Erste Sichtung der Region 

Schäfer macht Filmaufnahmen von einem Wolf - Die Schafe interessierten ihn nicht

Ein Wolf tappte in eine Fotofalle in Rottenburg im Kreis Tübingen. Ein Schäfer hatte sie in der Nähe seiner Schafe aufgestellt - die interessierten den Wolf nicht.

  • Der Wolf* verletzte keines der Schafe von Familie Saile
  • Es handelt sich um die erste Sichtung in der Region  
  • Ein Experte ist nicht überrascht über den Wolf 

Bad Niederau/Baden-Württemberg - Im Kreis Tübingen wurde der erste Wolf gesichtet. Er tappte am Montag (27.02.2020) in eine Fotofalle in Rottenburg, im Ortsteil Bad Niederau. Die Falle wurde von Familie Saile aufgestellt, um Ihre Schafsherde zu überwachen. 

Der Wolf wurde 20 Minuten lang gefilmt, wie er in der Nähe des Schafstalls der Familie umherstreifte. Der Wolf ließ die Schafe jedoch unversehrt. Gegenüber dem schwäbischen Tageblatt äußerte sich auch der Revierleiter und Wildtierbeauftragte aus Starzach, Johannes Scheit: "Es war klar, dass es irgendwann kommt." 

Wolf: Wenig Überraschung beim Experten

Neben seiner wenig überraschten Einschätzung der Lage, gab er noch zu bedenken, dass ein Wolf bis zu 70 Kilometer in einer Nacht zurücklegen kann. Leider wird es nicht möglich sein das gesichtete Tier eineindeutig zu identifizieren. 

Allerdings wurden die Aufnahmen zweifelsfrei als Wolfssichtung, vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, eingestuft. 

Der Revierleiter geht anhand der Videoaufnahmen davon aus, dass es sich um einen jungen Wolf handle. Wölfe verließen, laut Scheit, Ihr Rudel, wenn sie zwischen 10 und 22 Monate alt sind. Es könnte also gut sein, das der gesichtete Wolf auf der Suche nach einem neuen Revier ist. Der Wildtierbeauftragte rief allerdings zur Entspannung auf, denn sei gut möglich, dass der Wolf sich schon nicht mehr in diesem Gebiet aufhalten würde. 

Wolf: Nicht der erste gesicherte Nachweis 

In diesem Jahr ist es bereits der 3te sogenannte C1-Nachweis für einen Wolf in Baden-Württemberg. Die Eindeutigkeit der Nachweise von Wölfen richtet sich nach den SCALP-Kriterien. Hierbei wird in 3 Kategorien unterschieden. 

C1 steht hierbei für einen mit harten Fakten belegten Nachweis und somit für einen eindeutigen Nachweis. Die mittlere Kategorisierung C2 wird für alle von Fachpersonen bestätigten Fälle vergeben. Wenn ein Hinweis nicht bestätigt ist, wird er mit der Kategorie C3 versehen. 

Bei den anderen beiden Nachweisen handelt es sich sogar um eineindeutig identifizierbare Tiere. In beiden Fällen handelt es sich um den Wolf mit der Kennnummer GW852m. Der Rüde stammt ursprünglich aus dem Schneverdinger Rudel aus Niedersachsen. 

Wolf aus Niedersachsen wilderte in Baden-Württemberg 

Er hatte ende Januar in Bad Wildbad im Schwarzwald ein Nutztier gerissen, dass ergaben die nach dem Fund durchgeführten DNA-Proben. Im vergangenen Jahr wurde der Wolf bereits 10 mal bei Hinweisen eindeutig identifiziert.  

Für das Jahr 2018 wurde sogar ein Wolf-Territoirum im Enztal von der "Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf" (DBBW) dokumentiert. Hier lebte nach Angaben der Stelle, ein einzelner Wolf. 

Im Jahr 2017 wurde in Baden-Württemberg ein männlicher Wolf illegal erschossen. Es war der 24te Fall dieser Art in Deutschland seit dem Jahr 2000. In Baden-Württemberg wurden zudem 3 Wölfe bei Verkehrsunfällen getötet. 

Wolf: Sichtungen keine Seltenheit 

Der Fall in Bad Niederau ist nicht der erste in diesem Jahr. In Nord-Rhein-Westfalen wurde am 17. Februar ebenfalls ein Wolf von einer Fotofalle* aufgezeichnet. Diese erwischte den Wolf, als er sich an einem Tierkadaver zu schaffen machte. 

Mitte Februar ging ein Video aus Sachsen-Anhalt in den sozialen Netzwerken viral. Ob es wirklich einen Wolf zeigt, wie er eine Landstraße überquert,* ist bis jetzt noch nicht belegt.

In Niedersachsen wurde eine trächtige Schaf-Mutter vom Wolf gerissen. Lämmchen "Flecki"* ist deshalb ein kleines Wunder.  

Auch in Nordhessen ist es in diesem Jahr bereits zu mehreren Wolfsrissen gekommen.

Von Lucas Maier 

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Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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