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„Warum steht da ein Sprengplatz?“ Antworten zum Berliner Großfeuer-Fiasko zwischen Wannsee und Olympiastadion

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Von: Patrick Mayer

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Das Großfeuer im Forst Grunewald erhitzt in Berlin auch die Gemüter. Standort, Brandursache, Kritik - Fragen und Antworten zum Waldbrand mitten in der Hauptstadt.

Berlin - Die Bilder sind spektakulär. Mitten in der Hauptstadt mit ihren rund 3,7 Millionen Einwohnern ist in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag (4. August) ein Waldbrand im Erholungsgebiet Grunewald ausgebrochen.

Laut Behördenangaben kam es auf einem Sprengplatz der Berliner Polizei zu einer Explosion, die in einer Kettenreaktion weitere Explosionen verursachte. Aber: Warum wird hochexplosives Material überhaupt inmitten eines riesigen Waldstückes gelagert? Wie konnte dieses Unglück passieren? IPPEN.MEDIA beleuchtet Fragen und Antworten zum Großfeuer von Grunewald.

Waldbrand in Berlin: Warum brennt es in Grunefeld?

Wo brennt es? Grunefeld ist eine der wohlhabendsten Gegenden Berlins und ein gehobener Bezirk im riesigen Stadtteil Charlottenburg-Wilmersdorf (mehr als 330.000 Einwohner). Elegante Villen und Hotels sowie idyllische Straßen und grüne Alleen prägen das Bild im äußerten Westen der Hauptstadt.

Das gleichnamige Forst Grunewald ist ein beliebtes Naherholungsgebiet und teils ein Naturschutzgebiet. Es grenzt im Westen an den Fluss Havel und im Norden an den Berliner Olympiapark mit dem Olympiastsadion im Zentrum. Auch der bekannte Wannsee ist, etwas südlicher gelegen, nur wenige Kilometer entfernt. Das Großfeuer ist auf einem Sprengplatz der Berliner Polizei ausgebrochen und griff auf die umliegenden Wälder über. Am Donnerstagnachmittag standen eineinhalb Hektar Wald in Brand.

Waldbrand mitten in Berlin: Im Forst Grunewald ist auf einem Sprengplatz der Polizei ein Großfeuer ausgebrochen.
Waldbrand mitten in Berlin: Im Forst Grunewald ist auf einem Sprengplatz der Polizei ein Großfeuer ausgebrochen. © dpa-Bildfunk

Waldbrand in Berlin: Warum brennt es in Grunefeld?

Warum brennt es? Laut Behördenangaben kam es auf dem Sprengplatz samt Munitionsdepot zu einer unkontrollierten Explosion. Es folgten weitere Explosionen durch das Feuer. Auf dem Gelände in Grunewald sind laut Polizei illegale Feuerwerkskörper sowie Kampfmittelmunition bis hin zu beseitigter „Weltkriegsmunition“ aus dem Zweiten Weltkrieg gelagert.

Weil immer wieder Trümmerteile und Feuerwerkskörper umherflogen, musste die alarmierte Feuerwehr in der Nacht und in den frühen Morgenstunden des Donnerstags wieder abrücken. Laut Feuerwehrsprecher bestand „Lebensgefahr“ für die Einsatzkräfte. Ein Video eines Journalisten zeigt bei Twitter neben den Explosionen der Munition einen zurückgelassenen Feuerwehrschlauch. Weil eine Bekämpfung nicht möglich war, konnte sich das Feuer ausbreiten. Die Böden im angrenzenden Brandenburg und in Berlin gelten zudem als besonders trocken - unabhängig von der aktuellen Hitze in Deutschland. All das begünstigte die Brandherde. Die Brandursache ist bislang völlig unklar.

Waldbrand in Berlin: Was ist über den Sprengplatz der Polizei in Grunefeld bekannt?

Was ist über den Sprengplatz in Grunewald bekannt? Es gibt ihn bereits seit 1950. Dort würden zweimal im Jahr jeweils für mehrere Tage kontrollierte Sprengungen angesetzt, sagte ein Sprecher der Polizei am Donnerstag (4. August). Es habe immer wieder Versuche gegeben, andere Standorte zu suchen.

Der Sprengplatz ist mit mehreren Stacheldrahtrollen und einem hohen Stacheldrahtzaun gesichert. Laut Feuerwehrsprecher lagerten bis zu 50 Tonnen Munition auf dem Gelände. Wie die Polizei auf Twitter mitteilte, sind in Berlin keine alternativen Nutzungsflächen vorhanden beziehungsweise nicht genehmigungsfähig. Das Gelände sei mit Brandmeldeanlagen ausgestattet und verfüge über eine mehrere Meter breite Brandschutzschneise. Dennoch konnten die Flammen auf die anliegenden Waldstücke übergreifen. Ein Video, das unter anderem vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) bei Twitter geteilt wurde, zeigt eine heftige Detonation in den Morgenstunden.

Während der Einsatz unter Hochdruck lief, erhitzte das Szenario in der Hauptstadt auch die Gemüter. Die Berliner Zeitung schrieb in einem journalistischen Kommentar: „Explosion mit Ansage: Warum befindet sich mitten im Grunewald ein Sprengplatz? (...) Warum steht eine solche Anlage an einem Ort, an dem potenziell Menschen gefährdet sind?“ Berlins Regierende Bürgermeisterin erklärte vor Ort: „Wir müssen uns darüber Gedanken machen, wie wir in Zukunft mit diesem Sprengplatz umgehen und ob auf Berliner Stadtgebiet ein solcher Ort der richtige ist.“

Waldbrand in Berlin: Feuerwehr, Bundeswehr, Bundespolizei - wieviele Kräfte sind im Einsatz?

Wer ist bei der Brandbekämpfung im Einsatz? Stand Donnerstagnachmittag waren 250 Kräfte von Berliner Feuerwehr und Polizei, der Bundeswehr und der Bundespolizei an der Brandbekämpfung beteiligt. Die Feuerwehr errichtete im Umkreis von einem Kilometer um das Gelände einen Sperrkreis, in dem der Waldboden bewässert wurde.

Ein „Dachs“-Pionierpanzer der Bundeswehr sollte Brandschneisen in die Baumreihen schlagen. Ein Helikopter der Bundespolizei beobachtet währenddessen die Lage mit Wärmebildkameras aus der Luft. Explizit Löschhubschrauber von Bundespolizei und Bundeswehr konnten laut Behörden jedoch nicht angefordert werden, weil diese bei den Waldbränden in der Sächsischen Schweiz gebraucht würden. (pm)

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