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Corona: PCR-Tests könnten beschränkt werden – Gesundheitsminister diskutieren neue Strategie

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Von: Tim Vincent Dicke

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Corona-Testzentrum
Die Nachfrage nach PCR-Tests ist zuletzt stark gewachsen. (Symbolbild) © Julian Stratenschulte/dpa

Bei einer Videokonferenz zwischen Karl Lauterbach und den Gesundheitsministern der Bundesländer stand die Corona-Teststrategie im Fokus.

+++ 22.55 Uhr: Die Gesundheitsminister der Länder haben den niedergelassenen Ärzten mit Blick auf die schnelle Verbreitung der Corona-Variante Omikron Unterstützung zugesagt. In einer Videkonferenz am Montagabend baten sie das Bundesgesundheitsministerium, die Regeln zur telefonischen Krankschreibung bei Atemwegserkrankungen* zu verlängern. Die Ärzte bräuchten diese Unterstützung, „damit sie nicht von Patienten überrollt werden“, sagte Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne nach den Beratungen. Die SPD-Politikerin ist aktuell Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz.

Außerdem soll es nach wie vor möglich sein, dass ärztliche und psychotherapeutische Konsultationen digital erfolgen. Auch einen Rettungsschirm für Praxen soll es geben, wenn diese einen hohen Ausfall von Personal haben oder nicht akute Behandlungen verschoben werden müssten. Das Bundesgesundheitsministerium, unter der Leitung von Karl Lauterbach, soll darüber hinaus die Kostenübernahme bei der Aufnahme ausländischer Patienten in Deutschland klären.

Corona: PCR-Tests könnten beschränkt werden – Gesundheitsminister diskutieren neue Strategie

Update vom Montag, 17.01.2022, 20.15 Uhr: Die Gesundheitsminister der Länder diskutieren über eine Änderung der Corona-Teststrategie. So wollen sie einer Überlastung der Laborkapazitäten entgegenwirken. Das geht aus einem Beschlussentwurf hervor, der den Gesundheitsministern vor einer Videokonferenz am Montagabend vorlag. Bei hohen Infektionszahlen sollen PCR-Tests künftig auf „symptomatische Personen und gegebenenfalls vulnerable Gruppen“ beschränkt werden.

Antragsteller ist das Land Berlin. Dort ist die Nachfrage nach PCR-Tests derzeit zum Teil größer als das Angebot. Laut dem Antrag soll bei Personen mit einer symptomfreien Corona-Infektion nach einem positiven Schnelltest auf einen PCR-Test als Bestätigung verzichtet werden. Auch wenn die Corona-Warn-App auf Rot springt, soll künftig nur noch ein Schnelltest erfolgen, heißt es.

Eine Freitestung aus der Quarantäne oder einer Isolierung soll ebenfalls „ausschließlich“ mit einem „qualitativ hochwertigen und gegebenenfalls laborbasierten Antigentest“ durchgeführt werden. Lediglich bei Beschäftigten der kritischen Infrastruktur wie in Pflegeheimen und Krankenhäusern soll möglicherweise noch ein PCR-Test erfolgen.

Gesundheitsminister beraten über Corona-Lage

Erstmeldung: Berlin – Die Gesundheitsministerinnen und -minister der Bundesländer beraten am Montag (17.01.2022) ein weiteres Mal über ihr Vorgehen in der Corona-Pandemie in Deutschland*. An der Videokonferenz, die unter dem Eindruck der Ausbreitung der Omikron-Variante und eines damit verbundenen starken Anstiegs der Neuinfektionen steht, wird auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) teilnehmen.

Die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Sachsen-Anhalts Ressortchefin Petra Grimm-Benne (SPD*), wird im Anschluss über die Ergebnisse informieren (20 Uhr).

Corona: Karl Lauterbach ruft vor Treffen der Gesundheitsminister zum Testen auf

Auf der Agenda dürften die Themen Schnelltests und die kontrovers diskutierte Impfpflicht stehen. Karl Lauterbach hatte die Bürgerinnen und Bürger im Vorfeld des Gesundheitsministertreffens in einem Interview dazu aufgerufen, sich mehrmals pro Woche mit einem Schnelltest auf das Coronavirus zu testen.

Der Bild am Sonntag sagte er: „Dann haben sie eine gute Sicherheit, dass sie bei einem negativen Ergebnis auch wirklich nicht infiziert sind.“ Die Wiederholungen des Tests seien nötig, weil am Anfang einer Infektion die Schnelltests nicht immer anschlügen.

Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit, nimmt an der Videokonferenz des Expertenrats der Bundesregierung zur Corona-Pandemie teil.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) berät sich am Montag (17.01.2022) mit den Gesundheitsministerinnen und -ministern der Länder. © Michael Kappeler/dpa

Auch Menschen, die bereits eine Booster-Impfung gegen Corona erhalten haben, sollten Karl Lauterbach zufolge nach Kontakt zu einem Infizierten noch vorsichtiger sein und „jeden Tag einen Schnelltest machen“. Wer sich eine Woche durchgetestet habe, sei „auf der sicheren Seite“. An den Tagen nach dem Kontakt rät Lauterbach zum konsequenten Tragen von FFP2-Masken, „sobald man mit Menschen in einem Raum ist“.

Karl Lauterbach vor Treffen der Gesundheitsminister: Drei Corona-Impfdosen wichtig

Karl Lauterbach forderte vor dem Gesundheitsministertreffen außerdem, dass zur Erfüllung der geplanten Impfpflicht drei Corona-Impfungen vorgeschrieben* werden. „Eine vollständige Impfung besteht aus drei Dosen“, sagte der Bundesgesundheitsminister der BamS. Derart Geimpfte seien „gegen alle Corona-Varianten – zumindest vor schwerer Krankheit und Tod – geschützt“. „Daran muss sich die Impfpflicht orientieren“, forderte der SPD-Mann.

Weltweit herrsche große Einigkeit zwischen Fachleuten: „Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass eine Variante entsteht, gegen die man als dreifach Geimpfter keinen Schutz hat“, sagte Lauterbach.

Gesundheitsminister-Konferenz: Kubicki geht von vierter Corona-Impfung aus

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki nimmt vor dem Treffen bereits die zweite Corona-Auffrischungsimpfung in den Blick. „Die Zahlen aus Israel* zeigen uns, dass die Wirkung der Impfstoffe* drei Monate nach der Auffrischungsimpfung erheblich nachlässt“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der FDP* der Deutschen Presse-Agentur. Deshalb sei man dort dazu übergegangen, die vulnerablen Gruppen mit einem zweiten Booster zu versehen.

„Da Ende Februar drei Monate seit meiner ersten Auffrischung verstrichen sind, habe ich in Rücksprache mit meinem Arzt bereits vorsorglich einen entsprechenden Termin ins Auge gefasst.“ Er gehe davon aus, dass sich die Gesundheitsministerkonferenz bis dahin in dieser Corona-Frage positioniert habe, sagte Kubicki.

Ob die bereits gelten Corona-Maßnahmen ausreichen, um den Anstieg der Infektionen genug abzubremsen, steht Karl Lauterbach zufolge spätestens am 24. Januar bei der nächsten Konferenz mit den Ministerpräsidenten fest: „Wenn sich die Fallzahlen dann zu einer zu steilen Wand auftürmen, müssen wir wohl noch einmal nachlegen.“ Einen Lockdown mit Geschäftsschließungen oder Schulschließungen lehnt Lauterbach allerdings ab. „Das dürfen wir den Kindern und Jugendlichen nicht noch einmal zumuten.“ (tvd/AFP/dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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