Kämpfe in Ost-Syrien

Kurden starten Offensive gegen letzte IS-Bastion

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Eine Frau wird von einer Soldatin in einem Kontrollbereich der SDF durchsucht, nachdem sie aus dem verbliebenen Gebiet des IS evakuiert wurde. Foto: Felipe Dana/AP

US-Präsident Donald Trump spricht davon, dass "100 Prozent" des IS-Territoriums in Syrien zurückerobert seien. Nicht nur die Kurden sehen das anders.

Damaskus (dpa) - Die Aussage von US-Präsident Donald Trump, dass alle vom IS-kontrollierten Gebiete in Syrien zurückerobert worden seien, ist international auf heftigen Widerspruch gestoßen.

Die Darstellung stimme nicht, sagte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel-Rahman, der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. "Einige Höfe in Baghus werden noch von IS-Kämpfern gehalten und wir gehen davon aus, dass auch noch Zivilisten dort sind."

Mitte Februar hatten die von den USA unterstützten und von Kurden angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) eine Offensive auf den letzten vom IS kontrollierten Ort in Syrien gestartet. Baghus liegt im Osten Syriens am Euphrat und in unmittelbarer Nähe zur Grenze des Iraks.

Inzwischen habe der Kampf gegen die letzten verbliebenen IS-Kämpfer in Baghus begonnen, sagte Adnan Afrin, ein Sprecher der SDF, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. In den vergangenen Tagen seien die Kämpfe aus Rücksicht auf die Zivilisten eingestellt worden. Alle Zivilisten seien in Sicherheit gebracht worden.

"Jeder, der sich jetzt noch in dem Gebiet befindet, wird als Feind angesehen", sagte Afrin. In dem von Tunneln und Höhlen durchzogenen Gebiet gebe es noch zahlreiche Selbstmordattentäter. Insgesamt schätzte er die Zahl in Baghus verbliebenen IS-Kämpfer auf 1000 bis 1500.

Am Donnerstag hatte Trump erklärt, dass alle vom Islamischen Staat kontrollierten Gebiete inzwischen zurückerobert worden seien. "Das Gebiet, das Land, wir haben 100 Prozent", sagte er auf dem Rückflug aus Vietnam bei einer Zwischenlandung vor US-Soldaten in Alaska.

Auch CNN-Reporter Ben Wedeman zweifelte die Erklärung des US-Präsidenten umgehend auf Twitter an: "Ich bin seit 28 Tagen in Syrien und berichte über die Offensive. Ich kann @realdonaldtrump versichern, dass das NICHT der Fall ist."

Der neue Syrienbeauftragte der Vereinten Nationen, Geir Pedersen, mahnte zudem zur Vorsicht: "Nichtsdestoweniger ist der Konflikt weit davon entfernt, zu Ende zu sein", sagte Pedersen ebenfalls am Donnerstag im UN-Sicherheitsrat. "Der IS ist nahezu besiegt, was das Territorium betrifft. Aber die Erfahrung zeigt, er kann zurückkommen."

Auch im benachbarten Irak hatte die Regierung bereits im vergangenen Jahr den Sieg über die Dschihadisten verkündet. Allerdings kommt es dort weiterhin zu Anschlägen, die der IS für sich reklamiert.

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