Corona-Maßnahmen

Aerosol-Forscher: Verbot von Weihnachtsmärkten macht „absolut keinen Sinn“

Viele Weihnachtsmärkte werden aufgrund hoher Corona-Fallzahlen abgesagt. Aerosol-Forschende kritisieren diese Maßnahme.
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Viele Weihnachtsmärkte werden aufgrund hoher Corona-Fallzahlen abgesagt. Aerosol-Forschende kritisieren diese Maßnahme.

Zahlreiche Städte sagen ihre Weihnachtsmärkte noch wegen hoher Corona-Fallzahlen kurzfristig ab. Doch macht diese Maßnahme überhaupt Sinn?

Kassel – Weihnachten rückt immer näher. Doch in manchen Städten gibt es dieses Jahr weder Glühwein noch gebrannten Mandeln und auch keine Bratwurst: Immer mehr Weihnachtsmärkte werden jetzt noch kurzfristig abgesagt. In Sachsen und Bayern, wo die Infektionszahlen besonders hoch sind, sind sie sogar landesweit verboten.

Zwei Aerosol-Experten halten diese Corona*-Maßnahme allerdings für ungerechtfertigt und äußern scharfe Kritik. Ihnen zufolge ergibt es keinen Sinn, die Veranstaltungen abzusagen.

Absage von Weihnachtsmärkten: Forschende kritisieren Corona-Maßnahme

Politikerinnen und Politiker verteidigen die Entscheidung, die Weihnachtsmärkte abzusagen, damit, dass man somit Kontakte verringern könne. Laut Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gibt es dort „keine effektive Kontrolle“. Um das Corona-Infektionsgeschehen einzudämmen, sei die Absage eine Maßnahme im Sinne der Pandemiebekämpfung. Zwei Aersol-Experten sehen das allerdings vollkommen anders.

„Aus aerosolphysikalischer Sicht macht ein Verbot von Weihnachtsmärkten absolut keinen Sinn“, sagte der Aerosol-Forscher Gerhard Scheuch gegenüber der HNA*. Im Freien seien Ansteckungen mit dem Virus eher unwahrscheinlich. Scheuch ist mit seinen Corona-Videos auf Youtube* sehr erfolgreich. Auch der Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung, Christof Asbach, teilt diese Meinung. „Ich befürchte, dass eine generelle Schließung verstärkt dazu führt, dass die Menschen sich im privaten Umfeld in Innenräumen treffen, was das Infektionsrisiko deutlich erhöht“, so Asbach.

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Aerosol-Experten einig: So könnte der Weihnachtsmarkt in der Corona-Welle sicher ablaufen

Laut den beiden Aerosolforschern sollte man bei den Weihnachtsmärkten besser darauf achten, dass ausreichend Abstand eingehalten werden kann. Zudem könne eine Beschränkung der Besucherzahl dabei helfen, mehr Sicherheit zu gewährleisten. Eine Maskenpflicht, so wie es sie auf einigen Veranstaltungen im Freien gibt, sei jedoch nicht nötig. Lediglich an Orten, wo sich Menschen über einen längeren Zeitraum aufhalten, zum Beispiel am Glühweinstand, sei sie sinnvoll.

Ein anderer Experte könne wiederum sehr wohl verstehen, warum viele Weihnachtsmärkte mitten in der vierten Welle noch abgesagt werden. So auch der Virologe Martin Stürmer. Die Durchführung solcher Märkte sei zum jetzigen Zeitpunkt unangebracht und gefährlich. „Solche Veranstaltungen sind ein Risiko“, sagte er der Hessenschau. Die Corona-Lage könne sich dadurch noch weiter zuspitzen. (Alina Schröder)

In Niedersachsen gelten aufgrund hoher Corona-Fallzahlen verschärfte Regelungen auf Weihnachtsmärkten - unter anderem in Göttingen*. Auch auf dem Weihnachtsmarkt in Kassel wurden die Corona-Maßnahmen* noch einmal angezogen. *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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