Kampf um Recht und Anerkennung 

Frauen-Power: Was feiern wir am Weltfrauentag heute eigentlich?

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Ob Deutschland, USA, oder Myanmar: heute wird der Internationale Frauentag begangen. 

Frauenquote, Gender-Pay-Gap, Gleichberechtigung, #metoo-Debatte - Frauenrechte und ihre Missachtung sind heute in aller Munde. Doch schon vor über 100 Jahren begann der Kampf der Frauen für Recht und Anerkennung. 

Heute ist Weltfrauentag. Aufgrund seiner wechselvollen Geschichte ist es nicht leicht möglich zu bestimmen, der wievielte heute begangen wird. In den USA beschlossen Aktivistinnen schon 1909, an einem nationalen Tag für Frauen auf die Straßen zu gehen. Im März 1911 wurde dann erstmals grenzüberschreitend ein Frauentag in Deutschland, Österreich-Ungarn, Dänemark und der Schweiz begangen. Es waren stürmische Zeiten für Frauen in aller Welt: Während die Moderne fast überall Einzug hielt, durften Frauen in den allermeisten Ländern immer noch nicht wählen. Die Zeit war gekommen, dem ein Ende zu setzen.

Kämpferinnen für Frauenwahlrecht waren am Anfang des 20. Jahrhundert nichts neues. Schon in den 1840er Jahren hatten Frauen in den USA begonnen, sich über die Ungerechtigkeit des reinen Männerwahlrechts auszutauschen. Doch wie jeder emanzipatorische Kampf sollte auch dieser ein langer werden, und so dauerte es Jahrzehnte, bis die Bewegung richtig in Fahrt kam. 

Clara Zetkin: Sozialistin und Feministin

Die 1857 im heutigen deutschen Bundesland Sachsen geborene Clara Zetkin begann schon früh, sich für die noch junge Frauenbewegung zu begeistern. Die Beschäftigung mit Frauenrechten war damals ein überaus linkes Anliegen, und so war es nur logisch, dass Zetkin seit 1878 Mitglied der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (später SPD) war. 1891 wurde sie Herausgeberin der Zeitschrift „Die Gleichheit. Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen“.

Im Laufe ihres Lebens wurde Clara Zetkin zu einer Galionsfigur der wachsenden Frauenbewegung im Deutschen Kaiserreich. Doch auf den von ihr initiierten Internationalen Frauentag 1911 folgte bald der Erste Weltkrieg, in dem Zetkin aufgrund ihrer Anti-Kriegs-Haltung nicht nur einmal verhaftet wurde. Der Krieg stürzte Europa ins Chaos, beendete Monarchien, und zog Revolutionen nach sich. Am Ende dieser Irrungen und Wirrungen wurde schließlich 1919 das Frauenwahlrecht in Deutschland eingeführt.

Wahlrecht ist nicht alles

Doch wie sich in den folgenden Jahrzehnten herausstellte, waren Frauen auch mit Wahlrecht noch weit von der Gleichberechtigung entfernt. In Nazi-Deutschland zur Gebärerin neuer Soldaten degradiert, wurde die Rolle der Frau im harmoniebedürftigen Nachkriegsdeutschland sehr konservativ interpretiert - als Hausfrau und Mutter. Erst die gesellschaftliche Revolution der 1960er Jahre erweckte die Frauenbewegung zu neuem Leben. 

Hübsch und häuslich: die Frau in den 50er Jahren

Die Antibabypille hatte seit 1960 einen neuen Umgang mit Sexualität ermöglicht, und einige Jahre später wurde in der Bundesrepublik gar offen über den Paragraphen 218 diskutiert, in dem Schwangerschaftsabbrüche kriminalisiert werden. Diese Diskussion ist bis heute nicht beigelegt. 1971 titelte der „Stern“ Wir haben abgetrieben!, 1977 gab Alice Schwarzer erstmals die „Emma“ heraus. 

Feministin und Gegnerin des Weltfrauentags: Alice Schwarzer

Alice Schwarzer aber war es auch, die 2010 für eine Abschaffung des Weltfrauentags plädierte: „Schaffen wir ihn also endlich ab, diesen gönnerhaften 8. März! Und machen wir aus dem Frauentag im Jahr 365 Tage für Menschen, Frauen wie Männer.“ Damit ist die Frauenbewegung ins 21. Jahrhundert vorgerückt, und die Diskussion dreht sich zunehmend darum, wie es bei all dem Fortschritt der vergangenen Jahrzehnte noch so viel für Frauenrechte zu tun geben kann. 

Eine internationale Angelegenheit

Diese Diskussion ist keineswegs auf Deutschland beschränkt. Im US-Wahlkampf 2016 etwa sprach Hillary Clinton immer wieder von einer gläsernen Decke (glass ceiling), die es Frauen trotz guter Qualifikationen oft unmöglich mache, in Politik und Wirtschaft hohe Positionen einzunehmen. Sie wolle diese gläserne Decke zerschmettern. Der Begriff der gläsernen Decke ist in Deutschland weniger geläufig, und hierzulande dreht sich die Diskussion oft darum, ob eine Quote sinnvoll ist, um mehr Frauen in Vorstandspositionen zu bekommen. 

Hillary Clinton machte Frauenrechte 2016 zu einem der Top-Themen ihres Wahlkampfs.

Ein Jahr nach der Wahlniederlage von Hillary Clinton lösten die Enthüllungen über den Filmproduzenten Harvey Weinstein und seine sexuellen Vergehen vergangenen Herbst eine weltweite Debatte über sexuelle Übergriffe auf Frauen aus. Der Hashtag #metoo war geboren. Ungerechtigkeit gegenüber Frauen war dann auch das beherrschende Thema bei der Verleihung der Golden Globes, als es kurzzeitig so aussah, als würde die Talkmasterin Oprah Winfrey ihre Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen 2020 ankündigen. 

Frauen-Power wohin das Auge blickt

Somit ist der Kampf für die Gleichberechtigung von Frauen nicht zu Ende, sondern wird weiterhin in aller Welt ausgefochten. Der heutige Gedenktag soll die Frauen ehren, die in der Vergangenheit viel in diesem Kampf erreicht haben, und jenen Mut machen, die in Zukunft weiterkämpfen. In einigen Ländern ist er ein gesetzlicher Feiertag, in der Volksrepublik China haben Frauen nachmittags frei. 

In Spanien hingegen haben Frauen nicht frei, viele streiken aber, um für Frauenrechte einzustehen. Die Zeitung „El Pais“ hat ein Video getweetet, um die von Frauen verlassene Redaktion zu zeigen. Die britische Premierministerin Theresa May hat ihren Rivalen Jeremy Corbyn spöttisch des Mansplainings (= Mann erklärt Frau alles, weil er sie intellektuell unterschätzt) bezichtigt, und in Südkorea gingen tausende Frauen für ihre Rechte auf die Straße. 

Der heutige Tag reiht sich also in eine inzwischen lange Liste frauenrechtlicher Errungenschaften ein. Mindestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird der Kampf für Gleichberechtigung stetig vorangetrieben. Eine Auswahl: 

Jahr

Errungenschaft

1848

Erster Frauenrechtskongress in Seneca Falls, USA

1893

Frauen in Neuseeland erhalten das Wahlrecht

1902 

Frauen in Australien erhalten das Wahlrecht

1911

Erster Weltfrauentag wird begangen

1919

Frauen in Deutschland erhalten das Wahlrecht

1920

Frauen in den USA erhalten das Wahlrecht

1958

In Deutschland sind Männer nicht länger der Vormund ihrer Ehefrau

1979

Margaret Thatcher wird erster weiblicher Regierungschef eines EU-Mitgliedsstaats

1997

Madeleine Albright wird erster weiblicher Außenminister der USA

2005

Angela Merkel wird erste Bundeskanzlerin Deutschlands

2010

Als erste Frau gewinnt Kathryn Bigelow einen Oscar in der Kategorie Regie

2016

Hillary Clinton ist die erste Frau in der finalen Runde eines US-Präsidentschaftswahlkampfs

2018

Ab Mitte des Jahres soll Frauen in Saudi-Arabien das Autofahren erlaubt sein

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