Journalist Tim Herden

Krawalle in Chemnitz: ARD-Kommentator mit eindringlichem Appell in Tagesthemen

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Journalist Tim Herden argumentierte in den „Tagesthemen“, man müsse bei den Krawallen von Chemnitz mehr auf die Politik schauen.

Journalist Tim Herden nahm in den „Tagesthemen" die Vorgehensweise der Polizei bei den Ausschreitungen in Chemnitz in Schutz. Stattdessen sandte er einen eindringlichen Appell an die Politik.

Chemnitz - Am Dienstag hat MDR-Journalist Tim Herden in seinem Kommentar in den „Tagesthemen“ über die Gewalt von Chemnitz die Vorgehensweise der Polizei Sachsen in Schutz genommen. Stattdessen sandte er einen Appell an die Politik in Sachsen und Berlin, bei der er die Verantwortung sieht. 

Polizei in der Kritik nach heftigen Krawallen in Chemnitz

Die Polizei war in die Kritik geraten, weil sie nach eigener Aussage das Gefahrenpotenzial der Großdemonstration vom Montag vollkommen unterschätzt und nur mit 1000 Rechten gerechnet hatte. Es demonstrierten aber 6000 teils gewaltbereite Menschen auf mehreren Großdemonstrationen in der Innenstadt von Chemnitz, die unter anderem von der Organisation Pro Chemnitz organisiert wurden. Es wurden 600 Beamte eingesetzt. 

Die Polizei berichtet vom Einsatz von Pyrotechnik und vermummten Demonstranten. Einige Rechtsextreme zeigten den Hitlergruß und veranstalteten Hetzjagden auf ausländisch aussehende Menschen. Sogar der Verfassungsschutz soll zuvor die Polizei Sachsen vor den Auseinandersetzungen gewarnt haben.

Ausschreitungen von Chemnitz: Ein Versagen der Politik?

In seinem Kommentar in den „Tagesthemen“ am Dienstagabend sah der MDR-Journalist Tim Herden die Verantwortung für die Eskalation aber nicht bei der Polizei, sondern bei der Politik in Sachsen und Berlin. Herden argumentierte, dass die Polizei zwar naiv gewesen sei, mit so wenigen Beamten gegen „Tausende Rechte und Hunderte Linke” anzutreten. Aber sie sei kein Buhmann.

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Vielmehr zeigten die Geschehnisse: „Rechtsradikale Kräfte versuchen nun mit Gewalt, Politik auf der Straße zu machen – Mitläufer finden sie offenbar”, so der MDR-Journalist. Auch einen Grund dafür nannte Herden: „Diese rechtsradikalen Kräfte stoßen in ein Vakuum, das die Politik selbst zugelassen hat.” Ein weiteres Indiz für die Mitschuld der Politik seien die Umfragewerte zur politischen Stimmung in den mitteldeutschen Bundesländern. Diese zeigten, dass ein Viertel bis ein Drittel der Menschen den Parteien nicht mehr zutrauen würden, Probleme zu lösen. Dies sei insbesondere in den Bereichen Flüchtlingspolitik, innere Sicherheit, Bildung sowie Sicherung der Versorgung in den ländlichen Räumen der Fall. 

Chemnitz: Tim Herden sendet Appell an die Politik

Aus diesem Misstrauen in die aktuelle Regierung resultieren laut Herden auch die zweistelligen Ergebnisse der AfD - im Osten wie im Westen. „Dieser Vertrauensverlust ist ein Alarmsignal“, so Herden weiter, „da helfen auch keine moralischen Appelle von Merkel, Maas und Baerbock.“

Die Polizei müsse die Gewalt eindämmen, der Rechtsstaat Menschenhetzer und Hitlergrüßer bestrafen. Die Politik in Sachsen und in Berlin habe die schwerste Aufgabe: „Sie sollte die Verunsicherung der Bürger ernst nehmen und auch spürbare Verbesserungen erreichen, um das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen,“ argumentierte Herden.

Auslöser der Krawalle war der gewaltsame Tod eines 35-jährigen Deutschen in der Nacht zum Sonntag nach Messerstichen bei einem Stadtfest in Chemnitz. Die Polizei nahm in Tatortnähe zwei Männer, einen Syrer und einen Iraker, fest (22 und 23 Jahre). Sie sind dringend tatverdächtig.

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sp

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