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Er ist hochdekorierter Mediziner: Bruder von Kanzler Scholz zerlegt Lauterbachs Corona-Politik

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Von: Patrick Mayer

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Bundesgesundheitsminister: Karl Lauterbach von der SPD.
Bundesgesundheitsminister: Karl Lauterbach von der SPD. © Fabian Sommer/dpa

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach setzt wegen Corona vehement auf eine Fortsetzung der Tests. Kritik kommt nun ausgerechnet vom Bruder von Kanzler Olaf Scholz. Und zwar deutlich.

München/Berlin/Kiel - Schwere Kritik an der Corona-Politik von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Der Bruder von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat zu einem Ende der flächendeckenden Testungen aufgerufen und angesichts der derzeitigen Sommerwelle vor Panikmache gewarnt. Jens Scholz ist selbst Mediziner und Vorstandsvorsitzender der Uni-Klinik Schleswig-Holstein mit Sitz in Kiel sowie Lübeck.

Corona-Tests in Deutschland: Scholz-Bruder fordert Ende der Testungen

„Wir testen uns in Deutschland zu Tode“, sagte er der Tageszeitung Welt und forderte: „Diese Panik muss ein Ende haben.“ Der Professor, der zu Anästhesiologie, Notfallmedizin und Intensivmedizin forscht, begründete seine Kritik mit zu hohen Ausfallzahlen unter Klinik-Mitarbeitern. „Wir müssen zu viele Mitarbeitende in Quarantäne schicken, die zwar einen positiven Test haben, sich aber gut fühlen, nicht mehr infektiös sind und eigentlich arbeiten gehen könnten. Dies gefährdet die Versorgung unserer Patienten, zum Beispiel bei Herzinfarkt, Schlaganfall oder Krebs“, erklärte er.

Wir sollten mit Corona umgehen wie mit der Grippe.

Jens Scholz, Bruder von Kanzler Scholz und Mediziner

Jens Scholz schlug im Gespräch mit der Welt deshalb vor: „Wir sollten mit Corona umgehen wie mit der Grippe: Wer krank ist, bleibt zu Hause. Dafür brauchen wir weder Schnelltests noch Quarantänevorschriften.“ Um Patienten zu schützen, würde das Tragen von FFP2-Masken reichen, meinte er.

Am Wochenende fehlten allein am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein rund 600 Mitarbeiter wegen Isolation. Schon vor Wochen hatte Andreas Gassen, der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), eine komplette Einstellung der Corona-Bürgertests gefordert. 

Im Video: Wann kommt die vierte Corona-Impfung in Deutschland?

„Diese unsinnigen Tests müssen abgeschafft werden. Sie sind viel zu teuer, der bürokratische Aufwand ist riesig und die epidemiologische Aussagekraft ist Null“, sagte Gassen der Bild-Zeitung. Es sei eine „völlig sinnfreie Veranstaltung, anlasslos gesunde Menschen mit fragwürdiger Qualität zu testen“, erklärte er. Die KBV und die Kassenärztlichen Vereinigungen bundesweit hatten sich am 30. Juni in einem Schreiben direkt an Lauterbach gerichtet und erklärt, dass sie Bürgertestungen „zukünftig nicht mehr abrechnen und auszahlen können“.

Corona-Politik in Deutschland: Karl Lauterbach will Tests weiter durchsetzen

Lauterbach sprach daraufhin ein Machtwort und erklärte bei Twitter: „Mit der KBV und Herrn Gassen sind wir schon in konstruktiven Gesprächen zur Abrechnung der Bürgertests. Die Tests werden bleiben und ab heute korrekt abgerechnet. Die sind nicht sinnfrei, sondern helfen, dass Infizierte andere nicht anstecken.“ Die neuen Regelungen sehen in der Bundesrepublik seit Anfang Juli vor, dass es kostenlose Tests nur noch für Risikogruppen und andere Ausnahmefälle gibt. Zuvor waren die Corona-Bürgertests überall und für Jedermann kostenlos.

Während sich viele Bürger in Deutschlands U-Bahnen und Bussen trotz hoher Infektionszahlen nicht mal mehr an die Maskenpflicht halten, folgt nun die nächste Kritik an der Corona-Politik Lauterbachs. Und zwar unter einem prominenten Nachnamen. (pm)

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