das Fehlverhalten der Partei" sei. Darin widersprechen ihm die anderen Talkgäste - vor allem, als er einen Vergleich zieht.

Österreich-Affäre: Alexander Gauland (AfD) zieht bei Illner Möllemann-Vergleich

„Als wir die Möllemann-Affäre hatten, haben wir auch nicht die ganze FDP verdammt“, tönt Gauland, wird aber sofort von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, selbst FDP, eingefangen. „Da kann ich mich aber anders erinnern“, murmelt die Ex-Bundesjustizministerin und sorgt für großes Gelächter im Publikum. „Die Parteien hatte doch Riesenprobleme.“

Gauland führt allerdings noch andere Argumente an, mit denen er die FPÖ, die österreichische Schwesternpartei der AfD, sowie die beiden Protagonisten Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus verteidigt. „Die Art, in die Privatsphäre einzudringen, ist kriminell“, meint der AfD-Vorsitzende und vermutet, dass „gegen einen Rechtspopulisten offensichtlich mehr erlaubt ist, als wenn es gegen einen anderen geht.“

Illner (ZDF): Journalistin attackiert AfD wegen Dreisprung-Argumentation in Österreich-Affäre

An diesem Punkt analysiert Nadine Lindner, Korrespondentin vom Deutschlandradio, die Argumentationskette der Alternative für Deutschland und nennt das „den Dreisprung der AfD“. Zuerst stelle sie das Verhalten Heinz-Christian Straches und seines Parteifreunds Johann Gudenus als Einzelfälle dar. Anschließend relativiere sie es durch den Verweis auf das Fehlverhalten anderer Politiker. Als Drittes und Letztes lenke die Partei die Aufmerksamkeit weg vom Inhalt auf die Entstehung des Videos.

Gauland selbst scheint das aber nicht zu stören. Er vertritt als ehemaliger Publizist die Meinung, dass man „das Video nicht zeigen muss.“ Die Verschriftlichung der wichtigsten Aussagen mit dem Video als Beweis in der Hinterhand hätte ausgereicht. Außerdem solle „man nicht auf Liegende treten.“

Österreich-Affäre: Barbara Tóth schimpft bei Maybrit Illner über „Ablenkungsstrategie“

Barbara Tóth schimpft über Johann Gudenus‘ „Ablenkungsstrategie“.

Als Moderatorin Illner fragte, warum das Video nicht 2017, als es wohl entstanden ist, veröffentlicht wurde, fuhr Gauland der Journalistin Barbara Tóth, die sagte, dass man das nicht wisse, dazwischen. „Weil wir jetzt Europawahlen haben.“ Tóth hielt dagegen, dass damals Nationalratswahlen in Österreich gewesen wären und eine frühere Veröffentlichung im Jahr 2017 die mittlerweile gescheiterte Koalition aus ÖVP und FPÖ wohl verhindert hätte.

Sebastian Kurz, aktueller österreichischer Kanzler, „hätte es besser wissen können.“ Tóth sagt auch, dass „das Video zeigt, wie Rechtspopulisten ticken.“ Die Informationen, die unter anderem Johann Gudenus nun streue, zum Beispiel was den Urheber des Videos betrifft, seien lediglich eine „Ablenkungsstrategie vom Inhalt des Videos.“ Allerdings bekommt Gauland an dieser Stelle Unterstützung vom Landeshauptmann Salzburgs, Wilfried Haslauer von der ÖVP.

Das Video sei eine „schmutzige Methode; auch wenn etwas herausgekommen ist.“ In hunderten Fällen würde bei solchen Aufnahmen nichts herauskommen, sodass diese nicht gerechtfertigt werden könnten. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger äußert sich hingegen nicht zur Entstehung, sondern zum Inhalt. Das Material zeige „Verhalten, das abstoßend ist“ und die „Politikverdrossenheit steigern“ würde.

Gauland antwortet auf Frage zu AfD und wird ausgelacht

Alexander Gauland war zu Gast bei Maybrit Ilner.

Interessant wird es auch bei einem anderen Thema. Als Maybrit Illner den ehemaligen Hamburger AfD-Vorsitzenden Jörn Kruse - im Publikum sitzend - interviewt, berichtet dieser von einem Rechtsruck der Partei, den er irgendwann nicht mehr mittragen wollte. Aus diesem Grund sei er aus der AfD ausgetreten.

„Warum distanzieren sie sich nicht mehr von den rechtsextremen Tendenzen in ihrer Partei?“ fragte Maybrit Illner im Nachgang Gauland, der sofort antwortete. „Ich weiß gar nicht, wovon ich mich da distanzieren soll.“ Daraufhin konnte man einige Lacher im Publikum hören. Doch das sollte noch nicht der größte Lacher des Abends gewesen sein.

Höcke-Ausschluss? Gauland bei Maybritt Illner im ZDF-Talk: „Er ist kein Rechtsextremer“

Gauland spricht weiter zum Thema rechtsextreme Tendenzen in seiner Partei. „Es gibt sie in einigen Personen, das bestreite ich gar nicht“, berichtet er. Allerdings würden diese allesamt mit Parteiausschussverfahren überzogen. „Warum nicht Björn Höcke?“ fragt daraufhin Moderatorin Illner. „Weil er kein Rechtsextremer ist“, antwortet der Parteivorsitzende der AfD und löst damit schallendes Gelächter im Publikum aus. Gauland legt aber sogar noch nach und bezeichnet Höcke als „Nationalromantiker“. „Herr Höcke gehört zur Partei und es gibt gar keinen Grund ihn auszuschließen.“

Außerdem sei es gar nicht so einfach „in einer Demokratie Menschen auszuschließen“, was man am Beispiel Thilo Sarrazin sehe, der aktuell sein drittes Ausschlussverfahren aus der SPD erleben würde. „Den bekommen die auch nicht so einfach los“, meint Gauland.

Brisante Runde bei Maybrit Illner - schadet die Österreich-Affäre den Populisten?

Vorbericht: Berlin - In der Talkshow „Maybrit Illner“ am Donnerstagabend diskutieren die Gäste wieder über ein aktuelles Thema. Diesmal geht es um die Ibiza-Affäre in Österreich. Konkreter um die Frage: „Skandal in Österreich – schadet das den Populisten?“ Das ZDF fasst das brisante Thema so zusammen: „Es geht um rechte Saubermänner, die kein Problem mit schmutzigen Geschäften haben, solange diese nicht öffentlich werden. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache musste als Vizekanzler zurücktreten, in Österreich zerfällt die Regierung.“ 

Die entscheidenden Fragen der Sendung sollen sein: Was bedeutet der Skandal für die FPÖ und ihre Schwesterparteien? Zum Beispiel für die AfD in Deutschland? Schadet der Skandal den Populisten in Europa so kurz vor der Wahl?

Maybrit Illner (ZDF): Diese Gäste wurden zur „Skandal in Österreich“-Talkrunde eingeladen:

  • Barbara Tóth, Österreichische Journalistin, u.a. Wochenzeitung „Falter“
  • Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), ehemalige Justizministerin 
  • Alexander Gauland (AfD), Partei- und Fraktionsvorsitzender 
  • Nadine Lindner, deutsche Journalistin, Deutschlandradio 
  • Jörn Kruse (parteilos), ehemaliger Vorsitzender der Hamburger AfD-Fraktion

Während die SPD mit einer verheerenden Wahlniederlage kämpft, wird in der Union Kritik an AKK laut. Darüber diskutiert Donnerstagabend Maybrit Illner in ihrer ZDF-Talkshow.

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