Bundestagswahl 2021

Ramsauer über Kanzlerstreit: „Feldschlacht“ von Söder und Laschet nur noch „quälend“

Peter Ramsauer, ehemaliger Bundesverkehrsminister bezeichnet den Machtkampf zwischen Söder und Laschet als „quälend“.
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Peter Ramsauer, ehemaliger Bundesverkehrsminister bezeichnet den Machtkampf zwischen Söder und Laschet als „quälend“.

Der frühere Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) ist müde vom Machtkampf zwischen Söder und Laschet in der K-Frage. Er bringt Angela Merkel ins Spiel.

Update von Donnerstag, 15.04.2021, 09:54 Uhr: Als Markus Söder* und Armin Laschet* am Samstag (10.04.2021) beide öffentlich Interesse an einer Kanzlerschaft für Deutschland bekundeten, sollte die Entscheidung, wer für die Union ins Rennen geht, einvernehmlich getroffen werden. Bei den Parteikolleg:innen ist mittlerweile offenbar ein anderer Eindruck entstanden.

Eine „offene Feldschlacht“ sei der Auftritt des CDU-Vorsitzenden und des CSU-Vorsitzenden am Montag im Bundestagstag gewesen, findet der frühere Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Er sagte in einem Gespräch mit dem Deutschlandfunk, dass das Prozedere in der Frage um die Kanzlerkandidatur der Union sowohl für die beiden Politiker als auch für alle anderen quälend sei.

Unions-Politiker-Ramsauer kritisiert „Gladiatoren“-Kampf zwischen Söder und Laschet

Er selbst habe sich an der Diskussion im Bundestag nicht beteiligt, auch weil er es „schon für einen Fehler des Fraktionsvorsitzenden (Ralph Brinkhaus) gehalten“ habe, diesen Termin überhaupt zu ins Leben zu rufen. Brinkhaus habe „eine Arena eröffnet, wo er zwei Gladiatoren hineinführt und dann Blut fließen lässt“. Diese Situation hinterlasse bei ihm den „Eindruck, als ob Angela Merkel* gerade darauf warten würde, noch einmal gerufen zu werden in dieser ganzen Auseinandersetzung.“

Noch in dieser Woche soll der Machtkampf zwischen Söder und Laschet, der sich auch auf das Verhältnis von CSU und CDU auswirkt, ein Ende finden und der Kandidat der Union für die diesjährige Bundestagswahl* feststehen.

K-Frage bei der Union: Herbert Reul „fassungslos“ über Markus Söder

+++ 20.56 Uhr: Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) hat den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) scharf kritisiert. „Es macht mich fassungslos, dass man am Sonntag etwas erklärt, von dem man am Montag nichts mehr wissen will“, sagte Reul dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Donnerstag). Söder hatte gesagt, er würde nur dann als Kanzlerkandidat der Union zur Verfügung stehen, wenn auch die CDU ihn breit unterstütze.

„Die Union hat sich immer dadurch ausgezeichnet, dass sie ihren Grundüberzeugungen gefolgt ist und nicht schwankenden Stimmungslagen“, sagte Reul. „Hätten wir nur auf Meinungsumfragen gehört, hätten wir auch manch unangenehme Entscheidung in der Pandemie nicht treffen können.“ Der NRW-Ministerpräsident und CDU-Vorsitzende Armin Laschet (CDU) und CSU-Chef Söder wollen beide gern Kanzlerkandidat der Union werden. Söder beruft sich dabei auf seine besseren Umfragewerte.

„Taktische Spielchen aus München“ - Harte Vorwürfe von Laschet-Unterstützer

CSU-Chef Markus Söder hat den Ausgang des Machtkampfs um die Kanzlerkandidatur in einer CSU-Fraktionssitzung im Landtag in München als „völlig offen“ bezeichnet.

+++ 18.55 Uhr: Der frühere Bonner CDU-Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Kanzlerbüroleiter Helmut Kohls, Stephan Eisel, sammelt in einer sogenannten „Union für Laschet“ Unterstützer für eine Kanzlerkandidatur des CDU-Vorsitzenden. Er wolle verdeutlichen, „dass die einhellige Unterstützung für Armin Laschet in Präsidium und Vorstand der CDU keine Hinterzimmeraktion ist, sondern die Meinung großer Teile der Mitgliederschaft widerspiegelt“, sagte Eisel dem Bonner „General-Anzeiger“. Ihn habe geärgert, dass CSU-Chef Markus Söder den falschen Eindruck erwecken wolle, Laschet habe keine Unterstützung an der Basis der Union. „Es gibt an der Basis der CDU viel Unmut über die taktischen Spielchen aus München“, sagte Eisel.

Schon in den ersten Stunden hätten sich 83 teilweise prominente Erstunterzeichner der Aktion angeschlossen, teilte Eisel der Zeitung mit. Die Liste der Erstunterzeichner liegt auch der dpa vor. Unter ihnen sind Ex-Bundesfamilienministerin Ursula Lehr, der ehemalige Generalsekretär Ruprecht Polenz, Ex-Kohl-Berater Horst Teltschik, der frühere Chef der rheinischen CDU, Bernhard Worms, und der Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg. Darüber hinaus finden sich auf der Liste zahlreiche Ex-CDU-Mandatsträger aus Bonn und der Region in Europaparlament, Bundestag, Landtag, Kreistagen und anderen kommunalen Parlamenten.

Markus Söder: Machtkampf um Kanzlerkandidatur „völlig offen“

+++ 16.45 Uhr: CSU-Chef Markus Söder hat den Ausgang des Machtkampfs um die Kanzlerkandidatur in einer CSU-Fraktionssitzung im Landtag in München als „völlig offen“ bezeichnet. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur übereinstimmend von mehreren Teilnehmern der Sitzung am Mittwoch.

Am Ende müsse man überlegen, was das beste sei. Aber man werde zu einem guten Ergebnis kommen, sagte Söder. Bei so einer wichtigen Frage dürfe man sich allerdings auch ein paar Tage Zeit nehmen. Söder fügte hinzu, keiner dürfe beschädigt werden. Seinen Kontrahenten, CDU-Chef Armin Laschet, bezeichnete er dabei als hoch veritablen Ministerpräsidenten, den er sehr schätze.

CSU-Chef Markus Söder.

Söder sagte nach Teilnehmerangaben weiter, man müsse den Menschen draußen am Ende erklären können, warum man so oder so entschieden habe. Entscheidungen in einer modernen Demokratie müssten sich immer auch an der Akzeptanz der Bevölkerung messen lassen. Nach der Entscheidung dürfe es aber keine „Folgediskussion“ geben, mahnte er.

Söder und Laschet wollen die K-Frage in den kommenden Tagen klären

Söder und Laschet hatten nach einem gemeinsamen Auftritt in der Unions-Fraktion im Bundestag am Dienstag angekündigt, die Kanzlerkandidaten-Frage in den kommenden Tagen klären zu wollen. Wann und wie dies erfolgen soll, blieb am Mittwoch zunächst weiter offen.

Vor Journalisten sagte Söder am Rande der CSU-Fraktionssitzung lediglich: „Am Ende wird alles gut werden.“ Spekulationen jeder Art lehnte der CSU-Chef ab - alles weitere stehe „in den Sternen“.

Armin Laschet steht seit dem Streit um die Kanzlerkandidatur mit Markus Söder noch mehr im Fokus.

Laschet von CDU-Abgeordetem zum Rückzug aufgefordert

+++ 15.15 Uhr: Der CDU-Bundestagsabgeordnete Alexander Throm fordert Armin Laschet* zum Rückzug aus dem Rennen um die Kanzlerkandidatur auf. Throm verwies in der „Augsburger Allgemeinen“ auf die deutliche Unterstützung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für CSU-Chef Markus Söder*. Er hoffe, dass Armin Laschet daraus aus dem „eindeutigen Stimmungsbild“ die richtigen Schlüsse ziehe, sagte Throm.  

Throm stammt aus Baden-Württemberg und hatte laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AFP bereits vor einer Woche mit sieben weiteren CDU-Abgeordneten Söder als Kanzlerkandidat unterstützt. Dieser habe eine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung – „und übrigens auch bei den Mitgliedern der CDU“, sagte Throm gegenüber der „Augsburger Allgemeinen“.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Alexander Throm hat CDU-Chef Armin Laschet zum Rückzug aus dem Rennen um die Kanzlerkandidatur aufgefordert. (Symbolfoto)

CDU-Abgeordneter: „Klüger“, Armin Laschet ins Rennen zu schicken - trotz Mehrheit für Söder

Währenddessen meldeten sich am Mittwoch auch Unterstützer von Armin Laschet zu Wort. CDU-Bundestagsabgeordnete Saskia Ludwig sprach sich für den CDU-Chef aus. Laschet habe als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen „wirklich eine hervorragende Arbeit“ gemacht, sagte Ludwig im RBB-Inforadio. Laschet sei erst im Januar zum CDU-Chef gewählt worden. Für sie sei damals schon „völlig klar“ gewesen, „dass er Kanzlerkandidat werden will“.

Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Oliver Wittke aus Gelsenkirchen unterstützt Laschet. Auch wenn der Rückhalt in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Markus Söder deutlich größer sei, so halte er es für klüger, den gerade erst gewählten CDU-Vorsitzenden ins Rennen zu schicken.

Kanzlerkandidatur: Sowohl Markus Söder als auch Armin Laschet sind bereit

Erstmeldung vom Mittwoch, 14.04.2021, 12:54 Uhr: Das Ringen zwischen Markus Söder* und Armin Laschet* um einen möglichen Kanzler der Union soll noch in dieser Woche einen Kandidaten hervorbringen. An einer Kandidatur um das Kanzleramt in Deutschland sind beide interessiert - jetzt werben sie medienwirksam um die Gunst der Wähler:innen und Parteikolleg:innen.

In wenigen Monaten steht in Deutschland die Bundestagswahl* an, bei der sich auch entscheidet, wer Angela Merkel* als nach 16 Jahren als Kanzlerin ablöst. Ganz Deutschland diskutiert aktuell darüber, wer als Kandidat für die Union aus CDU* und CSU* antritt.

Wollen beide Bundeskanzler werden und für die Union kandidieren: Markus Söder (CSU) und Armin Laschet (CDU).

Laschet oder Söder: Schlagabtausch zwischen CDU- und CSU-Politikern im Bundestag

„Ich will, dass wir sehr schnell, sehr bald, möglichst in dieser Woche zu einer guten Entscheidung kommen“, sagte Laschet am Dienstagabend (13.04.2021) nach einem gemeinsamen Auftritt mit Söder vor der Unionsfraktion im Bundestag. Söder erklärte: „Armin und ich haben vereinbart, dass wir uns in dieser Woche auch abschließend dann besprechen werden, wie es weitergehen wird.“

Beide betonten immer wieder, an einer gemeinsamen Lösung zu arbeiten und diese einvernehmlich treffen zu wollen. Dennoch hatten sie sich in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion einen offenen Schlagabtausch geliefert. „Wir brauchen keine One-Man-Show“, hatte Laschet nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur von Teilnehmern offenbar in Richtung Söder gesagt.

CSU-Politiker Söder greift CDU-Vorstand Laschet an: Kanzlerkandidat der Union brauche Persönlichkeit

Söder wiederum wies Laschet demnach darauf hin, dass es Persönlichkeit brauche, um Wahlen zu gewinnen und Fernsehduelle eine entscheidende Rolle spielen würden. „Wir brauchen ein gutes Team, aber Spitze ist auch entscheidend.“ Das könnte eine Anspielung darauf sein, dass Söders Umfragewerte* unter potenziellen Wähler:innen wesentlich besser sind.

Am Montag hatten die Präsidien von CDU und CSU jeweils ihrem Vorsitzenden den Rücken für die Kanzlerkandidatur gestärkt. Söder bestand aber darauf, auch ein Meinungsbild der Bundestagsfraktion einzuholen. Viele sehen den Vorstoß von Markus Söder, der der kleinen Schwesterpartei CSU angehört, auch als Angriff auf die CDU und ihren Vorsitzenden - und erwarten, dass es dadurch zu einem angeschlagenen Verhältnis innerhalb der Union kommen könnte.

Armin LaschetMarkus Söder
60 Jahre54 Jahre
CDU-Vorsitzender CSU-Vorsitzender
Ministerpräsident NRWMinisterpräsident Bayern
verheiratet, drei Kinderverheiratet, drei Kinder

Söder oder Laschet für die Union: Auch Grüne wollen sich noch im April für Kandidat:in entscheiden

Nach Angaben von Teilnehmern der Fraktionssitzung am Dienstag habe es Dutzende Wortmeldungen gegeben. Außerdem hieß es, der bayerische Ministerpräsident habe auch etwa doppelt so lang geredet wie sein NRW-Kollege. Die Abgeordneten sprachen sich alle dafür aus, die Entscheidung zügig zu treffen.

Noch in diesem Monat wollen sich auch die Grünen entscheiden*, ob sie Annalena Baerbock* oder Robert Habeck* als Kandidat:in aufstellen lassen wollen.

Kanzlerkandidat der Union: CSU ist sicher, Söder käme „da draußen unheimlich stark und gut an“

CSU-Generalsekretär Markus Blume sagte in der ZDF*-Talkshow „Markus Lanz“*. Söder sei derjenige, „der da draußen unheimlich stark und gut ankommt. Man müsse als Unionsparteien in der Breite denken. „Und wir wollen den Besten aufstellen“, sagte Blume weiter.

Im „Heute Journal“ (ZDF) äußerte sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter aus Baden-Württemberg. Es habe ein spannendes Meinungsbild gegeben, aber keine ganz klare Tendenz. Der CDU-Abgeordnete Norbert Barthle aus demselben Landesverband meinte dagegen, die Stimmungslage habe „eindeutig wiedergegeben“, dass Rückendeckung für Laschet vor allem aus seinem NRW-Landesverband komme. Landesverbände der anderen Bundesländer hätten dagegen zu Söder tendiert.

Unionspolitiker Markus Söder (1,94 Meter) und Armin Laschet (1,70 Meter) steigen verbal in den Ring um die Kandidatur für das Kanzleramt. Noch in diese Woche soll der Sieger feststehen.

Aber auch für Söder ist dem Meinungsforschungsinstitut Civey nach, die Rückendeckung im Unionslager besonders groß: 86 Prozent der CDU/CSU-Anhänger begrüßen Söders Schritt. In den nächsten Tagen dann wird sich entscheiden, wer beim Ringen um den besten Kandidaten für die Union stärker Punkten konnte. Und im kommenden September dann, ob das auch für das Kanzleramt reicht. (Sophie Vorgrimler/Sonja Thomaser mit dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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