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Italien: Rechte Wahlsiegerin Meloni bestreitet, dass sie frauenfeindlich ist

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Von: Tim Vincent Dicke

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Feministinnen sehen den Wahlsieg von Giorgia Meloni in Italien als große Gefahr an. Doch die rechte Politikerin will keine Frauenfeindin sein.

Rom – Mit Giorgia Meloni hat Italien die erste Frau für das Ministerpräsidentenamt gewählt. Zwar musste sich die Rechtsaußen-Politikerin in den eigenen Reihen gegen viele Männer durchsetzen, doch als Feministin sieht sie sich nicht. Kritik, sie sei eine Frauenfeindin, will die Chefin der Partei Fratelli d’Italia (Brüder Italiens) aber nicht gelten lassen.

Für Aufregung sorgte ein Video, das Meloni am Wahlsonntag (25. September) auf der Videoplattform Tiktok hochgeladen hatte. Die Rechtsextreme postete einen Clip von sich, in dem sie sich zwei Melonen vor die Brust hielt. Dann blinzelte sie in die Kamera und sagte: „25. September: Damit habe ich alles gesagt.“ Eine Anspielung auf ihren Nachnamen, aber auch auf weibliche Brüste.

Italien-Wahl: Meloni-Team verteidigt sich gegen Vorwürfe

Sexismus sehen Meloni und ihr Team nicht. Ein Sprecher der rechten Politikerin erklärte gegenüber der britischen Tageszeitung Guardian, die Melonen seien lediglich Andeutung auf den Nachnamen Meloni – und das Narrativ, die 45-Jährige sei eine „Frau gegen Frauen“, „geschmacklos“ und „realitätsfern“. Zuvor hatte die Italienerin bereits mit einem Vergewaltigungsvideo, das sie auf Twitter teilte, Empörung ausgelöst.

Giorgia Meloni
Giorgia Meloni ist die Wahlsiegerin in Italien. © Oliver Weiken/dpa

Kritiker:innen befürchten, dass eine rechte Regierung für Frauen in Italien ein Rückschritt bedeutet. Die Brüder Italiens haben ein gemeinsames Bündnis mit der rechtspopulistischen Lega von Matteo Salvini und der Berlusconi-Partei Forza Italia. „Giorgia Meloni gewinnt – auch innerhalb ihrer Partei –, weil sie ‚Gott, Vaterland und Familie‘, dieses patriarchalische Konzept unserer Gesellschaft, nicht anrührt“, kritisierte Enrico Letta von der sozialdemokratischen Partei vor der Italien-Wahl.

„Melonis Politik ist sehr negativ für die Frauen“

„Melonis Politik ist sehr negativ für die Frauen“, meint Emma Bonino, langjährige Parlamentarierin, mehrmalige Ministerin, einst EU-Kommissarin und seit jeher Vorkämpferin für Frauenrechte in Italien. Von Emanzipation seien die Rechten weit entfernt. „Sie vertreten eine Politik, in der Frauen in ihren Rollen bleiben, als Heimchen am Herd, Mutter, Ehefrau.“ Meloni bedeute für Frauen einen „Rückschritt“, sagte Bonino.

Bei den Brüdern Italiens sieht man das naturgemäß anders. „Wir haben nicht nur die erste Ministerpräsidentin, sondern auch eine große Anzahl von Frauen, die ins Parlament gewählt wurden“, sagte Fratelli-Abgeordnete Lavinia Mennuni laut dem Guardian. „Aber ehrlich gesagt, geht es nicht darum, ob Meloni eine Frau ist oder nicht – sie ist einfach eine sehr gute Führungspersönlichkeit, die entschlossen und verständlich ist. Wir müssen aufhören, alles mit dem Etikett ‚feministisch‘ zu versehen.“ (tvd/dpa)

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