“Tod den USA!“

Iran pusht neuen Messenger-Dienst - mit diesen skurrilen bis schockierenden Emojis

Der Iran will den Messenger-Dienst Telegram verdrängen. Stattdessen gibt es eine App Marke Eigenbau - im Ausland sorgen vor allem die Emojis für Stirnrunzeln.

Teheran - Die von iranischen Hardlinern empfohlene Kommunikations-App Soroush bietet den Nutzern Emojis in Gestalt kleiner verhüllter Frauen mit speziellen politischen Botschaften an. So halten die schwarz verschleierten Figürchen Plakate mit Slogans wie „Nieder mit Israel“ oder „Nieder mit den USA“ hoch, wie das Nachrichtenportal Fararu am Freitag berichtete. Einige der Aufschriften richten sich auch gegen Dissidenten und Freimaurer. Soroush soll demnächst die im Iran beliebte App Telegram ersetzen.

Die Kommunikations-Apps sind im Iran seit Monaten ein Politikum. Besonders Telegram steht in der Kritik. Die App diente bei den regimekritischen Unruhen zum Jahreswechsel 2017/18 als wichtigstes Kommunikationsmittel der Demonstranten. Videos und Bilder der Proteste wurden über Telegram im In- und Ausland verbreitet. Daraufhin forderten besonders der Klerus und die Hardliner nicht nur die Blockierung von Telegram, sondern auch die Einführung eines staatlich kontrollierten Internets. Auch Russland hat unlängst Telegram gesperrt.

Die Alternative soll nun die im Iran entwickelte App Soroush werden - übersetzt „Stimme des Gewissen“. Das islamische Establishment wirbt für einen Umstieg von Telegram auf Soroush, mit geringer Resonanz. 

Im Iran reagiert die Bevölkerung laut einem Bericht des Portals heute.at schon jetzt mit schwarzem Humor. So kursiere im Netz bereits der Witz, das bei Soroush übliche dritte Häkchen unter versendeten und empfangenen Nachrichten zeigen an, dass auch ein Geheimdienstmitarbeiter die Message zur Kenntnis genommen habe.

Die Regierung von Präsident Hassan Ruhani ist strikt gegen ein Verbot von Telegram. Die Menschen sollten selbst entscheiden, welche App sie nutzen wollen. Genau so sieht es auch das Kommunikationsministerium. Telegram hat derzeit im Iran mehr als 40 Millionen Nutzer, Soroush laut unbestätigten Angaben fünf Millionen.

dpa/fn

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