Pandemie

Staatliche Einkaufsgutscheine: Streit über Corona-Hilfen für Einzelhandel

Damit der stationäre Einzelhandel sich von den Umsatz-Einbußen aufgrund der Corona-Pandemie erholen kann, fordert der deutsche Handelsverband staatliche Einkaufs-Gutscheine.
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Damit der stationäre Einzelhandel sich von den Umsatz-Einbußen aufgrund der Corona-Pandemie erholen kann, fordert der deutsche Handelsverband staatliche Einkaufs-Gutscheine.

Um die Umsatz-Einbußen durch die Corona-Pandemie abzufedern, fordert der Handelsverband staatliche Einkaufsgutscheine. Diese Idee spaltet.

Kassel - Im Gegensatz zum Onlinehandel sind die stationären Geschäfte in Städten die großen Verlierer in der Corona-Pandemie. Besonders die Lockdowns haben dem Handel in Deutschland stark zugesetzt. Damit die finanziellen Einbußen abgemildert werden können, verlangt dieser von der Regierung nun staatliche Einkaufsgutscheine. Diese Idee stößt unter den Parteien allerdings auf geteilte Meinungen.

Die Menschen sollen mit den vorgeschlagenen Gutscheinen wieder vermehrt in den lokalen Läden einkaufen gehen. Der Handelsverband Deutschland (HDE) hatte diesen sogenannten „City-Bonus“ laut einem Bericht von handelblatt.de im Rahmen eines Zehn-Punkte-Plans an alle Bürgerinnen und Bürger vorgeschlagen. „Der Gutschein in Höhe von 200 Euro soll nur in bestimmten stationären Betrieben, die von den Schließungen unmittelbar betroffen waren, einlösbar sein“, heißt es in dem Papier. Solch ein Gutschein würde den Staat 16 Milliarden Euro kosten.

Corona-Einbußen im Einzelhandel: CDU und FDP kritisieren Idee der Einkaufs-Gutscheine

In der CDU sieht man diese Forderung kritisch. „Die Konsumlust der Menschen ist da und wir sollten uns darauf konzentrieren, den stationären Einzelhandel langfristig attraktiv zu machen“, sagte Thomas Bareiß (CDU), Regierungsbeauftragte für den Mittelstand. „Ob staatliche Einkaufsgutscheine dabei ein zielführendes Instrument sind, möchte ich persönlich infrage stellen.“ Solche Gutscheine hätten laut Bareiß „allenfalls einen kurzfristigen und konjunkturell kaum spürbaren Effekt“.

Der Politiker möchte hingegen Rahmenbedingungen für den stationären Handel schaffen, damit dieser mit dem wachsenden Onlinehandel in Zukunft mithalten kann. Für den CDU-Politiker spielen besonders eine Ausgestaltung der Gewerbesteuer, flexiblere Öffnungszeiten und eine verbesserte Erreichbarkeit durch den öffentlichen Nahverkehr eine große Rolle.

Die HDE sieht den Vorschlag indes als eine Chance zu Krisenbewältigung. „Aus der Krise kommen wir nur mit einem kraftvollen Neustart“, betonte Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Viele Handelsunternehmen befänden sich noch in „akuter Existenznot“. Nun gelte es, Anreize für den Besuch der Stadtzentren zu schaffen. Einige bekannte Läden verschwinden aufgrund der Corona-Pandemie schon bald aus deutschen Innenstädten. Aber auch die FDP äußert Kritik an den vorgeschlagenen Einkaufsgutscheinen. „Der Vorschlag des HDE ist wahrscheinlich wettbewerbsrechtlich schwierig und könnte einen bloßen Strohfeuer-Effekt auslösen“, sagte Fraktions-Vizechef Michael Theurer (FDP). Er plädiert eher für eine Lockerung der Öffnungszeiten.

Im Video: Handelsverband fordert Geschäftsöffnungen am Sonntag

Einkaufs-Gutschein wegen Corona: Grünen unterstützen Handelsverband

Die Grünen halten die Forderung des Handelsverbands hingegen für äußerst sinnvoll. „Wenn wir jetzt anpacken, dann können wir die Innenstädte vielfältiger, grüner und lebenswerter machen und den Handel stärken“, sagte die wirtschaftliche Sprecherin der Grünen, Katharina Dröge. Solche Gutscheine wären ein „gutes Mittel, um den stationären Einzelhandel zielgerichtet zu stärken“ und die Nachfrage zu erhöhen.

Da viele deutsche Innenstädte vor einem Umbruch stünden, seien zudem auch ein Städtebau-Notfallfonds von 500 Millionen Euro und eine Digitalisierung für den lokalen Handel notwendig. Auch der HDE fordert vom Staat zusätzlich zum „City Bonus“ baldige Digitalisierungsmaßnahmen in stationären Geschäften in Höhe von 100 Millionen Euro. (Alina Schröder)

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