Selbstmordattentäter ging besonders perfide vor

Zehn Journalisten bei Anschlägen in Afghanistan getötet

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Anschlägen in Afghanistan.

Gleich zwei Bomben explodieren kurz hintereinander in Afghanistans Hauptstadt. Die zweite trifft eine Gruppe Journalisten. Der Selbstmordattentäter ging dabei besonders perfide vor.

Kabul - Bei einer Serie blutiger Anschläge haben Attentäter am Montag in Afghanistan Journalisten, Soldaten und zahlreiche Zivilisten ins Visier genommen. In Kabul sprengten sich zwei Selbstmordattentäter in die Luft. Mindestens 25 Menschen wurden getötet, unter ihnen ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP und weitere Journalisten. Im Osten des Landes starb ein BBC-Reporter bei einem Anschlag. Im Süden gab es einen Anschlag auf einen Nato-Konvoi, dabei wurden elf einheimische Kinder getötet.

Insgesamt starben am Montag zehn Journalisten bei Anschlägen in Afghanistan. Reporter Ohne Grenzen sprach vom blutigsten Tag für Journalisten in dem Land seit dem Sturz der Taliban 2001.

Die beiden Anschläge in der Hauptstadt Kabul erfolgten in kurzem Abstand und waren offenbar aufeinander abgestimmt. Zunächst sprengte sich ein Selbstmordattentäter auf einem Motorrad nahe dem Sitz des Geheimdienstes NDS in die Luft und tötete mehrere Menschen. Als Journalisten zum Anschlagsort eilten, sprengte sich ein zweiter Selbstmordattentäter in die Luft.

Dabei wurden neun Journalisten getötet, unter ihnen der AFP-Cheffotograf in Kabul, Shah Marai. Neben dem AFP-Fotografen starben laut Reporter Ohne Grenzen Mitarbeiter für die afghanischen Fernsehsender 1TV, Tolo News und Maschal TV sowie von Radio Azadai, dem afghanischen Ableger des US-Senders Radio Free Europe.

Reporter Ohne Grenzen warf den Tätern vor, mit der zweiten Explosion am Anschlagsort "bewusst auf die Presse gezielt" zu haben.

49 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt, wie das Innenministerium mitteilte. Laut Reporter Ohne Grenzen wurden auch sechs Journalisten schwer verletzt.

Zu der Tat bekannte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). "Der Attentäter hat sich als Journalist getarnt und sich in der Menge in die Luft gesprengt", sagte Polizeisprecher Haschmat Staniksai. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen hatte er zur Tarnung eine Kamera dabei.

Marai arbeitete seit 1996 für AFP. Er fing als Fahrer an und fotografierte zunächst nur nebenbei. Unter anderem berichtete er über die Herrschaft der islamistischen Taliban in Afghanistan und den Einmarsch der US-Truppen im Jahr 2001. Ab 2002 arbeitete er hauptberuflich als Fotograf für AFP und wurde Cheffotograf im Kabuler Büro. Marai hinterlässt sechs Kinder, darunter eine neugeborene Tochter.

AFP-Informationsdirektorin Michèle Léridon äußerte sich bestürzt über Marais Tod. Sie würdigte Marais "außergewöhnliche Kraft". Sein Tod sei ein "verheerender Schlag" für die mutigen Kollegen im Kabuler Büro und die Agentur insgesamt.

Der afghanische IS-Ableger Provinz Chorasan erklärte in einer Mitteilung im Messengerdienst Telegram, ein Attentäter mit einer Sprengstoffweste habe die Sicherheitskräfte und Journalisten "überrascht", die nach dem ersten Attentat zum Tatort gekommen seien.

Ein weiterer Journalist wurde am Montag in der Unruheprovinz Chost im Osten des Landes getötet. Dort starb der afghanische BBC-Journalist Ahmed Shah bei einem Angriff, wie sein Sender mitteilte. Der 29-Jährige habe für BBC Afghanistan gearbeitet, das ein Programm in den Landessprachen ausstrahlt. Zu den Details des tödlichen Anschlags machte die BBC keine Angaben.

Im Süden des Landes geriet ein Nato-Konvoi ins Visier eines Selbstmordattentäters. Die Explosion tötete nach Behördenangaben elf Kinder, die sich um den Konvoi geschart hatten. Acht Nato-Soldaten aus Rumänien seien verletzt worden, teilte die Militärallianz mit.

Der Anschlag ereignete sich nahe dem Flughafen Kandahar, mit dessen Schutz rumänische Nato-Soldaten betraut sind. Die Nato nutzt den Flughafen für ihre Afghanistan-Mission Resolute Support.

Zunächst war unklar, wer hinter diesem Sprengstoffattentat steckt. Neben dem IS verüben auch die Taliban immer wieder blutige Anschläge. Die Taliban-Kämpfer hatten vor einiger Zeit ihre jährliche Frühjahrsoffensive gestartet.

afp

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