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Russland will ukrainische Energieversorgung weiter angreifen – Kiew bereitet sich auf Totalausfall vor

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Von: Bettina Menzel, Fabian Müller

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Der russische Verteidigungsminister kündigt neue Angriffe auf die Infrastruktur an. Kiew bereitet sich auf das Schlimmste vor. News-Ticker.

Update vom 2. November, 11.39 Uhr: Ukrainische Partisanen setzen Putins Kämpfer zunehmend unter Druck. Alle weiteren Entwicklungen in unserem neuen News-Ticker zur militärischen Lage im Ukraine-Krieg.

Update vom 2. November, 7.25 Uhr: Nachdem Russlands Verteidigungsminister Schoigu die Fortsetzung der Raketenangriffe auf die ukrainische Infrastruktur ankündigte, bereitet sich Kiew jetzt auf einen Totalausfall der Energieversorgung vor.

„Das schlimmste wäre, wenn es überhaupt keinen Strom, kein Wasser und keine Fernwärme gäbe“, schreibt Klitschko auf dem Kurznachrichtendienst Telegram. „Für diesen Fall bereiten wir über 1000 Heizstellen in unserer Stadt vor.“ Um von der restlichen Infrastruktur unabhängig zu sein, werden die Standorte mit Generatoren ausgestattet und verfügen über einen Vorrat an lebensnotwendigen Dingen wie Wasser.

Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko bereitet sein Land auf eine Energie-Katastrophe vor.
Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko bereitet sein Land auf eine Energie-Katastrophe vor. © YASUYOSHI CHIBA/AFP

Ukraine-News: Besorgt sich Russland auch Raketen aus dem Iran?

Update vom 1. November, 17.32 Uhr: Die ukrainische Armee befürchtet, dass Russland neben Drohnen auch Mittelstreckenraketen aus dem Iran kauft und gegen die Ukraine einsetzen wird. Dies sei gefährlich, weil die Ukraine keine geeigneten Abwehrwaffen habe, sagte Luftwaffensprecher Jurij Ihnat am Dienstag in Kiew. „Wir haben eine Luftverteidigung, keine Raketenabwehr“, sagte er. Es gehe um ballistische Raketen iranischer Bauart mit Reichweiten von 300 bis 700 Kilometern, die den russischen Boden-Boden-Raketen vom Typ Iskander-M ähnelten.

Der Iran werde Russland mit Mittelstreckenraketen und weiteren Drohnen beliefern, berichtete am Dienstag auch der US-Sender CNN und berief sich auf Erkenntnisse westlicher Rüstungsexperten. Bislang setzt Russland diesen Angaben nach vor allem die iranische Einweg-Kampfdrohne Schahed-136 ein. Der Iran und Russland bestreiten ein Rüstungsgeschäft. Die Ukraine hat nach eigenen Angaben bereits 300 dieser Drohnen abgeschossen. Dabei habe sich der deutsche Flugabwehrpanzer Gepard sehr bewährt.

Seit Russland mit Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern verstärkt auf die ukrainische Energie-Infrastruktur schießt, haben viele Länder der Ukraine mehr Flugabwehrwaffen zugesagt. Die ersten zwei von acht versprochenen Flugabwehrsystemen Nasams sollten bald dort eintreffen, sagte ein Pentagon-Vertreter am Montag in Washington.

Krieg in der Ukraine: Schoigu kündigt Fortsetzung der Raketenangriffe auf ukrainische Infrastruktur an

Update vom 1. November, 16.42 Uhr: Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu hat eine Fortsetzung der Raketenangriffe auf die ukrainische Infrastruktur angekündigt. Damit würden „effektiv“ Objekte zerstört und das militärische Potenzial der Ukraine reduziert, sagte Schoigu am Dienstag bei einer Militärsitzung in Moskau. Am Vortag hatte Russland einige ukrainische Energieanlagen beschossen. Diese führten zu Unterbrechungen in der Strom- und Wasserversorgung, wie etwa in Kiew. Die Ukraine wirft Russland „Energieterror“ vor.

Minister Schoigu informierte auch über den Beginn der Einberufung neuer Soldaten zum Wehrdienst mit dem 1. November. Er betonte, dass die neuen Rekruten nicht ins Kriegsgebiet geschickt werden sollten. Zugleich bekräftigte der Minister, dass die Teilmobilmachung von 300.000 Reservisten für den Kriegsdienst in der Ukraine nun abgeschlossen sei. Etwa 87.000 von ihnen seien inzwischen im Kampfgebiet, sagte Schoigu. Die anderen würden weiter ausgebildet.

Russland kündigt Fortsetzung der Raketenangriffe ukrainische Infrastruktur an

Der Kreml stellte am Dienstag klar, dass es kein Dekret von Kremlchef Wladimir Putin über das Ende der Teilmobilmachung geben werde. „Wir teilen mit: Ein Erlass ist nicht nötig“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow nach tagelangen Diskussionen in Russland dazu, ob Putin die verfügte Teilmobilmachung auch wieder offiziell beenden müsse. Putin räumte am Montag ein, dass er das selbst nicht wisse und mit Juristen klären müsse.

Schoigu und Putin
Russlands Präsident Wladimir Putin und Verteidigungsminister Sergej Schoigu (l) besuchen eine Militärausstellung in Moskau (Archivbild). © Mikhail Metzel/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Peskow betonte, der Erlass vom 21. September sei erfüllt, damit sei das erledigt. Die Kreiswehrersatzämter würden per Telegramm über das Ende der Mobilmachung informiert und dürften dann keine Reservisten mehr einziehen, sagte er mit Blick auf Berichte aus dem Riesenreich, dass die umstrittene Mobilmachung teils weiter laufe. Hunderttausende Russen haben das Land verlassen, um nicht eingezogen zu werden.

Putins Besatzer kündigen Evakuierungen in Cherson „und anderen Regionen Russlands“ an

Update vom 1. November, 9.56 Uhr: Die Wasser- und Stromversorgung in Kiew ist wiederhergestellt. Das teilte der Bürgermeister der Stadt, Vitali Klitschko, in Online-Netzwerken mit. Es werde aber weiterhin geplante Unterbrechungen der Stromversorgung geben wegen „des beträchtlichen Defizits im Stromversorgungssystem nach den barbarischen Angriffen des Aggressors“, fügte Klitschko mit Blick auf die russischen Raketenangriffe hinzu.

Unterdessen läuft die ukrainischen Offensive zur Rückeroberung von Cherson. Angesichts dessen haben die russischen Besatzungsbehörden die Evakuierung weiterer Menschen aus Cherson angekündigt. „Wir werden bis zu 70.000 Personen neu ansiedeln und verlegen“, sagte der von Moskau eingesetzte Gouverneur von Cherson, Wladimir Saldo, in einer Live-Sendung im Rundfunk.

Mit den Evakuierungen wurde laut dem Gouverneur bereits begonnen, sie würden nun in Cherson oder auch „anderen Regionen Russlands“ ausgeweitet. Details nannte Saldo dazu nicht. Die Region Cherson steht teilweise unter Russlands Kontrolle. Vergangenen Monat annektierte Russland die von ihm eroberten Gebiete..

250.000 Kiewer Wohnungen ohne Strom: Klitschko kündigt Sparmaßnahmen an

Update vom 1. November, 7.16 Uhr: Zahlreiche Kiewer sind noch immer ohne Strom und Wasser. Das russische Militär hatte am Vortag die Energieversorgung der ukrainischen Hauptstadt angegriffen. Bürgermeister Vitali Klitschko teilte mit, in 40 Prozent der Verbrauchsstellen gebe es noch kein Wasser, etwa 250.000 Wohnungen seien ohne Strom. Damit hat sich die Lage gegenüber dem Morgen zwar gebessert, die Reparaturarbeiten gingen aber weiter.

Klitschko kündigte für Dienstag weitere Stromsparmaßnahmen im öffentlichen Nahverkehr an. So werde die U-Bahn seltener fahren. Stromgetriebene Straßenbahnen und Oberleitungsbusse sollten durch normale Busse ersetzt werden.

Ukraine-Krieg: Einwohner von Kiew holen sich Wasser an einer Pumpe in einem Park.
Aufnahme vom 31. Oktober: Einwohner von Kiew holen sich Wasser an einer Pumpe in einem Park. © Sergei Chuzavkov/AFP

Erfolge in Luhansk: Ukraine erobert eigenen Angaben zufolge neun Siedlungen in Luhansk zurück

Update vom 31. Oktober, 21.30 Uhr: Die ukrainische Armee hat nach eigenen Angaben neun Siedlungen in der Region Luhansk zurückerobert, wie Serhi Haidai, der Gouverneur der Oblast Luhansk, am Montag mitteilte. Die russischen Streitkräfte hätten zudem eine Gegenoffensive bei Kreminna und Swatove vorgehabt, doch die Ukraine hätte diese Pläne vereitelt.

Das ukrainische Einsatzkommando Süd berichtete indes, dass russische Truppen im Süden der Ukraine bei Otschakiw in der Oblast Mykolajiw zwei zivile Schiffe getroffen hätten, die am Transport von Getreide beteiligt waren. Zwei Menschen seien bei dem russischen Angriff gestorben, eine Person sei verletzt worden.

Ebenfalls im Süden der Ukraine seien in der Oblast Cherson zwischen 18.45 bis 18.48 Uhr zwei russische Ka-52-Kampfhubschrauber abgeschossen worden, hieß es vonseiten der Luftkommandos Süd der Ukraine. Seit Beginn des Krieges am 24. Februar sind damit laut ukrainischen Angaben insgesamt 253 Hubschrauber zerstört worden. Diese Informationen ließen sich jeweils nicht unabhängig verifizieren.

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Ein Kamov Ka-52 „Alligator“ Aufklärungs- und Kampfhubschrauber der russischen Armee im September (Archivbild). © IMAGO/Viktor Antonyuk / SNA

Erneut massive Luftangriffe Russlands auf ukrainische Infrastruktur

Erstmeldung vom 31. Oktober: Moskau - Russland greift seit mehreren Wochen vermehrt die kritische Infrastruktur der Ukraine an. Zeitweise waren bis zu 40 Prozent der ukrainischen Energieanlagen beschädigt und mehr als eine Million Haushalte ohne Strom. Am Montag (31. Oktober) erfolgten erneut massive Luftangriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur, die das Verteidigungsministerium in Moskau noch am selben Tag bestätigte.

Ukraine-Krieg: Russisches Militär bestätigt Angriffe auf Energieanlagen in der Ukraine

Seit Wochen schon beschießt Russland zum Wochenauftakt die Ukraine im morgendlichen Berufsverkehr mit Raketen. Auch an diesem Montag waren erneut zahlreiche Orte von den massiven russischen Luftangriffen betroffen, darunter neben der ukrainischen Hauptstadt Kiew auch Lwiw im Westen, Saporischschja im Süden und Charkiw im Nordosten des Landes. Allein in Kiew waren demnach 350.000 Haushalte ohne Strom und 80 Prozent der Verbraucher ohne Wasser.

Humanitäres Völkerrecht: Angriffe auf militärische Ziele beschränken

Das humanitäre Völkerrecht schreibt vor, „Angriffe im bewaffneten Konflikt streng auf militärische Ziele zu beschränken.“ Sofern Energieanlagen nicht militärischen Zwecken gewidmet sind, ist ihr Beschuss demnach ein Kriegsverbrechen. Im Detail lässt sich dies in Kriegssituationen jedoch teils nicht nachvollziehen oder beweisen. Die russischen Luftangriffe am Montag werden als Vergeltung auf die jüngsten Drohnenangriffe auf die russische Schwarzmeerflotte gewertet. Die Ukraine wirft Russland „Energieterror“ vor.

Russland bestätigte die massiven Raketenangriffe auf ukrainische Energieanlagen am Montag. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, dass auch ukrainische Militärobjekte mit Raketen von Bombern aus der Luft und von Kriegsschiffen aus beschossen wurden. „Die Ziele der Schläge wurden erreicht. Alle anvisierten Objekte wurden getroffen“, sagte Ministeriumssprecher Igor Konaschenkow in Moskau. Nach Angaben Kiews schossen die Luftstreitkräfte die Mehrheit der russischen Raketen ab. Dabei sei auch das Flugabwehrsystem Iris-T aus Deutschland zum Einsatz gekommen, das zu 100 Prozent Ziele zerstört habe. Die Ukraine forderte erneut mehr solcher Systeme.

Russland schlägt nach eigenen Angaben einzelne Angriffe der Ukraine in Luhansk und Cherson zurück

Nach Darstellung des russischen Ministeriumssprechers Konaschenkow wurden einzelne Angriffe der ukrainischen Streitkräfte in den Gebieten Luhansk und Cherson zurückgeschlagen. In den Gebieten Donezk und Cherson seien vier Munitionsdepots und mehrere Drohnen „vernichtet“ worden. Von unabhängiger Seite überprüfbar waren diese Angaben nicht. Militärexperten gehen davon aus, dass die ukrainische Artillerie in Cherson derzeit - auch dank westlicher Waffen - die Oberhand hat. Ursprünglich hatte Russland dort einen Rückzug angekündigt und Zivilisten evakuiert.

Allerdings werden nun Zweifel laut, ob es sich bei dem angekündigten Abzug um einen Trick Russlands handeln könnte. Die US-Experten des Institute for the Study of War berichten davon, dass Russland möglicherweise plant, die evakuierten Gebiete in Cherson mit Soldaten in Zivilkleidung neu zu besiedeln. Mit dieser perfiden Taktik würde Putin die Voraussetzungen dafür schaffen, die Ukraine zu beschuldigen, zivile Ziele anzugreifen.

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