Prozess in Fulda

Versuchter Mord an Baby: Kind wurde schwer misshandelt  - Vater holte keinen Rettungsdienst

Prozessbeginn in Fulda
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Prozessbeginn in Fulda

Einem Mann aus Heringen (Hessen) wird versuchter Mord an einem Baby vorgeworfen. Das Kind hatte schwerste Misshandlungen. Die Eltern waren offenbar überfordert. Prozess in Fulda.

  • Prozess gegen einen Mann aus Heringen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg in Hessen.
  • Ihm wird versuchter Mord an seinem Baby vorgeworfen.
  • Am Kind wurden schwere Misshandlungen festgestellt.

Update vom Mittwoch, 06.05.2020, 18.52 Uhr: Eine ungeplante Schwangerschaft und zwei vom Leben heillos überforderte junge Menschen könnten der Hintergrund zu dem Geschehen sein, das derzeit vor dem Schwurgericht des Landgerichts Fulda als Mordversuch an einem Baby betrachtet wird.

Versuchter Mord an einem Baby: Misshandlungen waren lebensgefährlich

Die lebensgefährliche Misshandlung des drei Monate alten Babys lastet Staatsanwältin Natalia Fuchs im Prozess um versuchten Mord alleine dem heute 33-jährigen Heringer an, in dessen Obhut sich der Sohn am 18.09.2015 befand. Doch haben wohl auch die familiären Umstände dazu beigetragen, dass der Angeklagte in eine Situation geraten war, der er letztlich nicht gewachsen war.

Die Mutter des Kindes, eine 33 Jahre alte Hausfrau aus Rotenburg, hatte nach der Entbindung unter einer Wochenbett-Depression gelitten und sich nur sporadisch um das Baby kümmern können. Ohnehin war sie zuvor überzeugt davon gewesen, nicht schwanger werden zu können und hatte deshalb auch nicht verhütet.

Versuchter Mord an Baby: Vater durch Alkohol- und Drogensucht belastet

So war es der selbst durch Alkohol und Drogen belastete Vater, der nachts aufstand, um das Kind zu füttern, der die Windeln wechselte und auf den Sohn aufpasste. Erschwerend kam hinzu, dass die ohnehin schon labile Beziehung der Eltern im September 2015 endgültig zerbrach.

Von körperlicher Gewalt gegen das Baby war allerdings in der Aussage der 33-Jährigen in dem Prozess um den versuchten Mord an einem Baby keine Rede. Auch attestierte sie ihrem Ex-Gefährten, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten in die Vaterrolle gefügt zu haben. Sie seien beide halt sehr nervös gewesen, weil sie nichts falsch machen wollten, sagte die Zeugin.

Vier Tage vor dem Vorfall bat sie wegen einer schweren Erkältung ihre Schwiegermutter, den Kleinen in der damaligen Wohnung in Bebra abzuholen. Die heute 54-Jährige nahm das Kind mit in die Wohnung ihres Partners, wo sich mittlerweile auch ihr Sohn aufhielt.

Versuchter Mord an Baby: "Er ist mir einfach aus dem Arm gerutscht"

Wie es in der fraglichen Nacht zum Geschehen im Badezimmer kam, ist bislang unklar. Am folgenden Morgen fiel jedenfalls der schlimm gerötete Kopf des Babys auf. Auch befand sich der Vater in einem aufgelösten Zustand und versicherte „Ich wollte das nicht.“ Seiner ehemaligen Freundin schrieb er per WhatsApp: „Schatz, es tut mir leid. Er ist mir einfach aus dem Arm gerutscht.“

Der Vorwurf des versuchten Mordes erklärt sich im Übrigen nicht aus dem unmittelbaren Tatgeschehen, sondern aus dem anschließenden Fehlverhalten des Vaters. Trotz der schweren Verletzungen des Kindes hatte er es unterlassen, den Rettungsdienst zu rufen. Erst Stunden später informierte seine Mutter die Polizei und einen Betreuer.

Der Prozess wird am Dienstag, 12.05.2020, mit der Vernehmung von Ärzten und Polizisten fortgesetzt.

Versuchter Mord an Baby: Mann soll sein Kind schwer misshandelt haben - Prozess gestartet

Erstmeldung vom Dienstag, 05.05.2020, 6.35 Uhr: Versuchter Mord wird einem 33 Jahre alten Mann aus Heringen (Hessen) vorgeworfen, der sich ab heute vor dem Schwurgericht des Fuldaer Landgerichts verantworten muss.

Der Angeklagte soll am 18.09.2015 sein damals drei Monate altes Baby derart misshandelt haben, dass dieser mit lebensgefährlichen Verletzungen stationär ins Klinikum nach Bad Hersfeld musste.

Versuchter Mord an Baby: Vater hat nach Misshandlung keinen Krankenwagen gerufen

Weil es der Vater nach dem Vorfall unterlassen hatte, einen Krankenwagen für sein Baby zu rufen, nahm er aus Sicht der Kammer den Tod des Säuglings billigend in Kauf – juristisch wäre das ein Mordversuch. Ein Unterlassungsdelikt ist eine Straftat, die das Nichtstun unter Strafe stellt. Im Gegensatz zum sogenannten Begehungsdelikt wird man also bestraft, weil man gerade etwas nicht getan hat. Voraussetzung ist allerdings, dass der untätig Gebliebene die Möglichkeit gehabt haben muss, zu handeln.

Ein Motiv für die Misshandlung des Kindes ist bislang unklar. Laut der Anklage von Staatsanwältin Natalia Fuchs hat der Mann aus Heringen in Hessen das Baby im Badezimmer mit dem Gesicht in der Duschwanne oder im Waschbecken in maximal 69 Grad heißes Wasser getaucht, wodurch es schwere Verbrühungen erlitt.

Versuchter Mord an Baby: Säugling mit schweren Misshandlungen und Drogen im Blut

Bei den anschließenden Krankenhausaufenthalten in Bad Hersfeld und Kassel wurde zudem festgestellt, dass dem Baby auf bisher nicht nachvollziehbare Art und Weise Amphetamine – eine chemische Droge – verabreicht worden waren. 

Außerdem waren die 6. und die 7. Rippe gebrochen, und es fanden sich Hämatome an Gesäß und Oberschenkel. Wann dem Säugling diese Verletzungen beigebracht wurden, ist ebenfalls noch nicht geklärt.

Nach versuchten Mord an Baby: Diese Strafe drohen dem Angeklagten

Neben dem Mordversuch an dem Baby geht es vom Sachverhalt her um die Vorwürfe der Misshandlung Schutzbefohlener, der gefährlichen Körperverletzung und einen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. Sollte der Familienvater tatsächlich wegen versuchten Mordes verurteilt werden, droht ihm im Höchstfall wie für den vollendeten Mord eine lebenslange Freiheitsstrafe. 

Das Gericht kann die Strafe jedoch nach Paragraf 23.2 des Strafgesetzbuches mildern, der Rahmen läge dann zwischen drei und 15 Jahren. Für die Misshandlung Schutzbefohlener drohen sechs Monate bis zehn Jahre.

Versuchter Mord an Baby: Prozess beginnt - Urteil soll Ende Mai fallen

Das Verfahren wegen versuchten Mordes an einem Baby hatte ursprünglich vor dem Jugendschöffengericht in Bad Hersfeld stattfinden sollen, wurde dann jedoch an die höhere Instanz des Landgerichts in Fulda abgegeben. Auch dort fand noch ein Wechsel von der Jugendschutzkammer zur 1. Strafkammer statt, wodurch es zu weiteren Verzögerungen kam.

Am heutigen ersten Prozesstag wird lediglich die Anklage gegen den Heringer verlesen. Es sind weitere fünf Verhandlungstage terminiert, sodass nach bisheriger Planung Ende dieses Monats ein Urteil gesprochen werden könnte.

Von Karl Schönholtz

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