Nach Nazi-Parolen und Massenschlägerei vor Eisdiele

Wiesloch: Polizei-Mitarbeiter wegen Verdachts der Volksverhetzung freigestellt 

In Wiesloch wird eine Kundgebung unter dem Hashtag #wirsindmehr stattfinden.

Nach der Massenschlägerei mit ausländerfeindlichen Parolen in Wiesloch stellte sich nun heraus, dass ein Verwaltungsangestellter der Polizei bei dem Angriff beteiligt war.

News vom 18. September 2018

Update 17.43 Uhr:

Nach einem Angriff auf vorwiegend türkische Gäste eines Eiscafés im baden-württembergischen Wiesloch wird gegen sechs Männer ermittelt. Unter ihnen ist nach Angaben des Innenministeriums auch ein Polizei-Mitarbeiter. Der 30-Jährige wurde freigestellt und von allen Aufgaben entbunden. Sollten sich die Anschuldigungen erhärten, müsse er mit der Entlassung aus seinem Angestelltenverhältnis rechnen, erklärte das Innenministerium.

Die sechs Männer im Alter zwischen 23 und 36 Jahren sollen am Samstagabend bei einem Junggesellenabschied fremdenfeindliche Parolen skandiert und politisch motivierte Schmähgesänge von sich gegeben haben. Danach sollen sie die vor einem Eiscafé sitzenden Familien unter anderem mit Stühlen angegriffen haben. Fünf Menschen wurden leicht bis mittelschwer verletzt.

Den Verdächtigen wird Landfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung, das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Volksverhetzung vorgeworfen, wie die Mannheimer Polizei und Staatsanwaltschaft Heidelberg am Dienstag mitteilten.

Mehrere Funkstreifen hatten die zum Teil stark alkoholisierten Männer in der Nähe des Tatorts vorläufig festgenommen. Gegen zwei mutmaßliche Rädelsführer im Alter von 23 und 36 Jahren ergingen Haftbefehle, die jedoch gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt wurden.

Erstmeldung

Wiesloch - Nach einer Massenschlägerei vor einer Eisdiele bei der ausländerfeindliche Parolen gerufen worden sein sollen, plant das Aktionsbündnis „Wiesloch ist tolerant, bunt und vielfältig – nicht braun!“ eine Kundgebung unter dem Hashtag #wirsindmehr! Am Montag (17. September) von 17 bis 19 Uhr soll diese am Otmar-Alt-Brunnen in der Oberen Hauptstraße stattfinden.

Auf Anfrage von HEIDELBERG24 bestätigt das Ordnungsamt Wiesloch, dass die Veranstaltung ordnungsgemäß bei der Stadt angemeldet sei.

„Schon lange habe man das Gefühl, dass sich das gesellschaftliche Klima auch in Wiesloch verändere. Dies sei nicht nur in den Sozialen Medien zu spüren“, so die Initiatoren auf der Facebeook-Seite. Nachdem unter dem Hashtag #wirsindmehr nach den Krawallen in Chemnitz bundesweit mehrere Veranstaltungen, sei es auch in Wiesloch an der Zeit, heißt es weiter. Die Bevölkerung aus Wiesloch und Umgebung sei herzlich eingeladen ein lautes, starkes und friedliches Zeichen gegen Intoleranz, Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit zu setzen.

>>> Weitere Informationen findest Du auf der Internet-Seite des Aktionsbündnisses.

Was ist in Wiesloch vor der Eisdiele passiert?

Am Samstagabend (8. September) entbrennt eine Massenschlägerei zwischen mehrere Personen. Schauplatz der Prügelei ist eine Eisdiele in der Hauptstraße. Eine Gruppe aus sieben betrunkenen Männern soll erst die Gäste des Geschäfts mit ausländerfeindlichen Parolen beschimpft und dann angegriffen haben.

Der Schock sitzt bei den Opfern und Zeugen noch immer tief: „Schon hochkommend haben die geschrien: Ausländer raus und Deutschland gehört den Deutschen. Wir haben erst gedacht, die machen Spaß“, sagt Sevda Kog, die mit ihrer Familie vor dem Laden sitzt.

Die Ermittlungen gegen fünf junge Männer im Alter zwischen 24 und 36 Jahren wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung und der Beleidigung laufen. Ob die Aggressoren ausländerfeindliche Parolen brüllten, ist ebenfalls Gegenstand der weiteren Ermittlungen.

Hinweisgeber und Zeugen werden gebeten, sich unter ☎ 06222 57090 bei der Wieslocher Polizei zu melden und ihre Wahrnehmungen mitzuteilen.

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jab/afp

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