Großalarm

Warntag deckt Probleme bei Warn-Apps auf: Nur „60 Prozent aller Gebiete ausgelöst“

Um 11 Uhr sollten am Donnerstag, 10. September 2020, in Deutschland die Sirenen heulen. Doch vom großen Probealarm haben viele überhaupt nichts mitbekommen.

  • Am 10.September 2020 findet erstmals seit 30 Jahren wieder ein bundesweiter Warntag statt.
  • Am Donnerstag um 11.00 Uhr werden in ganz Deutschland die Sirenen heulen – wir klären die wichtigsten Fragen.
  • Doch vielerorts war vom Probealarm überhaupt nichts zu hören.

Update vom Freitag, 11.09.2020, 10.25 Uhr: Nach den bundesweiten Pannen des Warntags 2020, möchte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) nun einen jährlichen Probealarm durchführen. Nach einem Beschluss der Innenminister soll künftig jährlich, jeden zweiten Donnerstag im September, dieser Alarm durchgeführt werden. Dies soll dazu beitragen, die „Akzeptanz und das Wissen um die Warnung der Bevölkerung in Notlagen zu erhöhen und damit deren Selbstschutzfertigkeiten zu stärken", wie das BKK erklärt. Der bundesweite Warntag soll in Abstimmung mit kommunalen Behörden für den Katastrophenschutz und den Innenministerien vorbereitet werden.

Update vom Donnerstag, 10.09.2020, 12.18 Uhr: Tatsächlich gab es beim Warntag 2020 wohl mehrere kleinere Pannen. So wurde die amtliche Meldung zu dem Probealarm vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) etwa 30 Minuten später verbreitet, als angekündigt gewesen war. Nur zehn Minuten später folgte schon die Mitteilung für die Probeentwarnung –deutlich früher als geplant.

Warntag 2020: Pannen bei den Warn-Apps - Nur „60 Prozent aller Gebiete ausgelöst“

Auch bei zwei großen Warn-Apps lieft nicht alles glatt. Beim ersten bundesweiten Probealarm blieb die Warn-App NINA bei vielen Nutzern still . Die angekündigte Warnmeldung erschien zunächst nicht. „Wir wissen, dass es teilweise geklappt hat“, sagte eine Sprecherin des BBK. Teilweise sei es aber auch zu einer Überlastung des modularen Warnsystems gekommen. „Deshalb gibt es gerade Verzögerungen bei der Auslösung.“

Ähnlich erging es Nutzern der Warn-App Katwarn. Auch bei dieser löste der Alarm teils nicht pünktlich um 11 Uhr aus. Der Grund blieb zunächst unklar. „Von technischer Seite liegen uns keine Störungen vor“, gab sagte ein Katwarn-Sprecher der Südwest Presse. Um 11.30 Uhr seien „deutschlandweit rund 60 Prozent aller Gebiete ausgelöst“.

Warntag 2020: Bundesweit heulen die Sirenen – doch vielerorts ist nichts zu hören

Update vom Donnerstag, 10.09.2020, 11.33 Uhr: Groß angekündigt war der Warntag 2020 in Deutschland – doch an vielen Orten haben Bürgerinnen und Bürger überhaupt nichts davon mitbekommen. Im Nordend, Gallusviertel und Rödelheim in Frankfurt waren keine Sirenen zu hören. Der Grund ist simpel, doch viele wissen das nicht: Im Stadtgebiet von Frankfurt wurden die Sirenen zurückgebaut, außer im Industriepark Höchst und bei Alessa in Fechenheim, wie eine Sprecherin der Feuerwehr mitteilte. Dort hätten die Sirenen wohl ordnungsgemäß ausgelöst.

Am Warntag 2020 sollten die Nutzer von Warn-Apps eine Meldung auf ihr Smartphone bekommen - doch nicht alles lief glatt.

Auch die Warn-App Katwarn hat – zumindest bei einigen Nutzerinnen und Nutzern – keinen Alarm auf das Handy geschickt.

Wie die Feuerwehr Hanau via Twitter mitteilt, seien dort alle Sirenen ausgelöst worden. Sie seien wohl aber nur leise zu hören gewesen. In Hainburg im Kreis Offenbach hat dagegen alles tadellos funktioniert, teilt eine Reporterin vor Ort mit. Um eine allgemeine Störung scheint es sich also nicht zu handeln.

Warntag 2020: Bundesweit heulen die Sirenen

Erstmeldung vom Dienstag, 08.09.2020, 11.11 Uhr: Frankfurt - Am Donnerstag, den 10. September wird es laut in Deutschland: Die Sirenen heulen, Warn-Apps lösen aus, Lautsprecherwagen rollen durch die Straßen, Funk und Fernsehen unterbrechen ihre Programme. Wissen Sie was nun zu tun ist? Der bundesweite Warntag 2020 am Donnerstag soll genau das erreichen: Dass jede und jeder im Notfall weiß, was ein Warnton bedeutet und was nun zu tun ist. Er soll die Akzeptanz und das Wissen rund um das Warnsystem in Deutschland stärken und damit den Selbstschutz der Bevölkerung erhöhen.

Und dazu fahren die Behörden ein ganzes Arsenal an Warnkanälen auf - von der altbekannten Sirene bis zu modernen Warn-Apps. An diesem Donnerstag soll erstmals alles deutschlandweit auf die Probe gestellt werden. Pünktlich um 11.00 Uhr werden zeitgleich in allen 16 Bundesländern, in den Landkreisen und in den Kommunen mit einem Probealarm die sogenannten Warnmittel ausgelöst. Um 11.20 Uhr folgt dann das Signal zur Entwarnung. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um den Warntag 2020.

EreignisBundesweiter Warntag 2020
Datum10. September 2020
Uhrzeit11.00 Uhr - 11.20 Uhr

Sirenen-Alarm in ganz Deutschland: Das ist der Hintergrund

1. Wie funktioniert der bundesweite Probealarm am Warntag 2020?

Die Probewarnung wird am Donnerstag (10.09.2020) an die sogenannten Warnmultiplikatoren geschickt, die an das Modulare Warnsystem (MoWaS) des Bundes angeschlossen sind. Warnmeldungen sollen schließlich auf möglichst vielen Wegen verbreitet werden, um einen möglichst großen Teil der Bevölkerung zu erreichen - im Idealfall natürlich alle. Diese Warnung wird dann über Satellit an die verschiedenen Kommunikationskanäle wie unter anderem Radio- und Fernsehstationen, Onlinemedien der Tageszeitungen oder Warn-Apps – zum Beispiel die App NINA – übermittelt und so an die Bevölkerung weitergegeben.

Die Satellitenübertragung ist weitgehend störungssicher und funktioniert auch beispielsweise im Falle eines Stromausfalls. Welche Warnmittel in den einzelnen Ländern und Kreisen genau zum Einsatz kommen, entscheiden die örtlichen Behörden, es kann also lokale Unterschiede geben.

Logo zum bundesweiten Warntag 2020 am 10. September um 11.00 Uhr: „Wir warnen Deutschland“

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hat auf der Website „Warnung der Bevölkerung" in einer interaktiven Karte zusammengefasst, wer in den jeweiligen Ländern für die Warnung am Donnerstag und allgemein zuständig ist und wie die verschiedenen Warnkonzepte aussehen können.

Sirenengeheul in Frankfurt: Bundesweiter Warntag 2020

2. Was bedeutet der Warntag 2020 für Deutschland

In Frankfurt ertönen die Sirenen für die Industrieparks Höchst und Alessa in Fechenheim. Die Unternehmen haben in der Vergangenheit jeweils zweimal im Jahr eigene Probealarme durchgeführt, mit einer etwas anderen Sirenenfolge. Am Donnerstag und auch künftig schließen sie sich aber dem bundesweiten Warntag und dem dazu gehörigen Warnrhythmus an. Die Stadt und die Feuerwehr Frankfurt machen in einer Pressemitteilung dazu auch nochmal besonders auf die Warn-Apps aufmerksam: „Jeder Frankfurter, der NINA, KATWARN, Hessenwarn oder BIWAPP auf seinem Smartphone installiert hat, wird am Donnerstag die Probewarnung des BBK empfangen – und 20 Minuten später auch die Probe-Entwarnung. Wichtig ist, überhaupt eine aktualisierte Warn-App zu haben.“

Nicht nur Frankfurt, auch Offenbach, Hanau und Darmstadt nehmen am Warntag 2020 am Donnerstag teil.

Warntag 2020: Warum heulen die Sirenen?

3. Wie klingen die Signale der Sirenen am Warntag?

Der Alarm, der am Donnerstag, den 10. September um 11.00 Uhr aus den schätzungsweise 40.000 Sirenen im Land erklingt, wird ein einminütiger Heulton sein. Der Ton wird auf- und abschwellen und weist auf eine unmittelbare Gefahr hin. Es geht bei den Sirenensignalen vor allem darum, dass die Bürger durch den Heulton der Sirenen auf eine besondere Situation aufmerksam gemacht werden und vor allem auch aus dem Schlaf geweckt werden, wenn Radio, Fernsehen und das Handy aus sind.

Sirenen können allerdings nur kundtun, dass Gefahr im Verzug ist, aber nicht welche. Das zusätzliche komplexe Warnsystem aus Rundfunk, Lautsprecheransagen, Warn-Apps und Co. gibt dann konkrete Informationen zur Notlage und Hinweise, was Sie zu Ihrem Schutz tun können. „Generell gilt: Bewahren Sie Ruhe, informieren Sie sich über die Medien und unterrichten Sie gegebenenfalls Ihre Nachbarn", so das BBK.

Ein einminütiger Dauerton bedeutet dann, dass keine akute Gefahr mehr besteht. Dieser soll am Warntag 2020 um 11.20 Uhr erklingen.

Warntag 2020: Erfolgreiche Bevölkerungswarnung

Um die Bevölkerung erfolgreich zu warnen, müssen nach Expertenmeinungen verschiedene Aspekte zusammenspielen: Eine Weck- und Informationsfunktion. Die Sirenen erfüllen dabei die „Weckfunktion“: Sie sind 24 Stunden am Tag einsatzbereit und zeigen an, dass eine akute Gefahr vorhanden ist. Damit die Warnung ihren Zweck tatsächlich erfüllt, muss aber auch jeder wissen, dass das Signal auf eine Gefahr hindeutet und man sich auf anderen Wegen konkret über die Gefahr informieren sollte.

Sirenengeheul in Deutschland: Das ist der Hintergrund

4. Was soll der Warntag 2020 bringen?

Wozu der ganze Aufwand, wenn ein so großer Probealarm schon seit der Wiedervereinigung 1990 nicht mehr stattfand? „Es hat sich gezeigt, dass Menschen in Krisensituationen vor allem auf Bekanntes und bereits Erlerntes zurückgreifen“, sagt Christoph Unger, Präsident des BBK, gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Deshalb sei es sinnvoll, so etwas einzuüben. In kleinerem Rahmen sind Probealarme ja auch nichts Unbekanntes. So werden beispielsweise im Allessa-Chemiewerk in Frankfurt Fechenheim in regelmäßigen Abständen die Sirenen bei einem Probealarm getestet*. Und genau wie lokale Probealarme soll der bundesweite Warntag 2020 am Donnerstag dazu beitragen, dass die Warnkanäle und Sirenentöne bekannt gemacht werden, sodass die Bürgerinnen und Bürger sich mit der Warnung in einer Notlage auskennen und wissen, was nach einer Warnung zu tun ist.

Neben der großen Bedeutung für die Bürger ist der Probealarm am Donnerstag allerdings auch für die zuständigen Behörden ein wichtiger Testlauf: Er wird beispielsweise zeigen, ob die Sirenen, die vielerorts jahrelang nicht benutzt wurden, noch einwandfrei funktionieren und ob das System an verschiedenen Stellen ausgebessert werden muss.

Großalarm in Frankfurt: Warum heulen die Sirenen?

5. Warum ist der bundesweite Warntag am 10. September?

Die Gründe für den großangelegten Probealarm am Donnerstag scheinen logisch, doch warum findet er genau am 10. September statt? 109 erinnert nicht an Warnung oder Katastrophenschutz, wie es beispielsweise beim Twitter-Gewitter der Berufsfeuerwehren* am 11. Februar der Fall ist. Hier ist gleich am Datum (112) zu erkennen, warum der Tag für die Aktion gewählt wurde. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) erklärt die Auswahl des Tages ganz einfach: Im größten Teil des Landes ist dann schon wieder Schule, so könne man davon ausgehen, möglichst viele Menschen zu erreichen.

Warntag 2020: Terroranschläge, Naturkatastrophen, Chemieunfälle oder Pandemien

6. Vor welchen Gefahren wird im Notfall gewarnt?

Während des Kalten Krieges wurden solche Warntage, also Deutschland-weite Probealarme wie er am Donnerstag (10.09.2020) stattfindet, zweimal jährlich durchgeführt. Nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes wurden diese allerdings nicht mehr für nötig gehalten und eingestellt, „Kein weiterer Bedarf", hieß es. Im Laufe der Jahre traten allerdings neue Gefahren an die Stelle militärische Bedrohung aus Osteuropa: Terroranschläge, Naturkatastrophen, Chemieunfälle oder Pandemien gehören dazu.

Naturereignisse wie die Hitzewellen in den Jahren 2018 und 2019, Hochwasser, aber auch Bedrohungslagen durch beispielsweise Terroranschläge wie in Halle und Hanau sowie die Corona-Pandemie*, haben die Bedeutung des Warnsystems in der letzten Zeit wieder besonders erhöht. Bundesweit warnen die Behörden über das Modulare Warnsystem des Bundes vor verschiedenen Gefahren und Szenarien:

  • Naturgefahren, wie Hochwasser oder Erdbeben
  • Unwetter, wie schwere Stürme, Gewitter oder Hitzewellen
  • Schadstoffaustritte oder allgemeine Unfälle in Chemiebetrieben
  • Ausfall der Versorgung (z.B. Strom, Wasser, Telekommunikation)
  • Krankheitserreger
  • Großbrände
  • Waffengewalt und Angriffe (Terrorgefahren)
  • Weitere akute Gefahren, wie beispielsweise Bombenentschärfungen bei denen Evakuierungen notwendig sind

7. Wer warnt vor den Gefahren?

Wer warnt?Warum?
BundVerteidigungsfall
LänderKatastrophenfall
Städte, Kreise, Gemeinden (Katastrophenschutzbehörde)Lokale Schadensereignisse, z.B. warnt die Feuerwehr vor Großbränden
Deutscher WetterdienstWettergefahren, Unwetter
HochwasserportaleHochwasser

Sirenen, Warn-Apps, Rundfunk: Der bundesweite Warntag

Der bundesweite Warntag 2020 soll daher auch keine einmalige Sache bleiben. Auf Beschluss der Innenministerkonferenz wird der Warntag in Zukunft immer am zweiten Donnerstag im September stattfinden. Christoph Unger, Präsident des BBK, kündigt außerdem schon weitere Maßnahmen an, die das Wissen über Warnungen und das richtige Verhalten in Notlagen in der Bevölkerung verbreiten sollen: „Im Rahmen weiterer Aufklärungskampagnen und Aktionen sollen auch Verhaltenshinweise für den Gefahrenfall gegeben werden.“

Warntag 2020: Bürger erhalten auch über Warn-Apps wie „NINA“ oder „KatWarn“ Meldungen bei Gefahrenlagen. 

Der bundesweite Warntag 2020 am Donnerstag, den 10. September wird von Bund und Ländern organisiert. Das BBK, sowie die Innenministerien der Bundesländer sind für die Warnungen zuständig. Auf kommunaler Ebene dann die im Katastrophenschutz verantwortlichen Behörden. iwe (*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.)

Rubriklistenbild: © Feuerwehr Frankfurt

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