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Kapitol-Sturm: Hutchinsons Aussage schockiert – Trump drohen rechtliche Folgen

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Von: Lukas Zigo, Johanna Soll, Nail Akkoyun, Christian Stör

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Zertifizierung der US-Wahlergebnisse im US-Kongress
Anhänger von US-Präsident Donald Trump stürmen am 6. Januar 2021 das US-Kapitolgebäude. © Essdras M. Suarez/dpa

Nach der Aussage von Cassidy Hutchinson halten es Experten in den USA für wahrscheinlich, dass Donald Trump angeklagt wird.

Update vom Donnerstag, 30. Juni, 11.30 Uhr: Donald Trump hat lange versucht, die Anhörungen zum Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 zu ignorieren. Das ist jetzt nicht mehr möglich. Zu eindrücklich war die Aussage von Cassidy Hutchinson, die ein neues Licht auf die Kapitol-Attacke geworfen und die Frage nach rechtlichen Konsequenzen für Trump gestellt hat. Es sei nun ersichtlich, dass Trump „in jeder Phase“ des Versuchs, die Wahl zu kippen, die Hauptperson gewesen sei, sagte der ehemalige stellvertretende Justizminister Donald Ayer dem Sender CNN. Es ginge jetzt vor allem um die Frage des Vorsatzes – und Trump habe gewusst, was er tat, so Ayer. Rechtsexperte Alan Rozenshtein sagte der New York Times, er halte es nun für deutlich wahrscheinlicher, dass Trump angeklagt werde.

Noch mehr Licht ins Dunkel soll Pat Cipollone bringen. Der Untersuchungsausschuss hat den früheren Rechtsberater des Weißen Hauses offiziell als Zeugen vorgeladen. Die bisherige Aufklärungsarbeit habe Beweise dafür geliefert, dass Cipollone „wiederholt rechtliche und andere Bedenken“ über die Aktivitäten des damaligen Präsidenten Donald Trump am 6. Januar und in den Tagen davor geäußert habe, teilte der Ausschuss zur Begründung mit.

Kapitol-Sturm: Trump-Unterstützer wollten, dass Donald seine Unterstützer heimschickt

+++ 20.58 Uhr: Cassidy Hutchinson sagte aus, sie habe sich „angewidert“ gefühlt, als sie sah, wie der ehemalige Präsident Donald Trump am 6. Januar Angriffe über den damaligen Vizepräsidenten Mike Pence twitterte. Hutchinson bezeichnete Trumps Angriffe auf Pence als „unpatriotisch“ und „unamerikanisch“ und sagte über die Erstürmung des Kapitols: „Wir haben zugesehen, wie das Kapitol wegen einer Lüge verunstaltet wurde.“

+++ 20.40 Uhr: Laura Ingraham forderte Mark Meadows dazu auf, auf Trump einzuwirken, dass dieser die Menschen heimschicke. Selbst Donald Trump Jr. wollte, dass der Ex-Präsident eingreift.

+++ 20.34 Uhr: Berater von Donald Trump haben laut Hutchinson beim Sturm auf das Kapitol gesagt, dass der damalige Präsident komplett die Kontrolle über seine Unterstützer verloren habe.

This paints a picture of Trump completely unhinged and completely losing all control which, for his base, they think of him as someone who is in command at all times. This completely flies in the face of that,“ the adviser added. 

Trump wollte an den Protesten teilnehmen

+++ 20.28 Uhr: Ex-Präsident Donald Trump wollte zu den „Protesten“ hinzustoßen, sagte Hutchinson.

+++ 20.18 Uhr: Hutchinson bestätigt, dass Giuliani von einem „Kriegsraum“ sprach.

+++ 20.15 Uhr: Donald Trump und Mark Meadows wussten über Waffen unter den Anhängern an der Ellipse am 6. Januar Bescheid. Beide seien sich dem Gewaltpotenzial bewusst gewesen, so Hutchinson. Sie sagte auch aus, dass ein Beamter des Weißen Hauses, Tony Ornato, sagte, er habe mit Trump über Waffen bei seiner Kundgebung am 6. Januar 2021 gesprochen. 

Das Justizministerium hat vor Gericht bewiesen, dass einige derjenigen, die in das Kapitol eindrangen, Schusswaffen trugen und sich mit anderen Waffen gegen die Polizei zur Wehr setzten. Der Ausschuss des Repräsentantenhauses spielte auch den Funkverkehr der Polizei ab, die Schusswaffen in der Innenstadt von Washington, DC, in der Nähe der Ellipse identifizierte. 

Donald Trump soll dies nicht gestört haben. Ich habe gehört, wie der Präsident sagte: „Es ist mir scheißegal, ob sie Waffen haben. Sie sind nicht hier, um mich zu verletzen. Nehmt die verdammten Mags (Magnetschleusen) weg. Lasst meine Leute rein, sie können von hier aus zum Capitol marschieren. Lasst die Leute rein, nehmt die verdammten Mags weg.“

Rudy Giuliani vor dem Kapitol-Sturm „Es wird großartig werden“

+++ 19.41 Uhr: Die Assistentin des ehemaligen Stabschefs des Weißen Hauses, Mark Meadows, erzählte dem Ausschuss am 6. Januar, dass sie Rudy Giuliani am 2. Januar 2021 traf, er sich auf den 6. Januar 2021 freute und er ihr „etwas in der Art von ‚wir gehen zum Kapitol‘“ sagte. Giuliani war der persönliche Anwalt des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump.

„Als Mr. Giuliani und ich an diesem Abend zu seinem Fahrzeug gingen, sah er mich an und sagte etwas in der Art von ‚Cass, freust du dich auf den sechsten? Das wird ein großer Tag.‘ Ich weiß noch, dass ich ihn ansah und fragte: ‚Rudy, kannst du mir erklären, was am sechsten Tag passiert?‘ Und er antwortete so etwas wie: ‚Wir fahren zum Kapitol. Es wird großartig werden. Der Präsident wird dort sein. Er wird mächtig aussehen. Er wird mit den Mitgliedern zusammen sein. Er wird mit den Senatoren zusammen sein. Sprechen Sie mit dem Chef darüber. Sprechen Sie mit dem Chef darüber. Er weiß Bescheid.‘“

Sturm aufs Kapitol: Star-Zeugin soll aus Sicherheitsgründen noch heute aussagen

Update vom Dienstag, 28. Juni, 16.14 Uhr: Der Grund für die überraschende, kurzfristige Vorverlegung der Vernehmung von Star-Zeugin Cassidy Hutchinson, einer ehemaligen Mitarbeiterin von Donald Trumps ehemaligem Stabschef Mark Meadows, ist jetzt möglicherweise klar: Die Mitglieder des Untersuchungsausschusses seien „aufrichtig besorgt“ um die Sicherheit der Zeugin. Cassidy Hutchinson hat bereits mehrmals in nichtöffentlichen Vernehmungen vor dem Ausschuss ausgesagt, heute wird sie dies live tun.

Ihre bisher schockierendste Angabe war wohl, dass Donald Trump die Schlachtrufe seiner Anhängerschaft, „hängt Mike Pence“, gebilligt habe. Was Cassidy Hutchinson bei ihrer heutigen Aussage enthüllen wird, ist noch nicht klar. Doch die US-Zeitung Politico spekulierte, die wichtige Zeugin sei nach einem Anwaltswechsel bereit, vollständig mit dem Untersuchungsausschuss zu kooperieren. Zuvor wurde sie von einem ehemaligen Trump-Anwalt vertreten, jetzt vertritt sie eine Anwältin, die seinerzeit Stabschefin des ehemaligen Justizministers Jeff Sessions war und diesen während der Russland-Affäre beriet.

Sturm aufs Kapitol: Donald Trumps Sohn billigte Gewalt

Update vom Dienstag, 28. Juni, 15.18 Uhr: Eric Trump soll „nicht beunruhigt“ darüber gewesen sein, dass die Behauptungen seines Vaters Donald Trump am 6. Januar 2021 zur Gewalt führen könnten. Das behauptet der britische Dokumentarfilmer Alex Holder, der vom Sonderausschuss des Repräsentantenhauses zum Anschlag vom 6. Januar vorgeladen wurde.

Im Gespräch mit der britischen Zeitung The Independent erklärte Holder zuvor, dass Eric Trump die Aufstachelung zur Gewalt für „fair“ hielt. Die Trump-Familie, insbesondere Eric, würden „sich nicht an dem Gedanken stören, dass die oft gewalttätige Rhetorik, die sie und ihr Patriarch nach seiner Niederlage [...] an den Tag legten, seine Anhänger zu Handlungen inspirieren könnte“, berichtet The Independent. Selbst wenn es zu Gewalt kommen würde, wäre es „das Richtige“, da „die Wahl gestohlen wurde“, soll Eric Trump zu Alex Holder vor dem 6. Januar 2021 gesagt haben.

Sturm aufs Kapitol: Ausschuss kündigt spontane Anhörung von Star-Zeugin an

Erstmeldung vom Dienstag, 28. Juni: Washington DC – Spontan hat der Untersuchungsausschuss des US-Kongresses beschlossen, bereits am heutigen Dienstag (28. Juni) seine Arbeit fortzusetzen. Das wurde am Montagabend bekannt und von zahlreichen US-Medien vermeldet. Der Ausschuss geht weiter der Frage nach, welche Rolle Donald Trump bei den Ausschreitungen am 6. Januar in Washington DC gespielt hatte.

An diesem Tag waren die Anhänger von Donald Trump nach einer Rede des ehemaligen Präsidenten in Richtung Kapitol marschiert. Dort angekommen verschafften sie sich Zugang zu den Gebäuden und randalierten daraufhin in den Räumen des Senats und des Kongresses. Fünf Menschen starben infolge der Ereignisse. Hunderte weitere wurden verletzt.

Wird die Zeugenaussage Donald Trump noch schwerer belasten?

Eigentlich hatte der Ausschuss, der von sieben Demokraten und zwei Republikanern geleitet wird, vor, seine Anhörungen erst im Juli fortzusetzen. Doch nun hat er mit nur 24 Stunden Vorlauf angekündigt, dass heute (28. Juni) eine wichtige Zeugenvernehmung stattfinden wird. Bei der Zeugin handelt es sich um Cassidy Hutchinson, eine Mitarbeiterin des ehemaligen Stabschefs des Weißen Hauses, Mark Meadows. Sie war damals bei vielen wichtigen Ereignissen und Gesprächen rund um den Kapitol-Sturm anwesend.

Aufgrund ihrer beruflichen Nähe zu Mark Meadows und damit auch zu Donald Trump, gilt Cassidy Hutchinson als eine entscheidende Zeugin bei den Ermittlungen des Untersuchungsausschusses. Sie hatte bereits in vorangegangenen Anhörungen des Ausschusses ausgesagt und unter anderem mehrere republikanische Abgeordnete schwer belastet. Laut Cassidy Hutchinson haben folgende Politiker noch vor dem Kapitol-Sturm für sich oder andere um Begnadigungen gebeten: Scott Perry, Matt Gaetz, Mo Brooks, Andy Biggs, Jim Jordan und Louie Gohmert. (Christian Stör, Johanna Soll, Lukas Zigo, Nail Akkoyun mit dpa/AFP)

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