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Wetterphänomen verstärkt sich - Experten warnen vor schrecklichen Auswirkungen 

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Der „El Niño“ hat schwerwiegende Folgen. Jetzt soll er noch stärker werden.  

Wissenschaftler haben die Entwicklung des El Niños der vergangenen 400 Jahren untersucht. Die Ergebnisse: Erschreckend! Das Monster wird stärker - mit verheerenden Folgen.

Melbourne - Der Klimawandel ist im vollen Gange und hat gravierende Auswirkungen zur Folge - auch für das Wetterphänomen El Niño. Die Wetteranomalie, die auch „Das Christkind“ genannt wird, soll laut Ergebnissen einer Forschung der Universität Melbourne in Zukunft immer häufiger und stärker auftreten - mit globalen Auswirkungen. 

El Niño 2019: Was ist dieser El Niño?

El Niño ist ein regelmäßig wiederkehrendes Wetterphänomen, welches für gewaltige Stürme sorgt. Davon betroffen ist hauptsächlich der Pazifikraum zwischen der Westküste Südamerikas (Peru und Ecuador) und dem südostasiatischen Raum (Australien und Indonesien). 

Normalerweise herrscht vor der südamerikanischen Westküste ein Hochdruckgebiet, während „gegenüber“ vor der Ostküste Australiens ein Tiefdruckgebiet die Wetterlage bestimmt. Zwischen beiden Druckgebieten zirkulieren über den Pazifik Winde (die sogenannten Passatwinde), die den Druck zwischen dem Hochdruckgebiet und dem Tiefdruckgebiet ausgleichen. Sie wehen von Südamerika in Richtung Südostasien. 

Neben den Winden spielen auch die Meeresströmungen eine entscheidende Rolle für das globale Klima. Während über dem Pazifik die Winde wehen, zirkulieren im pazifischen Ozean verschiedene Strömungen, die kalte und warme Wassermassen transportieren und somit für ein ausgeglichenes Klima sorgen. Die kalte Meeresströmung aus dem Süden ist der bekannte Humboldtstrom. 

El Niño 2019: Wann und wo tritt er auf?

„Das Christkind“ tritt etwa alle vier Jahre zur Weihnachtszeit auf. Auf der Südhalbkugel in Südamerika, Indonesien und Australien handelt es sich dabei um den Hochsommer.

Das Wetterphänomen tritt normalerweise immer im pazifischen Raum zwischen der Westküste Südamerikas und der Ostküste Indonesiens und Australiens auf.

Wetterphänomen El Niño: Das sind die gravierenden Auswirkungen

Tritt der El Niño auf, kommt es zu einem Zusammenbruch des Hochdruckgebiets und einer Entstehung eines weiteren Tiefdruckgebiets vor der Westküste Südamerikas. Die Winde werden schwächer und geraten außer Kontrolle, wehen teilweise in entgegengesetzte Richtung. Es kommt zu zerstörerischen Stürmen, extremen Niederschlägen und Orkanen vor Südamerika. Fluten und Erdrutsche sind die Folge. 

Die Veränderung der Winde durch den El Niño wirkt sich außerdem auf die Meeresstörmungen im Pazifik aus. Der Humboldstrom wird in eine andere Richtung abgeleitet, wodurch seine kalten Wassermassen nicht mehr ankommen. In der Folge erhitzt sich das Meer und sorgt somit für das Sterben von Plankton und anderen Meerestieren. Große Teile des Fischbestandes verenden oder verlassen die Meeresräume. Für Fischer an der südamerikanischen Westküste bedeutet der El Niño eine Existenzbedrohung, die gesamte Fischindustrie bricht zusammen. 

Vor der Ostküste Indonesiens und Australien spielt sich dagegen das genaue Gegenteil ab. Es herrscht starke Dürre, weil der jährliche Monsun-Regen in einem El-Niño-Jahr ausbleibt. Ernteausfälle und Waldbrände sind die Folge. Ähnlich ergeht es auch dem Süden Afrikas. Auch in Somalia in Südostafrika sind schwere Dürreperioden die Folgen des „Christkinds“, welches somit ein globales Klimaphänomen darstellt. 

Forschung zu El Niño: So verändert sich „das Christkind“ durch den Klimawandel?

Wie Forscher der Universität Melbourne in Australien nun herausfanden, wird sich der El Niño aufgrund der grundsätzlichen Klimaveränderung auf der Erde verstärken - mit dramatischen Folgen für Deutschland. Die Wissenschaftler verglichen Wetterdaten der vergangenen 400 Jahre, untersuchten Bohrkerne aus Korallenriffen und konnten somit Stärke und Dauer des El-Nino-Phänomens der letzten 400 Jahre nachvollziehen. 

Die Ergebnisse zeigen eine drastische Veränderung des El Niños, der mittlerweile an ungewohnter Stelle einsetzt: Im zentralen Äquatorialpazifik entsteht eine gigantische Warmwasserblase die Temperaturen bis zu 30 Grad Celsius erreicht. Dieses Phänomen, welches seit 2000 immer häufiger wird, wird von Forschern „El Niño Modoki“ genannt und sorgt für starke Regenfälle im Zentralpazifik als auch an der amerikanischen Westküste. Nach Australien und Asien gelangen dagegen trockene Luftmassen und sorgen für eine extreme Dürre. 

Auch das Wetter in Deutschland spielt derzeit verrückt und bleibt weiterhin durchwachsen. 

Veränderung von El Niño: Schwere globale Folgen - auch für die USA 

Doch der Pazifik ist nicht der einzige Ozean, der sich wegen des El Niños erhitzt. Bereits 2015 bekamen auch die USA die Klimaanomalie zu spüren, als im Golf von Alaska „the blob“ entstand und sich entlang der gesamten Westküste Nordamerikas ausbreitete. Weltweit speichern die Ozeane heutzutage mehr Wärme als jemals zuvor. Das alarmiert Wissenschaftler und könnte in naher Zukunft gravierende globale Folgen haben. 

Forscher warnen vor dem immer häufiger und stärker werdenden El Niño. Dieser soll laut der aktuellen Studie Seuchen wie Pest, Cholera, Hanta- und Zikavirus zur Folge haben. Diese würden zwar hauptsächlich in Südostasien, Tansania und Brasilien ausbrechen, doch auch der Westen der USA zählt zu den Risikogebieten. Im April lagen die Temperaturen im Zentralpazifik 0,8 Grad über dem Durchschnitt. Laut dem Climate Prediction Center tritt der El Niño momentan wieder ein. 

Ein weiteres gefährliches Wetterphänomen geht von der Sonne aus. Experten warnen vor unvorhersehbaren Folgen und prophezeien ernste Gefahren.    

spz

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