Selbst Putin-Eklat zeigt keine Wirkung

Ein Flop nach dem anderen - darum bleiben Trumps Wähler trotzdem treu

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Donald Trump am Donnerstag beim Treffen mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im Rosengarten des Weißen Hauses

Donald Trump reiht Skandal an Skandal. Sogar Erzkonservative jammern über den Kurs des US-Präsidenten. Trotzdem brechen die Umfragewerte nicht ein - wegen eines cleveren Tricks?

Washington - Alle paar Wochen ist es soweit, zumindest gefühlt: Donald Trump tut einen Fehltritt, der ihm im konservativen Amerika eigentlich das Präsidentenamt kosten müsste... wenn nicht gar überall auf der Welt.

Trump fällt den eigenen Geheimdiensten in den Rücken, um mit dem alten Erzfeind Russland zu klüngeln und liefert als Entschuldigung eine skurrile Räuberpistole. Trump wird mehrerer Affären und des Zahlens von Schweigegeld bezichtigt. Trump schwadroniert schon vor Amtsantritt auf offener Bühne über das straflose Erschießen von Menschen und gibt Tipps für sexuelle Übergriffe auf Frauen. Trump wechselt Minister beinahe wie andere Präsidenten Unterhosen - und das sind nur ein paar Highlights der vergangenen Monate und Jahre.

Trump blamiert sich in Russland - die Zustimmung unter den Republikanern wächst

Trotzdem lässt sich eines nicht leugnen: Donald Trump ist weiterhin Präsident der Vereinigten Staaten. Tatsächlich steht er in den Umfragen - wenn schon nicht glänzend - dann doch immerhin auf erträglichem Niveau stabil da. Auf 42 Prozent Zustimmung kam Trump am Stichtag 22. Juli - also nach seiner umstrittenen Russland-Reise - laut einer Erhebung des Instituts Gallup. Eine Woche zuvor waren es 43 Prozent.

Kurz gefasst: Konservative mögen ebenso toben wie Liberale, Trumps Anhängerschaft schert es offenbar nicht. Eine Erhebung der NBC und des Wall Street Journal sah den US-Präsidenten während seiner Moskau-Reise sogar einen Prozentpunkt an Unterstützern gewinnen, auf nunmehr 45 Prozent. Unter Anhängern der Republikaner unterstützten 88 Prozent der Befragten den Präsidenten - ein neuer Spitzenwert für Trump. „Je mehr Trump von den Medien kritisiert wird, umso mehr scheint seine Basis hinter ihm zu stehen“, sagte Meinungsforscher Fred Yang der NBC.

Glauben die Wähler also tatsächlich Trumps regelmäßige „Fake News“-Anschuldigungen? Ganz so einfach ist es nicht - jedenfalls, wenn man einer Analyse des konservativen Autors und Wissenschaftlers Henry Olsen im Guardian folgt. Olsens These: Trumps Wähler sind sehr unterschiedlich. Geeint wurden sie 2016 nicht zuletzt ihre Ablehnung für Gegenkandidatin Hillary Clinton. Dennoch bringe Trump sie mit einem alten Polit-Trick unter einen Hut.

Fünf verschiedene Wähler-Gruppen - alle bekommen ihr Zuckerl

Satte fünf Hauptgruppen von Trump-Wählern macht Olsen unter Verweis auf eine Studie seiner Kollegin Emily Ekins aus. Von „überzeugten Konservativen“ über „Eliten-Kritiker“ und „Bewahrer der USA“ bis zu „Anhängern des freien Marktes“ und „Desinteressierten“. Eigentlich eine schwierige Lage. Die Trump aber - bewusst oder unbewusst - pragmatisch beantwortet habe: "Trump hat darauf geachtet, jeder Gruppe das zu geben, was sie am dringendsten will, so wie jeder gute Politiker es tun würde", erklärt Olsen.

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Als Beispiel nennt er evangelikale Christen: Viele Handlungen und Worte Trumps mögen dieser Gruppe übel aufstoßen - gleichwohl habe Trump diesen Wählern etwa mit der Nominierung des konservativen Richters Brett Kavanaugh für den Obersten Gerichtshof einen wichtigen Wunsch erfüllt, den ihnen ein demokratischer Präsident verwehrt hätte. Ebenso seien Anhänger der freien Marktwirtschaft eigentlich wesentlich liberaler als der US-Präsident in Sachen Zuwanderung eingestellt. Trumps Steuererleichterungen könnten aber der Punkt sein, der sie bei der Stange hält. Zupass kommen dürfte den Republikanern auch das amerikanischer Wahlsystem - zur Wahl stehen nur Demokraten und Republikaner. Ein Mittelweg - wie in Deutschland mit den mittlerweile sechs Bundestagsfraktionen - ist nicht verfügbar.

Trumps Wiederwahl nicht ausgeschlossen: Passiert das aus europäischer Sicht Unvorstellbare?

Im Ergebnis dürften, so lässt sich schließen, viele Trump-Wähler in vielen Punkten unzufrieden sein: Umfragen zeigten, dass ungewöhnlich viele Republikaner in Umfragen zwar „Zustimmung“, aber keine „starke Zustimmung“ zu Trumps Leistung im Amt äußerten, schreibt Olsen. Am Ende könnten sie Trump trotzdem treu bleiben - allen Eklats zum Trotz. „Viel von dem, was Trump sagt oder tut, ist schon längst eingepreist“, meint der konservative Kommentator mit Blick auf die Umfragewerte.

„Das könnte ihn nicht nur politisch am Leben halten, es könnte ihm auch genügen, um in zwei Jahren gegen einen starken progressiven Kandidaten wiedergewählt zu werden“, orakelt Olsen. Das halten übrigens auch die Meinungsforscher nicht für unmöglich.

Denn einerseits sind Trump Zustimmungswerte im Vergleich mit seinen Amtsvorgängern nach dem zweiten Weltkrieg ziemlich mickrig, wie ein Vergleich der Webseite FiveThirtyEight recht eindrücklich zeigt. Nur Harry S. Truman und Jimmy Carter standen zum gleichen Zeitpunkt ihrer Präsidentschaft schlechter da. Zugleich haben aber auch viele Präsidenten von einem nur unwesentlich stärkeren Startpunkt ihr Amt doch noch verteidigt - Barack Obama und Ronald Reagan wiesen nach 500 Tagen im Amt kaum bessere Umfragewerte auf.

Womöglich beinhaltet Trumps wundersame Standfestigkeit in den Umfragen ja auch eine potenzielle erhellende Erkenntnis für die europäische Landschaft: Wenn die Politik die Wähler in den Hauptpunkten zufriedenstellt, dann kann auch der gröbste Shitstorm nichts anrichten. Vor dem hatten, so schien es, Deutschlands Politiker in den letzten Wahlkämpfen immer am meisten Angst.

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fn

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