Anschlag auf Jovenel Moïse

Nach Ermordung des Präsidenten – Haiti ruft UN-Truppen zu Hilfe

Haiti
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Die Regierung von Haiti hat nach der Ermordung des Präsidenten nun Hilfe durch die UN angefordert.

Haitis Präsident Jovenel Moïse wird von einem Mordkommando getötet. Tatverdächtige werden bereits festgenommen – und getötet. Nun soll die UN helfen.

Update von Sonntag, 11.07.2021, 07.15 Uhr: Die Witwe des ermordeten haitianischen Präsidenten Jovenel Moïse hat sich nun erstmals öffentlich geäußert.

Update von Samstag, 10.07.2021, 07.45 Uhr: Ein Vertreter der haitianischen Regierung hat US- und UN-Truppen angefordert, um nach der Ermordung von Präsident Jovenel Moïse strategisch wichtige Orte sichern zu können. „Während eines Gesprächs mit dem US-Außenminister und der UNO haben wir diese Bitte geäußert“, sagte der für Wahlangelegenheiten zuständige Minister Mathias Pierre am Freitag (09.07.2021) der Nachrichtenagentur AFP. Die Soldaten sollten unter anderem zur Sicherung der Häfen und des Flughafens eingesetzt werden.

Das US-Außenministerium und das Pentagon bestätigten beide den Erhalt einer Anfrage für „Sicherheits- und Ermittlungshilfe“ und erklärten, dass Beamte in Kontakt mit Port-au-Prince blieben. Die UNO äußerte sich zunächst nicht.
Moïse war in der Nacht zu Mittwoch in seinem Haus in Port-au-Prince erschossen worden. Nach Polizeiangaben war ein Killerkommando aus „26 Kolumbianern und zwei US-Bürgern haitianischer Herkunft“ an dem Attentat beteiligt. Fast 20 Verdächtige wurden festgenommen. International hatte der Anschlag, dessen Hintergründe unklar sind, Furcht vor einem weiteren Abgleiten des von Instabilität und Armut geprägten Karibikstaats in Gewalt ausgelöst.

Update von Freitag, 09.07.2021, 07.40 Uhr: Nach der Ermordung des haitianischen Präsidenten Jovenel Moïse droht der von Instabilität und Armut geprägte Karibikstaat noch tiefer ins Chaos abzurutschen. Der designierte Regierungschef Ariel Henry stellte am Donnerstag die Legitimität von Interims-Ministerpräsident Claude Joseph in Frage, der wenige Stunden nach Moïses Tod den Ausnahmezustand ausgerufen hatte. Nach Polizeiangaben wurde der Anschlag von hochprofessionellen "Söldner" aus Kolumbien und den USA verübt.

Soldaten der Dominikanischen Republik bewachen die Grenze zu Haiti in Jimani, Dominikanische Republik.

„Es war ein Kommando von 28 Angreifern, darunter 26 Kolumbianer, die die Operation zur Ermordung des Präsidenten durchführten“, sagte der Chef der Nationalpolizei, Léon Charles. 15 der kolumbianischen Staatsbürger sowie zwei US-Bürger mit haitianischen Wurzeln wurden demnach festgenommen, drei Kolumbianer getötet. Acht Angreifer befänden sich noch auf der Flucht. Die Polizei hatte am Mittwoch zunächst von vier erschossenen „Söldnern“ gesprochen.

Aus Bogotá hieß es, dass offenbar mindestens sechs der kolumbianischen Beteiligten „ehemalige Mitglieder der nationalen Streitkräfte“ seien. Er habe Polizei und Armee angewiesen, mit den haitianischen Behörden zusammenzuarbeiten, sagte Kolumbiens Verteidigungsminister Diego Molano.

Haitis Präsident erschossen: Polizei tötet vier Tatverdächtige

+++ 12.30 Uhr: Nach den tödlichen Schüssen auf Jovenel Moïse, Haitis Präsidenten, hat der UN-Sicherheitsrat das Attentat scharf verurteilt. Zudem rief das Gremium zur politischen Mäßigung auf. Man müsse nun alles vermeiden, das die Lage weiter destabilisiere, hieß es in einer Erklärung. Premierminister Claude Joseph hat mittlerweile den landesweiten Notstand ausgerufen.

Wie aus Behördenkreisen zudem publik wurde, wurden die vier Tatverdächtigen durch die Polizei getötet. Zwei weitere Männer wurden festgenommen. Drei Polizisten, die durch die Täter als Geißeln genommen wurden, konnten befreit werden.

Update von Donnerstag, 08.07.2021, 7.00 Uhr: Nach dem tödlichen Attentat auf Haitis Präsidenten Jovenel Moïse hat die Regierung die Festnahme von mehreren Tatverdächtigen bekannt gegeben. Die „mutmaßlichen Mörder“ seien von der Polizei am Mittwochabend (Ortszeit) gefasst worden, schrieb der stellvertretende Kommunikationsminister Frantz Exantus auf Twitter.

Moïse war nach Angaben von Regierungschef Claude Joseph in der Nacht zum Mittwoch von Attentätern in seinem Haus erschossen worden. Bei den Angreifern handelte es sich demnach um Englisch und Spanisch sprechende „Ausländer“. Moïses Frau Martine, die bei dem Attentat verletzt wurde, wurde zur Behandlung nach Miami ausgeflogen.

Regierungen weltweit reagierten bestürzt auf den Anschlag, der die Krise in dem von Instabilität und großer Armut geprägten Karibikstaat noch verschärfen dürfte. Der UN-Sicherheitsrat befasst sich am Donnerstag (08.07.2021) mit der Lage in Haiti.

Haiti: Präsident Jovenel Moïse ermordet

Erstmeldung von Mittwoch, 07.07.2021: Port-au-Prince – Haitis Präsident Jovenel Moïse ist nach Regierungsangaben ermordet worden. Moïse sei am Mittwochmorgen in seinem Haus von einem Mordkommando getötet worden, teilte der scheidende Regierungschef Claude Joseph mit. Auch die Frau des Präsidenten wurde bei dem Angriff demnach verletzt.

Joseph erklärte, er habe nun die Verantwortung für die Führung des Landes. „Der Präsident wurde in seinem Haus von Ausländern ermordet, die Englisch und Spanisch sprachen“, sagte er. Joseph rief die Bevölkerung zur Ruhe auf und kündigte an, Polizei und Armee würden für die Einhaltung der öffentlichen Ordnung sorgen.

Der 53-jährige frühere Geschäftsmann Moïse war im Jahr 2016 zum Präsidenten gewählt worden und hatte das Amt im Februar 2017 angetreten. Vor seinem Tod hatte er Haiti per Dekret regiert, nachdem eine Parlamentswahl unter anderem wegen Protesten gegen ihn verschoben worden war.

Anschlag auf Haiti: Präsident Jovenel Moïse ermordet

Moïse hatte den Regierungschef des Landes innerhalb von vier Jahren siebenmal ausgewechselt. Am Montag (05.07.2021) gab er die Ernennung des neuen Regierungschefs Ariel Henry bekannt, der Claude Joseph nach nur drei Monaten im Amt ablösen sollte.

Haiti ist das ärmste Land auf dem amerikanischen Kontinent. Insbesondere Entführungen und Lösegeldforderungen krimineller Banden sorgen in dem Karibikstaat für große Verunsicherung in der Bevölkerung. (cs/tu mit AFP/dpa/KNA/epd)

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