Corona in Deutschland

Spahn und Wieler drängen auf Kontaktbeschränkungen: „Da hilft auch keine Notbremse mehr“

Jens Spahn (r, CDU), Bundesminister für Gesundheit, und Lothar H. Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), verlassen den Raum nach einer Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage. | Aktuell
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Jens Spahn (r, CDU), Bundesminister für Gesundheit, und Lothar H. Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), verlassen den Raum nach einer Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage. | Aktuell

In Deutschland werden innerhalb eines Tages fast 30.000 Neuinfektionen gemeldet. Jens Spahn und Lothar Wieler wollen weitere Kontaktbeschränkungen.

  • Die Corona-Lage in Deutschland verschärft sich immer mehr. Wie geht es weiter? Darüber sprachen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und RKI-Präsident Lothar Wieler am Donnerstag (15.04.2021)
  • Es gelte, erst das Infektionsgeschehen zu senken, bevor es eine vorsichtige Öffnung geben kann, sagt Jens Spahn.
  • Auch Lothar Wieler drängt darauf, die dritte Welle jetzt brechen zu müssen.
  • Intensivstationen in Deutschland sind in einigen Regionen voll.
  • Wieler und Spahn könnten sich in einigen Regionen Schulschließungen auch schon vor einer Inzidenz von 200 vorstellen.
  • Private Kontakte müssten jetzt für einige Wochen stark eingeschränkt werden, um die dritte Welle zu brechen, sagt Spahn.

Das Wichtigste in Kürze: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat an die Länder appelliert, mit der Anwendung der Corona-Notbremse nicht mehr zu warten, bis das geplante Bundesgesetz verabschiedet ist. Es sei zwar gut, dass es bald „eine einheitliche und nachvollziehbare Regelung“ geben werde, sagte Spahn am Donnerstag in Berlin. „Aber wir sollten nicht darauf warten, bis der Bundestag nächste Woche dieses Gesetz beschlossen hat.“

Er habe bereits vor einer Woche gesagt, dass es zusätzliche Maßnahmen brauche. „Die Zeit drängt und bereits jetzt haben alle auch schon die Möglichkeit zu handeln“, sagte Spahn. Er habe im Moment den Eindruck, viele warteten auf das neue Gesetz. Der Instrumentenkasten sei aber schon vorhanden, in einigen Ländern würden die Maßnahmen auch umgesetzt.
Impfen und Testen alleine reichten nicht, um die dritte Corona-Welle zu brechen, betonte Spahn. Dafür brauche es entschiedenes Handeln und weitere Einschränkungen.

Die im Gesetzentwurf vorgesehene Ausgangssperre sei keine Dauerlösung, fügte der Minister hinzu. Es gehe dabei auch nicht darum, ob jemand alleine unterwegs sei. Aber zumeist gingen die Menschen zu einem privaten Treffen, das Ausgangspunkt für Infektionen sein kann. Spahn ging davon aus, dass die Ausgangssperre in der derzeitigen Lage verfassungskonform ist.

Der Ticker zur PK mit Jens Spahn und Lothar Wieler zum Nachlesen

+++ 10.10 Uhr: Die Bundespressekonferenz ist beendet.

+++ 10.08 Uhr: „Wir müssen die Inzidenzen runterbringen, weil nochmal: freitesten können wir uns nicht“, sagt Wieler.

+++ 10.05 Uhr: Spahn zur Wirksamkeit von Schnelltests: „Es ist so wichtig, ein negatives Testergebnis, nicht als Freifahrtschein zu betrachten. Die Aussagekraft ist nur eine sehr vorübergehende“, sagt der Bundesgesundheitsminister. Wieler: „Der Test hat für etwa 24 Stunden eine Aussagekraft. Mit Testen alleine kann man das Virus nicht runterbringen.“

Corona in Deutschland: Spahn erneuert Impfversprechen

+++ 10.03 Uhr: Spahn: „Sehr unterschiedliche Aspekte spielen eine Rolle. Aus Sicht des Gesundheitsministers: Aufgrund des Infektionsgeschehens kann ich mir eine Schließung auch schon deutlich früher vorstellen.“

+++ 10.01 Uhr: Schulen erst ab Inzidenz von 200 schließen? Wieler: „Für mich ist diese Grenze zu hoch, weil man dann bereits eine hohe Zahl an Infektionen haben wird. Man wird durch die Testungen die Infektionen früher feststellen und muss dann Kinder oder ganze Klassen wieder aus der Schule herausnehmen.“

+++ 9.58 Uhr: Spahn zu Maßnahmen, die Ministerpräsident:innen jetzt schon umsetzen können: „Zunächst einmal die Kontaktbeschränkungen. Dann die Frage nach den Schulen. Ich bin derjenige, der immer sagte, die Schulen als Letztes zu schließen, aber in Regionen mit dynamischem Infektionsgeschehen, wäre das ein gutes Instrument.“ Er bittet die Politik, nicht erst auf das Gesetz zu warten.

+++ 9.57 Uhr: Weber-Carstens sieht aktuell keine Notwendigkeit für eine Notzulassung des Impfstoffes von Curevac. Spahn sagt, es fehlten noch Wirksamkeitsdaten, um eine Notfallzulassung vorantreiben zu können.

+++ 9.54 Uhr: Spahn zu Versprechen des Impfangebots für jeden bis Ende des dritten Quartals: „Trotz der Rückschläge kann man aufgrund der Zahlen sagen, ja – zumindest mit dem Wissensstand heute.“

+++ 9.52 Uhr: Weber-Carstens zu Triage: „Wir hatten keine triage Situation und wir werden auch keine haben, wenn wir die gesagten Maßnahmen – Kontaktbeschränkungen und Impfen – durchziehen.“

+++ 9.51 Uhr: Spahn zu Impfungen: „Das zweite Quartal wird den entscheidenden Unterschied machen. Die Geschwindigkeit wird zunehmen können.“

Spahn: „Wenn wir jetzt die dritte Welle brechen, können wir eine Perspektive geben“

+++ 9.48 Uhr: Kann es ein guter Sommer werden? „Im Moment sehen wir individuellen Schutz bei Geimpften. Bis wir Gruppenimmunität erreicht haben, wird es wohl bis ins dritte Quartal dauern. Es kommt ja auch immer darauf an, wie man guten Sommer definiert. Es gilt jetzt erst einmal, die dritte Welle zu brechen und zu impfen. Wenn das gut läuft, könnte es ein anderer Sommer werden als der vergangene“, sagt Jens Spahn.

+++ 9.47 Uhr: „Es gilt für jeden Lebensbereich: Wir stecken uns im Inneren an. Deshalb: Ab einer Inzidenz von 200 werden die Schulen geschlossen. Ich will gar nicht zulassen, dass die Inzidenzen so hochgehen.“

+++ 9.44 Uhr: Wieler zu Infektionsgeschehen bei Kindern unter 15 Jahren: „Je höher die Inzidenz steigt, je höher ist die Gefahr für jeden, sich anzustecken. Kinder können sich natürlich auch anstecken, erkranken meist nur nicht in demselben Ausmaß, wie Erwachsene. Die meisten Ansteckungen finden in geschlossenen Räumen statt. Das heißt ganz klar: Schulen sind Orte, an denen Infektionen stattfinden. Deshalb haben wir schon vor Monaten Konzepte entwickelt, um diese Infektionen einzudämmen. Es ist nicht entscheidend, ob Kinder die Eltern oder Eltern die Kinder anstecken.“

+++ 9.37 Uhr: „Wenn wir jetzt die Welle brechen, können wir die Perspektive geben, anschließend vorsichtig zu öffnen“, sagt Spahn.

+++ 9.33 Uhr: Spahn zur Kritik an den drohenden Ausgangsbeschränkungen: „Viele Infektionen finden im Privaten statt. Die Ausgangsbeschränkungen sind deshalb ein Mittel, und da gibt es auch Studien aus anderen Ländern, um Kontakte zu beschränken, die sonst stattfinden.“ Es sei ein wirksames Mittel, um die Welle zu brechen. Es gehe auch nicht um eine Dauermaßnahme, aber um eine Maßnahme für zwei bis drei Wochen, die notwendig sei.

Klinikpersonal in Deutschland ist am Limit

+++ 9.31 Uhr: „Machen Sie sich mal eines klar: In den meisten Regionen haben wir nur noch 10 Prozent freie Intensivbetten. Das bedeutet pro Station noch ein freies Bett, denn wir haben im Schnitt zehn bis 14 Intensivbetten auf einer Station.“

+++ 9.30 Uhr: „Wir müssen dahin kommen, dass wir uns in weniger belastete Regionen umverteilen. Das ist etwas, was bereits passiert. In Thüringen gab es bereits erste strategische Patientenverlegungen.“

+++ 9.28 Uhr: „Die Intensivstationen in Deutschland müssen gerade eine enorme Belastung schultern“, sagt er. Weber-Carstens erklärt, wie der Klinikalltag aktuell auf einer Intensivstation aussieht.

+++ 9.26 Uhr: Neben Spahn und Wieler ist Prof. Steffen Weber-Carstens aus der Charité in Berlin anwesend. „Wir brauchen an dieser Stelle eine Kontrolle über die Infektionsdynamik.“

+++ 9.23 Uhr: „Wir müssen so schnell wie möglich dahin, Covid-19 zu kontrollieren. Wir müssen die Zahlen runterbringen. Es ist naiv zu glauben, bei hohen Zahlen das Virus wegtesten zu können. Das gelingt nicht und das sehen Sie aktuell auch in verschiedenen Regionen unseres Landes“, sagt Wieler.

+++ 9.22 Uhr: Wieler vergleicht die Pandemie mit einer steilen Kurve in den Dolomiten. „Wenn ich da zu schnell reinfahre, dann hilft auch keine Notbremse mehr.“ „Jetzt erwarte ich, dass die Entscheidungsträger uns unterstützen, die dritte Welle zu brechen.“

Wieler: „Wir müssen jetzt die dritte Welle brechen“

+++ 9.20 Uhr: „Es gibt viele Gründe, warum wir die Infektionszahlen senken müssen. Jetzt die dritte Welle brechen mit weiteren Kontaktbeschränkungen. Dann mit Konzepten eine vorsichtige Öffnung ermöglichen und durch Impfungen dafür sorgen, dass so viele Menschen wie möglich sicherer sind.“

+++ 9.19 Uhr: Wieler spricht über eine Verlegung von Intensivpatienten in Regionen, in denen die Intensivbetten noch nicht überfüllt sind, damit die kommenden Patienten in den Ballungsräumen weiterhin aufgenommen werden können.

+++ 9.18 Uhr: „Wir beobachten jetzt schon in einigen Regionen, dass vorübergehend keine Intensivbetten vorhanden sind.“

+++ 9.17 Uhr: „Es gibt immer weniger freie Plätze, da auch immer mehr jüngere Menschen intensivmedizinisch behandelt werden müssen.“

+++ 9.15 Uhr: „In unseren Krankenhäusern werden aktuell rund 4700 Menschen intensivmedizinisch behandelt – und diese Zahl nimmt jeden Tag zu“, sagt Wieler.

+++ 9.13 Uhr: „Sechs von zehn Patienten, die aktuell wegen einer schweren Atemwegserkrankung in Deutschland behandelt werden, sind Covid-19-Patienten. Bei den Patienten, die aufgrund ihrer Atemwegserkrankung intensivmedizinisch behandelt werden müssen, liegt die Anzahl bei knapp neun von zehn“, sagt Wieler.

+++ 9.12 Uhr: „Anteil der Mutationen beträgt mittlerweile zwölf Prozent. Es bewahrheitet sich leider, dass die Mutationen deutlich ansteckender sind“, sagt Wieler.

+++ 9.11 Uhr: „Der Großteil der Bevölkerung ist nicht geimpft, das Infektionsgeschehen ist hoch. Die meisten Neuerkrankungen finden bei den 15 bis 49-Jährigen statt. Fallzahlen nehmen nicht zu, weil mehr getestet wird.“

Corona in Deutschland: „Müssen jetzt handeln“

+++ 9.08 Uhr: Jetzt spricht RKI-Präsident Lothar Wieler. „Wir alle wissen, wir befinden uns in der dritten Welle. Klar ist, wir müssen jetzt auf allen Ebenen handeln, besonders auf der Ebene der Entscheider.“

+++ 9.05 Uhr: „Wir müssen erst das Infektionsgeschehen senken, bevor wir mit einer Teststrategie öffnen können“, sagt Spahn.

+++ 9.05 Uhr: „Was wir jetzt versäumen, rächt sich in zwei bis drei Wochen.“ Deutschland wisse aus dem Herbst, was passiert, wenn es zu Versäumnissen kommt.

+++ 9.04: Spahn: „Impfen und Testen allein reicht nicht aus für eine Entspannung. Es müssen auch weitere Beschränkungen her.“

+++ 9.02 Uhr: Die Pressekonferenz beginnt.

Jens Spahn: „Jeder Tag zählt gerade in dieser aktuellen Lage. Warnung von vergangener Woche hat sich leider bewahrheitet, die Zahlen der Osterfeiertage waren kein Indiz für eine Entspannung.“

Update vom Donnerstag, 15.04.2021, 8.58 Uhr: In wenigen Minuten wird die Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage in Deutschland beginnen. Die Konferenz mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und RKI-Chef Lothar Wieler ist für 9 Uhr geplant.

Corona-Lage in Deutschland verschärft sich weiter

Erstmeldung vom Donnerstag, 15.04.2021, 8.50 Uhr: Berlin - Die Corona*-Krise hält Deutschland weiter in Atem. Die dritte Welle ist in vollem Gange und die Politik muss eine Entscheidung treffen, wie es weitergehen soll. Denn die Intensivstationen in den deutschen Krankenhäusern sind fast voll, eine Erleichterung in den kommenden Wochen aber noch nicht in Sicht.

Nun werden sich der Chef des Robert-Koch-Instituts Lothar Wieler und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn* zur aktuellen Corona-Lage in Deutschland ab 9 Uhr in einer Pressekonferenz äußern.

Corona-Krise in Deutschland spitzt sich zu: Intensivmediziner:innen schlagen Alarm

Am Dienstag (13.04.2021) hat das Bundeskabinett eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes beschlossen, doch die Politik ringt weiter um bundesweite Vorgaben. Intensivmediziner:innen geht das alles zu langsam, sie fordern zur Eindämmung der dritten Corona-Welle schnelles Handeln. „Wir können es uns nicht leisten, noch wochenlang zu diskutieren“, warnte der wissenschaftliche Leiter des Intensivbettenregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Christian Karagiannidis, im „Tagesspiegel“ (Donnerstag).

Der frühere Präsident der Vereinigung, Uwe Janssens, sagte im Fernsehsender Phoenix: „Wir haben fünf nach zwölf, ihr müsst jetzt handeln, es muss jetzt eine Strategie verfolgt werden, die bundesweit einheitlich gilt.“ Wären die vor Wochen beschlossenen Maßnahmen flächendeckend umgesetzt worden, hätte man die aktuelle Entwicklung mit einem starken Anstieg der Infektionszahlen noch abschwächen können. Karagiannidis sagte, den Tod seien Intensivmediziner zwar gewohnt - „aber so etwas hat es noch nicht gegeben“.

Corona-Krise in Deutschland: RKI meldet fast 30.000 Neuinfektionen

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) 29.426 Corona-Neuinfektionen*. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 294 neue Todesfälle verzeichnet. Das geht aus Zahlen von Donnerstagmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 05.03 Uhr wiedergeben, nachträgliche Änderungen oder Ergänzungen des RKI sind möglich.

In seinem aktuellen Lagebericht von Mittwochabend (14.04.2021) schreibt das RKI: „Nach einem vorübergehenden Rückgang der Fallzahlen über die Osterfeiertage setzt sich der starke Anstieg der Fallzahlen fort.“ Rund um die Osterfeiertage war laut RKI weniger getestet und gemeldet worden. Vor genau einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 20.407 Neuinfektionen und 306 neue Todesfälle verzeichnet. (msb mit dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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