Vor der Landtagswahl

Grüner Höhenflug: Erste Fernsehduell-Teilnahme für die Öko-Partei

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Ludwig Hartmann beim politischen Frühschoppen auf dem Volksfest Gillamoos.

Am Mittwochabend bekommen die Grünen in Bayern ihren Ritterschlag: Dann dürfen sie zum ersten Mal in ihrer Geschichte in das Fernsehspitzenduell vor der Landtagswahl.

Am Mittwochabend bekommen die Grünen in Bayern ihren Ritterschlag: Dann dürfen sie zum ersten Mal in ihrer Geschichte in das Fernsehspitzenduell vor der Landtagswahl, obwohl sie bei der Wahl 2013 nur viertstärkste Kraft waren. Doch die stabil starken Umfragewerte mit gerade wieder ermittelten 18 Prozent gaben den Ausschlag. Die Werte sind auch Verdienst des pragmatischen Spitzenduos Ludwig Hartmann und Katharina Schulze.

Hartmann trägt das Duell mit Ministerpräsident Markus Söder (CSU) aus. Für den am 20. Juli 1978 in Landsberg am Lech geborenen 40-Jährigen ist das eine doppelte Chance. Er kann versuchen, den wegen der Umfrageschwäche der CSU angeschlagenen Söder weiter ins Wanken zu bringen. Außerdem kann Hartmann zur besten Sendezeit seinen ausbaufähigen Bekanntheitsgrad erhöhen.

Die Eltern waren schon bei den Grünen

Hartmann ist im wahrsten Wortsinn ein Kind der ersten Generation der Grünen: Seine Eltern waren schon in den Anfängen in der Ökopartei, seine Tante war in Bayern Grünen-Landtagsfraktionschefin. Mit seinem Vater und einem Bruder sitzt Hartmann bis heute im Stadtrat seiner Heimatstadt.

Dort unterlag er 2012 nur hauchdünn als Oberbürgermeisterkandidat dem CSU-Kandidaten. Ein Jahr später wurde der studierte Kommunikationsdesigner nach der Landtagswahl Fraktionschef. Der smarte Grüne bekam dabei kurz nach der Wahl von der "Süddeutschen Zeitung" eine Charakterisierung, die ihm wenig geschmeichelt haben dürfte: Er habe etwas "Söderhaftes" an sich, schrieb das Blatt über sein Talent für Selbstvermarktung.

Noch eine andere Parallele zu Söder zeigt der Oberbayer. Er besitzt einen ausgeprägten Machtwillen. Hartmann zog dafür ein früher unter Bayerns Grünen undenkbares Bündnis mit der CSU ins Kalkül und zeigte eigenes Interesse an einem Ministeramt. Doch als die CSU im Frühjahr im Flüchtlingsstreit verbal immer radikaler wurde, beendete er den Flirt.

Auch Katharina Schulze machte nie ein Geheimnis daraus, dass sie lieber mitregieren will. Allerdings erklärte auch Schulze die Koalitionsüberlegungen wegen der schrillen CSU-Töne wie dem von Söder benutzten Wort "Asyltourismus" für beendet. Ob das auch nach der Landtagswahl so bleiben wird, ist abzuwarten.

Hartmann und Schulze haben die gesellschaftliche Mitte im Auge

Schulze kam am 20. Juni 1985 in Freiburg zur Welt. Sie wuchs in Herrsching am Ammersse in Oberbayern auf, seit dem Studium der interkulturellen Kommunikation, Politikwissenschaft und Psychologie liegt ihr Lebensmittelpunkt in München.

Die leidenschaftliche Handballerin zog 2013 in den Landtag ein, wo sie bereits in ihrer ersten Legislaturperiode im vergangenen Jahr neben Hartmann Fraktionsvorsitzende und danach auch Kospitzenkandidatin wurde. Schulze steht für Pragmatismus. Nachdem bei den bayerischen Grünen früher radikale Forderungen von Fundis die bürgerlichen Wähler verschreckten, bewegte sie zusammen mit Hartmann die Partei stärker in die gesellschaftliche Mitte.

Dabei kann sie sich zusammen mit ihrem Kospitzenkandidaten auf die Fahne schreiben, viel früher als etwa die Regierungspartei CSU die Nöte der Münchner erkannt zu haben. Schulze setzte sich an die Spitze des weit über die Grünen hinaus reichenden Widerstands gegen eine Olympiakandidatur Münchens und eine dritte Startbahn am Münchner Flughafen. Die Projekte lösten bei vielen Münchnern Ängste vor einem noch weiter wachsenden sozialen Druck in Deutschlands teuerster Stadt aus.

Vorwurf der Verbotspartei

Söder versucht, die Grünen wegen solcher Antiinitiativen schon länger als eine reine Verbotspartei abzustempeln, mit der keine Politik zu gestalten ist. Vermutlich wird er dies auch am Mittwoch machen - Hartmann dürfte aber darauf vorbereitet sein.

Als Warnung gilt ihm dabei das Jahr 2013, als die bayerischen Grünen in der bundespolitischen Debatte über einen staatlich verordneten Fleischverzicht an sogenannten Veggie Daya von Umfragewerten von 15 Prozent auf am Ende 8,6 Prozent beim Wahlergebnis abstürzten. Ein tiefer Fall, dessen Wiederholung Hartmann mit einem starken Auftritt im Fernsehduell verhindern will.

AFP

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