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Afghanistan: Taliban feuern nach Demo in Kabul Warnschüsse ab

Ein Kämpfer der Taliban in Afghanistan.
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Ein Kämpfer der Taliban in Afghanistan.

Die radikalislamischen Taliban erobern nach eigenen Angaben die letzte Bastion des Widerstands in Afghanistan. Jetzt kommt es zu Warnschüssen bei Protesten.

  • Das Pandschir-Tal in Afghanistan* wird von den Taliban erobert.
  • Die Nationale Widerstandsfront (NRF) will Kampf gegen die Taliban* fortsetzen.
  • Die Taliban hindern US-Bürger an Ausreise.

Update von Dienstag, 07.09.2021, 09.45 Uhr: Bei einer Protestkundgebung in Kabul mit vielen Frauen unter den Teilnehmenden haben Kämpfer der radikalislamischen Taliban am Dienstag (07.09.2021) Warnschüsse abgegeben.

Wie Journalist:innen der Nachrichtenagentur AFP berichteten, hatten sich in der afghanischen Hauptstadt etwa 70 Menschen versammelt, um gegen Pakistans Einmischung in afghanische Belange zu protestieren. Um die Menge vor der pakistanischen Botschaft auseinanderzutreiben, gaben Taliban-Kämpfer demnach Warnschüsse ab. 

Afghanistan live: „Als Geisel gefangen“ - Taliban hindern US-Bürger aus an Ausreise

+++ 11.30 Uhr: Am Mazar-i-Sharif International Airport werden aktuell mindestens vier Charter-Flüge am Abheben gehindert. Mehrere hundert Passagiere sitzen fest, zum Großteil Afgahnen, die keinen gültigen Pass oder Visa vorzeigen konnten. Doch auch US-Bürger sollen sich darunter befinden.

Laut Mike McCaul, Mitglied des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten im US-Kongress, werden diese Personen von den „Taliban als Geiseln gefangen gehalten.“ Das sagte der Republikaner* in einem Interview mit Chris Wallace für den US-Nachrichtensender Fox News*. „Sie werden jetzt immer mehr verlangen. Egal ob es Geld oder Legitimität als Regierung über Afghanistan sein wird“, so McCaul über die Taliban und führte aus: „Das verwandelt sich hier immer mehr zu einer Geiselnahme.“ Seine Befürchtung sei es, dass die radikalislamische Miliz mithilfe der amerikanischen Bürger die Regierung unter Joe Biden* dazu zwingen wird, ihre Herrschaft über Afghanistan anzuerkennen.

Taliban in neuer Ausrüstung kontrollieren Masar-i-Sharif

Taliban warnen vor Widerstand gegen ihre Herrschaft in Afghanistan

+++ 11.10 Uhr: Die Taliban warnten bei einer Pressekonferenz am Montag (06.09.2021) vor jeglichem Widerstand gegen ihre Herrschaft. Dieser würde hart bestraft werden, sagte Sprecher Sabihullah Mudschahid vor Reportern. Ehemalige Regierungstruppen, die in den vergangenen 20 Jahren ausgebildet wurden, forderte er auf, sich den Taliban anzuschließen.

Der Iran verurteilte die Offensive der Islamisten im Pandschir-Tal „scharf“. „Die Nachrichten aus Pandschir sind wirklich beunruhigend“, sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Said Chatibsadeh, in Teheran. 

Afghanistan - Taliban laden Merkel ein: „Würden uns wirklich sehr freuen“

+++ 09.30 Uhr: Die Taliban würden sich nach den Angaben eines Sprechers über einen Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel* (CDU*) in Afghanistan freuen. „Angela Merkel würde besonders herzlich aufgenommen werden“, sagte der Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid am Sonntag den Medien. Er sagte weiter: „Wir würden uns wirklich sehr über sie freuen“.

Mudschahid bekräftigte die Bitte an die Bundesregierung, Afghanistan weiterhin finanziell zu unterstützen. „Wir möchten, dass Deutschland uns im humanitären Bereich unterstützt und hilft, soweit die deutsche Regierung dies kann.“ Außerdem benötige Afghanistan Hilfe im Gesundheitswesen, im Bildungsbereich, und bei der Infrastruktur. Zudem könne die deutsche Regierung „Unternehmerinnen und Unternehmer ermutigen, zu uns zu kommen und in unser Land zu investieren“.

Sabiullah Mudschahid, Sprecher der Taliban, will Kanzlerin Merkel in Afghanistan begrüßen.

Abgeschobenen Geflüchteten in Afghanistan drohen Strafen

Außerdem rief Mudschahid afghanische Geflüchtete in Deutschland zur Rückkehr auf. „Wir wollen, dass alle Afghanen, die sich im Ausland - vor allem in Deutschland - als Flüchtlinge aufhalten, zurück in ihr eigenes Land kommen“, sagte er. Geflüchtete, die aus westlichen Ländern nach Afghanistan abgeschoben würden, weil sie ein Verbrechen begangen hätten, könnte dort allerdings eine Strafe nach dem islamischen Recht drohen: „Ihr Fall wird geprüft werden, und wenn sie mit ihren Verbrechen gegen islamisches Recht verstoßen haben und wir sie bestrafen sollen, dann kommen sie vor Gericht.“

+++ 08.40 Uhr: Nachdem die Taliban verkündet hatte, das Pandschir-Tal eingenommen zu haben, kündigt die Nationale Widerstandsfront (NRF) an, ihren Kampf „fortzusetzen“. Die Nationale Widerstandsfront erklärte am Montag, sie sei in „strategischen Positionen“ präsent. „Der Kampf gegen die Taliban und ihre Partner wird weitergehen“, hieß es von der Gruppe auf Twitter. 

Taliban erobern Pandschir-Tal - Erstmals in der Hand von Islamisten

Kabul - Nach eigenen Angaben haben die radikalislamischen die letzte Bastion des Widerstands in Afghanistan eingenommen. Das Pandschir-Tal sei nun „vollständig erobert“, erklärte der Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid am Montag (06.09.2021). „Mit diesem Sieg ist unser Land vollständig aus dem Sumpf des Krieges befreit“, so Mudschahid weiter. Kurz zuvor hatten die Widerstandskämpfer den Taliban noch einen Waffenstillstand vorgeschlagen.

Am Wochenende waren die Taliban weiter im Pandschir-Tal vorgerückt. Sie meldeten schwere Kämpfe und Gebietsgewinn gegen die Widerständler in der Provinz nördlich von Kabul. Wie die Nationale Widerstandsfront (NRF) am Sonntagabend (09.09.2021) mitteilte, wurden bei den Kämpfen auch ein bekannter Sprecher sowie ein General der Widerstandsgruppe getötet.

Pandschir-Tal erstmalis in der Hand er islamisten

Das Pandschir-Tal war bereits in den 90er Jahren eine Hochburg des Widerstands gegen die Islamisten in Afghanistan und bislang noch nie unter deren Kontrolle. Vor drei Wochen formierte sich in dem Tal die Nationale Widerstandsfront (NRF) unter Führung des Sohnes des 2001 getöteten afghanischen Kriegsherrn und Taliban-Gegners Ahmed Schah Massud sowie des ehemaligen Vizepräsidenten Amrullah Saleh. Letzterer hatte angesichts der Belagerung durch die Taliban vor einer humanitären Krise im Tal gewarnt. (ktho/AFP)

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