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Bus und Bahn dauerhaft billig? Klimaticket soll 9-Euro-Ticket ersetzen

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Von: Jens Kiffmeier

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Kehrtwende beim 9-Euro-Ticket: Die Ampel will die Rabattaktion im Entlastungspaket 2022 doch verlängern. Das Klimaticket soll Bus und Bahn billig halten.

Berlin – Große Überraschung in der Energiekrise: Entgegen bisheriger Ankündigungen denkt die Bundesregierung wohl doch über eine Verlängerung des 9-Euro-Tickets nach. So plant die Ampel, die erfolgreiche Rabattaktion aus dem Entlastungspaket 2022 dauerhaft durch die Einführung eines Klimatickets zu ersetzen. Um die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) hochzuhalten, wolle man im Anschluss an das befristete „9 für 90“-Ticket eine länderübergreifende Monats- oder Jahresfahrtkarte für Bus und Bahn „finanziell unterstützen“, heißt es in einem Entwurf zum Klimaschutzprogramm. In Österreich gibt es das Modell bereits.

Entlastungspaket 2022: Aus dem 9-Euro-Ticket soll das Klimaticket für Bus und Bahn werden

Das 9-Euro-Ticket gilt in Deutschland bereits als großer Erfolg. Es ist zentraler Bestandteil vom Entlastungspaket 2022, mit dem die Ampel-Koalition von Kanzler Olaf Scholz (SPD) auf die gestiegenen Energiepreise reagiert hat. Seit dem 1. Juni können die Deutschen das Ticket kaufen und damit einen Monat lang kreuz und quer durch Deutschland fahren. Es gilt in allen Bussen und Bahnen des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV), nicht aber im Fernverkehr. Jedoch läuft die Rabattaktion nur bis einschließlich August, was zuletzt den Ruf nach einer Verlängerung der Maßnahme oder nach der Einführung eines Klimatickets nach österreichischem Vorbild lauter werden ließ.

Billiges Zugfahren: Die Bundesregierung plant die Einführung eines Klimatickets. Es soll das 9-Euro-Ticket aus dem Entlastungspaket 2022 ersetzen. Auf dem Bild drängen vielen Menschen in einen Zug.
Billiges Zugfahren: Die Bundesregierung plant die Einführung eines Klimatickets. © Fabian Sommer/dpa

Offenbar prüft die Bundesregierung bereits, ob der Billigrabatt in irgendeiner Form dauerhaft weitergeführt werden kann. Wie das Handelsblatt berichtet, ist dies aber zunächst nur eine Idee. Konkrete Konditionen für ein mögliches Klimaticket wurden noch nicht festgelegt. Es könnte ebenso wie das 9-Euro-Ticket zu Fahrten in allen Bussen und Bahn im ÖPNV in Deutschland berechtigen, aber wahrscheinlich nicht zu dem ganz niedrigen Preis.

Klimaticket: Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte Verlängerung vom 9-Euro-Ticket im Entlastungspaket noch abgelehnt

Zuletzt hatte sich Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) gegen die Forderung nach einer Verlängerung des 9-Euro-Tickets gesträubt und die Debatte abgewürgt. Die Aktion sei zeitlich befristet, hatte der Liberale betont und dabei auf die hohen Kosten verwiesen. Jeden Monat muss der Bund den Ländern, die für die Bereitstellung des regionalen Bus- und Schienenverkehrs zuständig sind, einen Ausgleich für die ausgefallenen Ticketpreise überweisen. Die Kosten belaufen sich auf knapp eine Milliarde Euro – pro Monat.

Klimaticket – nach Vorbild von Österreich?

Deutschland diskutiert die Einführung von einem Klimaticket. In Österreich gibt es das schon. Mit dem Klimaticket Ö können die Kundinnen und Kunden ein Jahr lang alle Linien im öffentlichen und privaten Schienenverkehr landesweit nutzen. Gültig ist es dabei im Regional- wie im Fernverkehr. Im Vergleich zum deutschen 9-Euro-Ticket hat es aber seinen Preis: Rund 1095 Euro kostet die Karte.

Doch das Klimaschutzprogramm setzt die Politik und den Verkehrsminister unter Druck. Darin will die Ampel-Koalition festlegen, wie bis zum Jahr 2030 die CO2-Emissionen im Land gesenkt werden sollen, um die Klimaziele zu erreichen. Alle Ministerien müssen dafür Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) Vorschläge vorlegen. Mitte Juli soll das Bundeskabinett das Programm dann verabschieden. Um im Verkehrssektor ein Einsparpotenzial zu heben, müssen mehr Autofahrer zum Umstieg auf den ÖPNV überredet werden. Bislang wollte Wissing dies vor allem durch Investitionen in die Infrastruktur erreichen. Doch allmählich setzt sich offenbar die Erkenntnis durch, dass dafür auch billige Tarife notwendig sind.

Klimaticket oder 365-Euro-Ticket: Öffentlicher Nahverkehr (ÖPNV) soll dauerhaft billig sein

In vielen Ländern, aber auch in den Regierungs- und Oppositionsfraktionen dürfte die Bundesregierung mit dem Klimaticket für den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) offene Türen einrennen. So fordert die Linke bereits seit Wochen vehement die Einführung eines 365-Euro-Tickets, das das ganze Jahr über gelten soll. Dies sei „machbar und finanzierbar“, betonte der Linken-Verkehrsexperte Bernd Riexinger im Gespräch mit kreiszeitung.de. Und auch die Verbraucherzentralen sprachen sich bereits für eine dauerhafte Rabattaktion aus, und zwar in Form eines 29-Euro-Tickets.

Neues Entlastungspaket? Finanzminister Christian Lindner sieht wenig Spielräume

Doch am Ende muss alles finanzierbar sein. In der Bundesregierung werden nun erst einmal alle Ideen gesammelt, abgewogen und gegengerechnet. Mit Blick auf die hohen Energiekosten hatte Finanzminister Christian Lindner (FDP) bereits neue Entlastungspakete für die Bürgerinnen und Bürger ausgeschlossen. Die finanziellen Spielräume seien immer enger, bestätigte auch Sozialminister Hubertus Heil (SPD). Drin seien nur noch punktuellen Finanzhilfen für einkommensschwache Haushalte.

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Doch beim Klimaticket geht es letztendlich nicht nur um einen Ausgleich für die hohen Energiepreise, sondern primär auch um den Klimaschutz. Deswegen gilt es nicht als ausgeschlossen, dass die Ampel-Koalition grünes Licht für den dauerhaften Rabatt in Bus und Bahn gibt.

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